Firma storniert Aufträge in Emmerich Glasfaserausbau - Telekom-Tochter GlasfaserPlus zieht sich zurück

Emmerich · Das Unternehmen GlasfaserPlus, eine Tochter der Telekom, hat Bürgermeister Peter Hinze jetzt in einem Schreiben darüber informiert, dass sie das geplante Projekt zum Glasfaserausbau in der Emmericher Innenstadt nun doch nicht durchführen wird. Das Unternehmen wird bereits unterzeichnete Verträge für Hausanschlüsse stornieren.

Schnelles Internet durch Glasfaser – die Verträge mit GlasfaserPlus werden allerdings storniert.

Schnelles Internet durch Glasfaser – die Verträge mit GlasfaserPlus werden allerdings storniert.

Foto: dpa/Matthias Rietschel

(RP) Als offiziellen Grund für den Rückzug aus dem Projekt gibt GlasfaserPlus im Schreiben die angeblich mangelnde Unterstützung durch die Stadt Emmerich am Rhein bei dem Projekt an.

Bürgermeister Peter Hinze tritt dem in einer Pressemitteilung der Stadt entgegen: „Wir haben immer wieder versucht, die Telekom und andere Anbieter für ein Glasfaserprojekt im Innenstadtbereich und den angrenzenden Stadtteilen zu gewinnen. Ohne Erfolg. Erst als ein Mitbewerber nach langen gemeinsamen Vorgesprächen im vergangenen Herbst hier mit einem Ausbauprojekt an den Start gegangen ist, kündigte die Telekom für unsere Stadt ebenfalls ein Ausbauprojekt an. Im Gegensatz zum Mitbewerber allerdings begrenzt auf den Innenstadtbereich, also ohne Speelberg und Leegmeer. Das war für uns deutlich weniger attraktiv. Außerdem hat die Telekom für den Ausbau Ausnahmen verlangt, zum Beispiel im Bereich Bodendenkmalschutz, die wir nicht mittragen konnten. Darum haben wir auch die gewünschte Kooperationsvereinbarung nicht unterzeichnet. Trotzdem hätte die Telekom ihr Projekt hier umsetzen können.“

Denn die gesetzlichen Regelungen geben jedem Telekommunikationunternehmen das Recht, die öffentlichen Straße und Wege für den Glasfaserausbau zu nutzen. Folge ist der sogenannte „Überbau“: Straßen und Wege werden somit mehrfach aufgerissen, um Glasfaserleitungen verschiedener Unternehmen übereinander zu legen. „Dass mehrere Leitungen über- oder nebeneinander in die Straße gelegt werden und dafür jedes Mal neue Baustellen entstehen, kann man eigentlich keinem Außenstehenden erklären. Ich wünsche mir, dass der Gesetzgeber stärker darauf hinwirkt, dass ein solcher Überbau ausgeschlossen ist und Telekommunikationsunternehmen gezwungen sind, die vorhandenen Leitungen für andere zu öffnen oder bereits vorhandene zu nutzen“, so Hinze weiter. Technisch ist eine Nutzung von „fremden“ Leitungen schon seit längerem möglich. Bisher können sich aber die verschiedenen Telekommunikationsunternehmen vertragsrechtlich nicht einigen.

Erst im vergangenen November hatte GlasfaserPlus ohne vorherige Rücksprache mit der Stadtverwaltung angekündigt, mit Werbemaßnahmen für ein eigenes Glasfaserprojekt in Emmerich zu beginnen. Diese Aktivitäten werden nun nicht weiter fortgeführt.

Somit ist der Telekommunikationsanbieter „Unsere Grüne Glasfaser“ (UGG) aktuell das einzig verbliebene Unternehmen, das den Ausbau des Glasfasernetzes in Emmerich am Rhein konkret vorbereitet. Die UGG arbeitet mit dem Unternehmen O2 zusammen. Noch bis Ende des Monats laufen im Rahmen des Projektes Werbe- und Akquiseaktivitäten.

Seit knapp zehn Jahren engagiert sich die Stadt Emmerich am Rhein für schnelles Internet für Privathaushalte und Gewerbebetriebe. Ein aktuelles Beispiel ist das kreisweite „Weiße-Flecken“-Projekt, mit dem insbesondere die Außenbezirke einen Glasfaseranschluss erhalten sollen. Hier stockt der Ausbau aktuell leider, weil das verantwortliche Unternehmen Deutsche Glasfaser nach einem neuen Generalunternehmen sucht.

(RP)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort