Politik Grüne fragen nach Erich Feyerabend

Rees · Der Künstler, nach dem in Rees eine Straße benannt ist, unterzeichnete 1934 ein Manifest Goebbels‘.

(bal) Erich Feyerabend ist ein Sohn der Stadt Rees. Der Künstler kam dort 1889 zur Welt, verlebte seine Jugendzeit in Berlin und ging dann später nach Stuttgart, wo er als Zeichner, Grafiker und Maler Erfolge feierte und, inzwischen Professor, Direktor der Stuttgarter Akademie wurde. Unter anderem ist er für seine großformatigen Holzschnitte bekannt. In den 1930er Jahren erhielt er von interessierten Städten Aufträge, Stadtansichten anzufertigen. Auch von Rees gibt es eine solche Arbeit Feyerabends. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, im Oktober 1945, starb er an den Folgen einer Lungenentzündung. Die Stadt Rees hat eine Straße nach dem Künstler benannt.

Im jüngsten Bauausschuss baten die Grünen darum zu prüfen, ob die Straße weiter ihren Namen behalten kann. Denn Erich Feyerabend gehörte im August 1934 zu den Unterzeichnern des von Joseph Goebbels formulierten „Aufrufs der Kulturschaffenden“. Das von 37 Künstlern unterschriebene Manifest, das im NSDAP-Parteiorgan „Völkischer Beobachter“ erschien, wurde am Vorabend der Volksabstimmung veröffentlicht, mit der sich die Regierung Hitler die Übernahme des Amtes des Reichspräsidenten von der Bevölkerung bestätigen lassen wollte. „Wir glauben an diesen Führer, der unseren heißen Wunsch nach Eintracht erfüllt hat. Wir vertrauen seinem Werk, das Hingabe fordert jenseits aller krittelnden Vernünftelei, wir setzen unsere Hoffnung auf den Mann, der über Mensch und Dinge hinaus in Gottes Vorsehung gläubig ist“, heißt es unter anderem in dem Pamphlet. Die Abstimmung erbrachte Hitler eine deutliche Mehrheit von 89,9 Prozent.

„Wir möchten gerne, dass die Stadtverwaltung prüft, inwieweit die Benennung der Straße nach Erich Feyerabend noch aufrecht erhalten werden kann“, sagte Grünen-Fraktionschef Helmut Wesser. Er regte an, sich beim Stadtarchiv oder möglicherweise auch beim Geschichtsverein Ressa darüber zu informieren, wie stark der Künstler tatsächlich in den Nationalsozialismus involviert war.

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