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Sreit in Rees um die Gemeindebücherei in Bienen

BIENEN : Warum es Streit um die Gemeindebücherei gibt

In Bienen gibt es Streit darüber, wohin die kleine Bücherei umziehen soll. Die Stadt fürchtet hohe Renovierungskosten in der alten Schule. Die Heimatfreunde sind gegen einen neuen Standort im Dachgeschoss.

Eines steht fest: Die Bienener möchten ihre Bücherei behalten. Offen ist allerdings, wo die kleine Zweigstelle der Stadtbücherei Rees künftig zu finden sein wird.

Die Stadt möchte sie aus der malerischen „alten Schule“, die stark renovierungsbedürftig ist, ins Pfarrheim an der Schulstraße verlegen und der katholischen Kirche dafür monatlich eine Miete zahlen.

Der Kulturausschuss sollte in seiner jüngsten Sitzung über die Zukunft der Bücherei beraten. Doch die Heimatfreunde Bienen sahen noch Klärungsbedarf, schalteten ihre politischen Vertreter im Rat ein und baten um einen Aufschub. Der wurde gewährt, jetzt suchen alle Beteiligten nach einer einvernehmlichen Lösung.

„Gegen eine mögliche Verlegung ins Pfarrheim haben wir gar nichts einzuwenden“, sagt August Becker von den Heimatfreunden. „Aber die Bücherei soll ins Dachgeschoss, und das ist nicht barrierefrei: Ältere Herrschaften oder auch Eltern mit Kinderwagen kommen dort nicht hin, außerdem sind die Wände schräg, da kann man kaum Bücherregale aufstellen.“

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Wenn überhaupt, dann sähen die Heimatfreunde die Bücherei lieber im Erdgeschoss. „Das ist der Kirche aber nicht recht, weil dort der Kirchenchor probt und die Räume auch für andere Zwecke genutzt werden“, sagt Becker.

Auch die Möglichkeit, die Bücherei in das Bürgerhaus Bienen zu verlegen, wurde schon geprüft: „Leider geben die Räumlichkeiten das überhaupt nicht her“, erklärt Becker. Ohnehin hätten die Menschen in Bienen am liebsten, wenn die 45 Quadratmeter kleine Gemeindebücherei einfach im bewährten Haus Nummer 10 an der Kirche bleiben würde.

Dort wurde sie 1968 durch den Lehrer Peter Heckens gegründet. Ein Jahr später wurde Bienen eingemeindet und vereinbarte mit der Stadt Rees, dass die Bücherei weiter in der städtischen Immobilie bestehen bleibt. Seitdem trägt die Stadt die Unterhalts- und Personalkosten sowie die Kosten für die Anschaffung neuer Medien.

Alles lief gut und ruhig, bis die Corona-Krise an den Öffnungszeiten kratzte und Ende 2020 der bisherige Büchereileiter Jürgen Lohmann in den Ruhestand ging. „Im Moment ist der Laden dicht“, sagt August Becker. Es stünden aber Helferinnen bereit, die den Betrieb ehrenamtlich fortführen wollen und entsprechend qualifiziert sind: „Eine der Damen ist ausgebildete Bibliothekarin“, sagt Becker.

Damit die alte Schule weiter als Bücherei genutzt werden kann, sind nach Angaben der Stadt Rees umfangreiche Sanierungsarbeiten erforderlich. Diese summieren sich auf einen sechsstelligen Betrag, so die Verwaltung.

„Die Kosten können durch die aktive Unterstützung vor Ort gesenkt werden“, schrieb jetzt Marcel Becker, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU in einem Brief an Bürgermeister Christoph Gerwers. „Die Heimatfreunde Bienen verfügen in ihrer Mitgliedschaft unter anderem über Fachhandwerker, Meister und Ingenieure.“

Die CDU schlägt vor, die Zukunft der Gemeindebücherei im Ausschuss für Umwelt, Planung, Bau und Vergabe zu behandeln und dort den Schwerpunkt auf die möglichst kostensparende Renovierung der alten Schule zu legen.

In Bienen brodelt derweil die Gerüchteküche: „Einige befürchten, die Stadt könnte die alte Schule verkaufen oder schlimmstenfalls abreißen lassen, um Bauland zu gewinnen“, sagt August Becker, distanziert sich aber von derlei Spekulationen. „Wir möchten uns nicht mit der Stadt anlegen, sondern gemeinsam eine gute Lösung finden.“

Trotz allem gefällt ihm die Idee, die alte Schule als Denkmalschutz eintragen zu lassen: „Wenn schon halb Rees unter Denkmalschutz gestellt werden soll, dann hätte es dieses geschichtsträchtige und schöne Haus in Bienen ganz sicher auch verdient.“