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Futtermittel-Skandal in Rees: Thesing will Schadenersatz von Lieferant

Futtermittel-Skandal in Rees : Thesing will Schadenersatz von Lieferant

Die Futtermittelfirma hat auf eigene Initiative Proben von einer Maislieferung aus Serbien genommen. Die war mit dem Pilzgift Aflatoxin belastet. Die Firma informierte die Aufsichtsbehörden und stoppte die Auslieferung.

Gestern sollte beim Futtermittelwerk ForFarmers Thesing das letzte ausgelieferte Futter zurückgeholt sein. Wie berichtet, hatte das Unternehmen bei einer Kontrolle zu hohe Messwerte von Schimmelpilzgift, einem so genannten Aflatoxin, in Mais aus Serbien festgestellt. Daraufhin hatte die Firma die Aufsichtsbehörden informiert und sofort die Auslieferung gestoppt. Von den 1050 Tonnen waren 150 Tonnen verarbeitet und an 55 Betriebe geliefert worden. "Das ganze Futter ist inzwischen zurückgerufen", so Geschäftsführer Hugo Thesing. Das Futter wurde in ein separates Lager gebracht und soll vernichtet werden. Der Futtermais dagegen soll an den Lieferanten zurückgeschickt werden.

Futtermittel-Skandal in Rees: Thesing will Schadenersatz von Lieferant
Foto: Axel Breuer (abre)

Im Zusammenhang mit dem Fall stellen sich eine Reihe von Fragen.

Warum bezieht Thesing Mais aus Serbien?

Das sei nichts Außergewöhnliches, so Hugo Thesing. "Wir kaufen über ein renommiertes Handelshaus europäischen Mais ein", erläutert er. 90 Prozent des Bedarfs werde über deutsch-französische Ware gedeckt. Um jedoch kontinuierlich mit Produkten versorgt zu werden, sind Zukäufe aus anderen europäischen Ländern nötig. Von dem Zulieferer will Thesing seine Kosten ersetzt bekommen.

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Gab es einen Verdacht, dass Mais dieser Lieferung belastet ist?

Nein. Zur Ware aus Serbien lag ein Zertifikat eines anerkannten Analyseinstitutes vor. Darin wird ein Aflatoxin-Wert bescheinigt, der 70 Prozent unter dem Grenzwert liegt. "Aufgrund der Diskussion um belasteten Mais aus Osteuropa haben wir die Ware selbst beprobt und noch am gleichen Tag analysieren lassen", berichtet Hugo Thesing. Als der erhöhte Wert feststand, habe er umgehend das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) informiert, das die Aufsichtsbehörde ist. Zudem sei sofort die Verarbeitung gestoppt und ausgeliefertes Futtermittel zurückgerufen worden. Die Betriebe bekamen Ersatz.

Wie viele Betriebe sind beliefert worden?

Insgesamt 55 in den Kreisen Kleve, Borken, Wesel, im Sauerland und im Bergischen Land. Teilweise ist das Material auch schon verfüttert worden. Nach Auskunft des Lanuv sei in Milch oder Fleisch aber kein Gift gefunden worden.

War das Zertifikat der Ware gefälscht?

Von solchen Vermutungen distanziert sich Hugo Thesing. Das Problem bei Aflatoxin sei, dass es davon "Nester" im befallenen Material gebe. "Es ist möglich, dass eine Probe völlig negativ ist und eine andere auffällig", erläutert auch Peter Schütz vom Lanuv.

Wo passierte die Verunreinigung?

Nach Ansicht des Lanuv ist die Belastung mit dem Schimmelpilz vermutlich schon in Serbien passiert. "Hintergrund wird ein Hygieneproblem gewesen sein, der Mais ist wohl zu lange feucht gelagert worden", so Schütz.

Was sagen die Aufsichtsbehörden zu dem Fall?

Das Lanuv hat Proben aus der serbischen Lieferung im Chemischen und Veterinäruntersuchungs-Amt Münster testen lassen. Erste Ergebnisse liegen bereits vor. Danach lagen die Werte teilweise leicht unter und leicht über dem Grenzwert. Das Lanuv ist der Ansicht, dass Thesing unverschuldet in die Situation hineingeraten sei. Das Amt lobt sogar das Vorgehen der Firma. "Wenn ein Unternehmen von sich aus zusätzliche Kontrollen veranlasst und uns schnell informiert, dann müssen wir sagen: Danke, das habt ihr gut gemacht." Auch das Umweltministerium bestätigt, dass sich das Haffener Unternehmen richtig verhalten habe. "Die Firma hat sich von alleine gemeldet und dadurch das Zurückrufen der Ware ermöglicht", sagt Wilhelm Deitermann, Sprecher des Umweltministeriums.

(RP/top)