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Störche in Emmerich bei Familie Kellmann

Familie Storch hinterm Haus : „Das ist besser als Fernsehen“

Die Störche bei Familie Kellmann haben Nachwuchs bekommen. Drei Jungtiere halten ihre Eltern auf Trab.

Familie Storch in Vrasselt hat Nachwuchs. Drei muntere Mini-Störche sitzen im Nest und halten ihre Eltern auf Trab. Denn mittlerweile sind die Kleinen sechs Wochen alt. „Und rasant gewachsen“, hat Carsten Kellmann beobachtet. Der Platz im Nest – wenn alle fünf Familienmitglieder zuhause sind – ist ganz schön eng. Doch die „Alten“ sind die meiste Zeit unterwegs, um Nahrung zu sammeln. „Rund drei Kilogramm an Fleisch - unter anderem Würmer, Fische, Schnecken oder Frösche – braucht eine fünfköpfige Familie“, weiß Kellmann. War Vater Storch kurz nach der Geburt zunächst alleine unterwegs, so sind jetzt beide Elternteile oft stundenlang auf Nahrungssuche, denn sonst bekommen sie das Trio nicht satt.

Zur Silberhochzeit schenkte Carsten Kellmann aus Vrasselt seiner Frau Claudia einen selbst gebauten Storchen-Horst. Unter strengster Geheimhaltung fertigte er gemeinsam mit seinen Söhnen Cedric (22) und Connor (12) das geflochtene Nest aus Weidenruten, das auf einer rund zehn Meter hohen Stange befestigt wurde und hinter dem Garten steht. Am 19. März hielt ein Storchenpaar Einzug und gestaltete das Nest nach seinen eigenen Wünschen mit Ästen, Zweigen und Heu. Die Freude war groß, dass der Horst so schnell angenommen wurde. Mit dem Fernglas konnte Carsten Kellmann beobachten, dass das etwas größere Männchen einen Ring trug und die Zahlen auch entziffern. „Da stand auch NLA für die Niederlande drauf. An den Zahlen kann man erkennen, wo der Storch herkommt“, erklärt Kellmann. Er habe das an das Naturschutzzentrum Bienen weitergegeben, dort wolle man das jetzt recherchieren.

Vom Küchenfenster oder von der Terrasse aus lässt sich das Leben der langbeinigen Vögel wunderbar beobachten. „Das ist besser als Fernsehen“, sagt Oma Elli Kellmann. Auch die Nachbarn schauen gerne zu. Und immer wieder stehen Leute auf der Straße – ältere, jüngere und Kinder – die das Nest und seine Bewohner bestaunen. Während des Brütens hatte das Männchen für Frau Storch das Fressen mit besorgt. Als das Feld gepflügt wurde, lief er sogar neben dem Traktor her, um an die Würmer zu kommen.

Und alle konnten beobachten, wie plötzlich drei kleine flauschige Minis mit Schnabel auftauchten. Schnabel und Beine des Nachwuchses sind noch schwarz, werden erst mit dem Erwachsenwerden rot. Einer ist mittlerweile ein bisschen größer, weil er sich bei der Fütterung immer besonders hervortut. „Jeden Tag sieht man, wie sie wachsen“, sagt Carsten Kellmann. „Und die Sauberkeitserziehung war in zwei Wochen bereits abgeschlossen“, erzählt Ehefrau Claudia. Vorher musste die Mutter die Hinterlassenschaften aus dem Nest werfen, nach 14 Tagen stellten die Kinder sich selbst so hin, dass der Kot über den Nestrand in die Tiefe fällt. Darunter ist ein Maisfeld. Wo der Kot hinfällt, wächst der Mais besonders hoch – beste Naturdüngung. Die Eltern benutzten ihren Kot als Sonnenschutz, sie streichen vor Abflug damit ihre Beine ein.

Klappern konnten die Storchenjungen schon nach zwei/drei Wochen und seit einer Woche machen sie Flugübungen: breiten die Flügel aus und hüpfen im Nest herum. In der nächsten Zeit werden sie wohl flügge werden und irgendwann das Nest verlassen. Die Kellmanns hoffen, dass der Horst jetzt regelmäßig von den Störchen genutzt wird. „Das ist der anschaulichste und faszinierendste Biologieunterricht, den ich je erlebt habe“, sagt Carsten Kellmann.