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Emmerich: Theater-Flop 2: Nussknacker

Emmerich : Theater-Flop 2: Nussknacker

Nach dem Reinfall mit der Oper "Madame Butterfly" kommt die nächste Hiobsbotschaft für Emmerichs Kultur. Für das Ballett "Der Nussknacker" Anfang Dezember sind nicht mehr als 80 Karten verkauft.

"Der Nussknacker" wird pompös auf die Bühne des Stadttheaters gebracht, es gastiert das Ballett der Staatsoper Kharkov. Und zwar vor leeren Rängen: 80 Karten wurden bislang verkauft, mit einem großen Ansturm rechnet der städtische Kulturbetrieb nicht mehr. Er geht von drohenden Verlusten bis zu 1000 Euro aus. Das klingt nicht dramatisch. Bei nicht mehr als 30 000 Euro, die ihm im Jahr insgesamt für die Gestaltung des Theaterprogramms zur Verfügung stehen, ist es das aber, legt Kulturchef Michael Rozendaal dar: "Nach den ganzen Kürzungen rechnen wir mit jedem Cent. Für uns sind 100 Euro im Plus viel Geld."

Emmerich: Theater-Flop 2: Nussknacker

Absage in Erwägung gezogen

Der Nussknacker hätte nach den Plänen des Kulturbetriebes zumindest ein Nullsummenspiel werden sollen. Die Stadt hat die Aufführung nicht eingekauft: "Das würde 13 000 bis 15 000 Euro kosten." Stattdessen floss wesentlich weniger Geld – wie viel, ist vertraglich vereinbart geheim. Dafür gehören dem Veranstalter 90 Prozent der Einnahmen aus dem Kartenverkauf, die Stadt erhält zehn Prozent. Sie stellt außerdem das Haus und trägt die dazu gehörigen Kosten für Energie, Sicherheitskräfte, angeheuerte Helfer, Auf- und Abbau.

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"Wir haben überlegt, die ganze Geschichte abzusagen", sagt Michael Rozendaal. Dann entschied man sich doch dagegen, der schlechten Publicity wegen.

Heiner Frost, Musiker und Konzertveranstalter in Rees, glaubt, dass es auf kulturellem Sektor ein Überangebot gibt. "Es gibt in der Gegend so viele Konzerte, die Leute sind einfach überfordert, sich etwas auszusuchen", analysiert er. "Und irgendwann sagen sie sich: Dann fahren wir halt in die große Stadt nach Düsseldorf, das wird was Gutes sein."

Mobil und kurz entschlossen

Mobil genug sind die Theaterkunden heute. Niedrigere Eintrittspreise vor Ort scheinen kein Argument zu sein, schüren vielleicht sogar das Gefühl, es könne sich nicht um hochwertige Produktionen handeln. Zudem wollen Menschen sich Frosts Erfahrung nach nicht mehr Monate im Voraus festlegen. Sie landen eher an der Abendkasse. Alles in allem sei der Erfolg einer Veranstaltung kaum noch zu kalkulieren: "Ich hätte geschworen, beim Nussknacker wird die Bude voll."

Die Emmericher Kultur, schlägt er vor, müsste sich selbst als Marke aufbauen. Dazu bräuchte sie erlesene Angebote, gute Werbung und Zeit für Mundpropaganda. Wenn die Menschen sich in der Vielfalt der Kulturveranstaltungen kaum zurechtfinden, "dann brauchen sie einen Grund, um hinzugehen" – die Sicherheit, Qualität zu sehen.

Internet bisherige Berichterstattung auf www.rp-online.de/emmerich

(RP)