Tagung in Emmerich zur neuen Pflege-Ausbildung

Expertentreffen : Tagung zur neuen Pflege-Ausbildung

Im Januar startet die neue generalisierte Pflege-Ausbildung, die Kranken-, Gesundheits-, Alten- und Kinderkrankenpfleger zusammenfasst. Über die Chancen diskutierten Experten in Emmerich.

Am Freitag richtete die Krankenhausgesellschaft „pro homine“ in der Senioreneinrichtung St. Augustinus ihre dritte Pflegefachtagung aus. „Die Profession Pflege, ihre Inhalte und Rahmenbedingungen sind in der Öffentlichkeit ein wichtiges Thema und das ist gut so“, sagte Sylvia Guth-Winterink, zentrale Pflegedienstleiterin der pro homine und Hauptorganisateurin der Fachtagung, in der es unter anderem um „Selbstbestimmtes Handeln in der Pflege“ ging.

Neben einer Podiumsdiskussion zum Thema hielten verschiedene Referenten, unter anderem Professor Michael Isfort von der DIP Köln, Vorträge. Bürgermeister Peter Hinze, der die Schirmherrschaft übernahm, sprach zur aktuellen Pflegesituation und zukünftigen Herausforderungen im Kreis Kleve und gab an, dass 4,1 Prozent der Menschen im Kreis Kleve pflegebedürftig seien, Tendenz steigend.

Professor Michael Isfort, Wolfgang Stratenschulte, Sylvia Guth-Winterink und Andreas Bock (v.l.). Foto: Monika Hartjes

Zentrales Thema der Tagung war die neue generalisierte Pflege-Ausbildung, die im Januar 2020 startet. „Bisher gab es drei Ausbildungen zum Kranken- und Gesundheitspfleger, Altenpfleger und Kinderkrankenpfleger. Diese laufen jetzt aus. Wir generieren aus den drei Berufen den komplett neuen Beruf der Pflegefachmänner und -frauen“, erklärte Andreas Bock, Leiter des Bildungszentrums Niederrhein Wesel. „Diese neue Berufsgruppe übernimmt die Versorgung der Patienten in allen Lebensbereichen, von der Geburt bis zum Lebensende.“ Pro homine hat die Anzahl der Ausbildungsplätze um 43 Prozent erhöht – von derzeit 294 auf 420. Die gute Aussicht für alle Azubis: In der Pflege gibt es eine 100-prozentige Jobgarantie. Und die neue Ausbildung wird in Europa anerkannt. Seit acht Jahren besteht zudem die Möglichkeit, an der Ausbildung ein Studium über drei Semester anzuhängen und mit dem Bachelor-Abschluss einen akademischen Titel zu erwerben. Die intensive Ausbildung sei wichtig, denn wegen des Ärztemangels werde in Zukunft die Gesundheitsversorgung immer mehr über die Pflege geleistet werden müssen, so Guth-Winterink.

Sie hoffe, dass der Gesetzgeber die Bezahlung noch anpassen werde, sagte die Pflegedienstleiterin. „Da fällt das Ausbildungsentgeld deutlich attraktiver aus“, erklärte ihr Stellvertreter Wolfgang Stratenschulte. „Vom ersten bis zum dritten Ausbildungsjahr werden zwischen 1100 und 1300 Euro brutto gezahlt.“

Neben Vorträgen zu den Themen „Mangelernährung im Krankenhaus“, „Umgang mit Demenz im Krankenhaus – eine Bedarfsanalyse“, „Einarbeitung von Führungskräften“ und „Einführung der Manchester-Triage“ – ein standardisiertes Verfahren zur Ersteinschätzung in der Notaufnahme – sprach Professor Michael Isfort zum Thema „Selbstbestimmtes Handeln in der Pflege – Vorbehaltstätigkeiten“.

Aufgaben wie die Erhebung und Feststellung des Pflegebedarfs, die Organisation, Gestaltung und Steuerung des Pflegeprozesses, sowie die Analyse, Evaluation, Sicherung und Entwicklung der Qualität der Pflege dürfen nur von Pflegefachfrauen und -männern übernommen werden. Dadurch ergebe sich ein eigenes Berufsbild. „Es geht dabei um das Einschätzen und Einplanen von Pflege, nicht um die Durchführung. So darf Pflege auch weiterhin von Angehörigen zuhause übernommen werden“, erklärte Professor Michael Isfort.

Gerade der Niederrhein werde den demografischen Wandel stark spüren. 25 bis 30 Prozent mehr Menschen werden in den nächsten Jahren über 75 Jahre alt sein. „Da ist Pflege ein wichtiges Thema.“