Rees: Therapiehündin Balda lockt Patienten aus der Reserve

Rees : Therapiehündin Balda lockt Patienten aus der Reserve

Der English Pointer ist ein idealer Motivationstrainer in der Logopädiepraxis von Bianca Kullmann. Andrea Dercks hatte die Idee, Balda in der Therapie einzusetzen.

Balda redet in der Logopädiepraxis Wortreich nicht mit, schließlich fehlen dem English Pointer die entsprechenden Sprachwerkzeuge und die Hochschulausbildung. Dennoch gelingt es der knapp zweijährigen Hündin, Patienten Worte zu entlocken.

Andrea Dercks, die seit 2013 in der Praxis von Bianca Kullmann als Logopädin arbeitet, ist mit Hunden aufgewachsen. "Es war schon während des Studiums mein Wunsch, einen Therapiehund zu besitzen. Aber die Ausbildung ist extrem teuer - 15.000 Euro kommen da schon zusammen", berichtet Andrea Dercks. Inzwischen hat Balda ihre Hundeschulausbildung abgeschlossen, denn Grundgehorsam muss vor Beginn der Therapieausbildung bescheinigt werden.

Seit einem halben Jahr erscheint Balda mit ihrem Frauchen zur Arbeit. Dort gibt es strenge Regeln und die beherrscht die Hündin auch ohne Zuruf. "Natürlich haben wir unsere Patienten informiert und gefragt, wer Angst vor Hunden oder eine Tierhaarallergie hat", sagt Bianca Kullmann. Auch hat sie sich in Altenheimen, in denen sie Hausbesuche macht, erkundigt, ob und bei wem es erwünscht sei, den Hund mitzubringen. Tatsächlich gab es schon viele beglückende Momente.

"Ein Patient, der kaum noch Sätze zustande brachte und so gut wie gar nicht mehr sprach, sagte, als Balda mit ins Zimmer kam und er sie streichelte: ,Ich hatte auch mal einen Hund', er nannte sogar dessen Name. Ich war richtig gerührt", erinnert sich Andrea Dercks an diese bewegende Begegnung.

Auch Bianca Kullmann hat bei einer an Parkinson erkrankten Dame beobachtet, dass sich durch den Kontakt zum Hund Mimik und Beweglichkeit verbessern. Die Patienten streicheln den Hund und freuen sich, wenn sie sehen, dass er es genießt. "Die taktilen Reize sind sehr förderlich", weiß Bianca Kullmann, "das Streicheln beruhigt, auch bei unruhigen Kindern haben wir diese Reaktion beobachtet".

Erstaunlich sei auch, dass der Hund bei der Artikulationstherapie hilfreich ist. "Wenn die Patienten mit dem Hund reden, bemühen sie sich viel mehr, die Worte zu artikulieren und sie sprechen lauter." Ein Hund regt eben auch die Kommunikation an.

Bei vielen Menschen, auch bei Demenzerkrankten, erhellen sich die Gesichter und der Körper richtet sich auf, wenn sie einen Hund sehen, haben die beiden Logopädinnen beobachtet. Menschen, die bettlägerig sind, wird manchmal ein Hund ins Bett gelegt, damit sie ihn streicheln können. Das beruhigt, allerdings eignet sich Balda wegen seiner Größe nicht unbedingt als Betthund. Bisher hat noch jeder Patient, der die Praxis betrat, gefragt, ob er Balda streicheln darf. Natürlich lieben die Kinder sie. Sie wissen aber auch, dass sie Balda, wenn sie in ihrem Körbchen liegt, nicht anfassen dürfen.

Nun hat Balda, was eigentlich kein Therapeut haben sollte, Lieblingspatienten. Die Hündin steht auf Männer. Aber auch Kinder, die von Natur aus ruhig sind, werden freudig begrüßt. "Sie reagiert auf Menschen mehr als auf ihresgleichen. Daher ist sie als Therapiehund bestens geeignet", sagt Frauchen.

(ha)