Tackenweide: Mitbewohner hat vor Attentäter Anis Amri gewarnt

Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt: Tackenweide: Mitbewohner hat früh vor Amri gewarnt

Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin 2016: Mohamed J. sagte vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages aus. Er teilte sich ein Zimmer mit dem späteren Terroristen.

Zwölf Menschen hat der Terrorist Anis Amri getötet. Gab es keine Warnzeichen? Doch, sagt ein früherer Zimmergenosse. Im Bundestag berichtet er unter anderem von Skype-Gesprächen Amris mit bewaffneten Islamisten. Mohamend J. hat nach eigenen Angaben frühzeitig wegen Amris islamistischer Gesinnung Alarm geschlagen. Bereits im Herbst 2015 habe er den Leiter der Asyleinrichtung in Emmerich, in der er mit Amri einen Monat lang das Zimmer teilte, über seine Bedenken informiert, sagte der heute 26-jährige Syrer am Donnerstag im Untersuchungsausschuss des Bundestags.

Auch bei einer Anhörung im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im Sommer 2016 habe J. darüber gesprochen, dass er Amri für einen Extremisten halte. Dort habe er sich zum ersten Mal ernstgenommmen gefühlt. Fast zwei Stunden lang sei es beinahe nur um Amri gegangen. Vertreter von Polizei oder Sicherheitsbehörden hätten ihn aber erst nach dem Anschlag vernommen.

Der Tunesier Amri steuerte im Dezember 2016 einen Lastwagen in den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz und tötete zwölf Menschen. Auf der Flucht wurde er später in Italien von der Polizei erschossen.

J. sagte, er habe in einem „Planer“ Amris zufällig eine Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat gesehen und dies dem Heimleiter gemeldet. Amri sei nach seiner Einschätzung jemand gewesen, von dem Böses zu erwarten gewesen sei. Amri habe wiederholt per Skype mit Freunden gesprochen, die nach seiner Einschätzung aus den Maghreb-Staaten kamen und die J. als „Mudschaheddin“ beschrieb. Sie hätten lange Haare und Kalaschnikows gehabt. Amri habe mit ihnen über seine Pläne gesprochen, nach Syrien in den Dschihad zu ziehen, und auch die drei Mitbewohner dazu aufgerufen. Zudem habe er Videos von Selbstmordattentaten angesehen.

Die Obfrau der Grünen im Untersuchungsausschuss, Irene Mihalic, zeigte sich befremdet. „Es ist schon ein merkwürdiger Vorgang, dass die Einschätzung eines Mitbewohners zur Gefährlichkeit Amris nicht weiterverfolgt worden zu sein scheint“, sagte sie. Es müsse nun genau geklärt werden, warum dieser wichtigen Information scheinbar nicht nachgegangen worden sei. Der FDP-Abgeordnete Benjamin Strasser äußerte sich ähnlich. „Es stellt sich die Frage, welche Rolle unklare Zuständigkeiten und Kompetenzwirrwarr dabei gespielt haben“, sagte er. „Angesichts der weiterhin hohen Terrorgefahr müssen wir sicherstellen, dass sich dergleichen nicht wiederholt.“

Amri habe in Emmerich nach Einschätzung des früheren Zimmergenossen wenig Bekannte gehabt. Er sei sehr oft in die örtliche Moschee gegangen. Seine Mitbewohner habe er gefragt, was sie in Deutschland, dem Land der Ungläubigen, machten. Amri selbst habe erklärt, er versuche, hier durch Diebstähle an Geld zu kommen und mit mehrfachen Identitäten zusätzliches Geld von Behörden abzuschöpfen. Nach Amris extremistischem Verständnis des Islam sei das gegenüber „Ungläubigen“ erlaubt gewesen. J. beschrieb den späteren Attentäter mehrfach als jemanden, der eine „Gehirnwäsche“ durchlaufen habe. Er sei seinen Mitbewohnern mit seinen ständigen Vorhaltungen darüber, was nach seien religiösen Vorstellungen erlaubt oder verboten sei, auf die Nerven gegangen.

(dpa/beaw)
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