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Streit um die Nachauskiesung

Politik : Streit um die Nachauskiesung

Ist das Vorhaben von Holemans, 2,2 Millionen Kubikmeter Sand und Kies aus dem Reeser Meer abzusaugen, eine neue Abgrabung oder eine nachhaltige Rohstoffgewinnung? Im Bauausschuss gab’s darüber unterschiedliche Auffassungen.

Vor drei Jahren hat der Reeser Rat beschlossen, keinen weiteren Kiesabgrabungen auf dem Stadtgebiet zuzustimmen. Doch wie ist mit Vorhaben umzugehen, die die Ausweitung bestehender oder bereits abgeschlossener Auskiesungen im Blick haben? Um diese Frage drehte sich eine Diskussion im jüngsten Bauausschuss, bei der es um die so genannte Restauskiesung im Nordsee des Reeser Meeres ging.

Wie berichtet, hat die Firma Holemans beim Kreis Kleve beantragt, aus dem Nordsee weitere Kiesmengen zu fördern. Dies soll allerdings dadurch geschehen, dass das Unternehmen in die Tiefe geht. Mit einem Saugbagger sollen Kies und Sand 60 Meter von der Uferlinie entfernt bis zum Tertiär geborgen werden. Das gewonnene Material, insgesamt 2,2 Millionen Kubikmeter, soll dann mit einer Druckrohrleitung auf einen Polder südlich des Reeser Meers gespült werden. Die Absaugung wird nur in den Wintermonaten erfolgen.

Weil durch dieses Verfahren keine weiteren Flächen in Anspruch genommen werden, hat die Bezirksregierung die Planung als „nicht raumbedeutsam“ eingestuft. Das heißt, dass das Vorhaben nicht dem bestehenden Regionalplan widerspricht. Ganz ähnlich beurteilt dies auch die Reeser Stadtverwaltung, die darin keinen Widerspruch zum bestehenden Ratsbeschluss sieht. In der Sitzung am Donnerstag entbrannte jedoch genau darüber ein Streit. Während CDU, SPD und FDP sich der Auffassung von Bezirksregierung und Stadtverwaltung anschlossen, kritisierten die Grünen das Vorhaben. Fraktionschef Helmut Wesser wunderte sich, dass die Auswirkungen des Vorhabens als nicht bedeutsam eingestuft würden. Er wertete die Nachauskiesung als neues Projekt. Dementsprechend könne die Politik nicht zustimmen. Zudem gebe es auch ökologische Gründe für ein Nein: „Die Abgrabung am Nordteil des Reeser Meers ist vor gut 20 Jahren abgeschlossen worden. Seitdem hat sich dort bei Flora und Fauna einiges geändert“, argumentierte er und hob hervor, dass das Reeser Meer in Teilen Naturschutz- und auch Vogelschutzgebiet sei. Es sei ein „ziemliches Kunststück“, das zu ignorieren.

Zudem diene die Restauskiesung nicht der regionalen Versorgung, sondern dem Export. „Dann kann es mit der viel beschworenen Rohstoffknappheit hierzulande nicht so weit her sein“, sagte Wesser.

Widerspruch bekam er vor allem von Seiten der SPD. Harry Schulz redete sich regelrecht in Rage und warf Wesser vor, nicht die Belange der Stadt Rees und der Reeser Unternehmen, sondern nur seiner Wählerklientel zu vertreten. „Wir sind auch den Firmen in unserer Stadt verpflichtet. Da hängen Arbeitsplätze und das Schicksal vieler Familien dran. Was Sie hier betreiben, ist ein Kesseltreiben gegen einheimische Unternehmen“, wetterte er. SPD-Bürgermeisterkandidat Bodo Wissen versuchte hingegen, den Grünen eine Brücke zu bauen. Er räumte ein, dass es auch innerhalb der SPD unterschiedliche Auffassungen gäbe: „Wir haben uns in der Fraktion gefragt, ob wir mit einem Ja zur Restauskiesung nicht auch Druck schaffen, um die künftigen Abgrabungsmengen zu erhöhen“, erklärte er mit Blick auf die Fortschreibung des Regionalplans. Die Bezirksregierung in Düsseldorf habe dies jedoch verneint, weil sie bei jedem Vorhaben die in Anspruch genommene Fläche betrachte, und nicht die beabsichtige Fördermenge. „Wenn wir der Nachauskiesung zustimmen, führt das also dazu, dass die Unternehmen beschäftigt sind und wir nicht so schnell wieder neue Anträge auf den Tisch bekommen“, erläuterte Wissen.

Die Grünen konnte der Bürgermeisterkandidat damit jedoch nicht überzeugen. Sie blieben bei ihrem Nein. Bei drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen aus den Reihen der SPD stimmte der Ausschuss der Restauskiesung zu.