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Emmerich: Tankstelleneinbrüche: Drahtzieher steht vor Gericht

Emmerich : Tankstelleneinbrüche: Drahtzieher steht vor Gericht

Vor dem Landgericht Kleve begann der Prozess gegen einen 25-jährigen Serben. Auch in Emmerich war er aktiv.

Kleve Das Geschäftsmodell war einfach, aber ertragreich: 2013 hat eine Bande aus den Niederlanden in mehr als 40 Tankstellen im Grenzgebiet eingebrochen - darunter auch die Star-Tankstelle in Emmerich. Dabei ging sie nicht sonderlich kreativ vor: In der Regel warfen die Täter einen Gullideckel durch die Scheibe der Tankstelle und räumten die Regale, in denen die Zigaretten lagen, leer. Diese packten sie blitzschnell in Bettlaken und türmten mit einem Auto, an dem sie zuvor gestohlene Kennzeichen angebracht hatten. Zwei Täter der siebenköpfigen Bande waren bereits geständig und sind zu Haftstrafen von knapp vier Jahren sowie vier Jahren und drei Monaten verurteilt worden.

Gestern begann vor dem Klever Landgericht die Strafverhandlung gegen einen 25 Jahre alten Serben. Er soll, so die Anklageschrift, die Einbrüche organisiert haben und Kopf der Bande sein. Nur für neun Straftaten wurde der 25-Jährige angeklagt, da man in der Regel pro Straftat von einem Jahr Haft ausgeht. So sollen Diebstähle in Geldern, Kranenburg, Emmerich, Uedem, Stolberg und Heinsberg auf sein Konto gehen.

Um zügig in die Niederlande flüchten zu können, wurden Tankstellen entlang der Grenze von Aachen bis hoch nach Niedersachsen für die Einbrüche ausgesucht. Und die lohnten sich. Allein die in einer Emmericher Tankstelle erbeuteten Zigaretten hatten einen Wert von 8000 Euro.

Während der Angeklagte sich zu den Taten nicht äußern wollte, machte er bereitwillig Angaben zu seiner Person. Seit 2002 wohnt er mit seiner Familie im niederländischen Eindhoven. Mit 18 Jahren arbeitete er in der Baubranche. Ein halbes Jahr später eröffnete er eine Zeitarbeitsfirma. Sein monatlicher Nettoverdienst lag zuletzt zwischen 5000 und 7000 Euro. Kurz vor der Verhaftung hatte er für sein Unternehmen einen größeren Auftrag an Land gezogen.

Als Chef der Bande soll der Serbe bei den Einbrüchen nie selbst dabei gewesen sein. Er ließ einbrechen. So die Aussagen der zwei geständigen Täter. Der 25-Jährige soll diese unter Druck gesetzt haben, da sie ihm Geld schuldeten. Er habe ihnen nahegelegt, auch unter Androhung von Gewalt, die Beträge durch Einbrüche abzuarbeiten. Der Serbe kassierte die Beute, um sie weiterzuverkaufen. Die Räuber sollen etwa 500 Euro für die Einbrüche erhalten haben.

Drei weitere Verhandlungstermine sind geplant, zu denen 18 Zeugen geladen sind.

(RP)