Fußball: Viele Höhepunkte in Down Under

Fußball : Viele Höhepunkte in Down Under

Fußball: In seinem ersten Jahr in Australien gewann Mirko Boland mit Adelaide United den FFA-Cup und erreichte das Halbfinale in der A-League. Der 32-Jährige schätzt auch die hohe Lebensqualität.

Mirko Boland genießt es, während des momentanen Urlaubs mit seinem Labrador Poldi in der Heimat spazieren zu gehen. Zu seinem Leidwesen muss der Fußballprofi in Australien auf den neunjährigen Vierbeiner verzichten. „Die Strapazen wären einfach zu groß für ihn“, erklärt der 32-Jährige. Mutter Ulrike passt daher in Rees auf den Hund auf, wenn der Sohn in Down Under ist.

Das ist aber auch der einzige Wermutstropfen auf der anderen Seite der Weltkugel. Den Wechsel zu Adelaide United hat der Mittelfeldspieler bisher nicht bereut. Im Gegenteil. „Australien ist ein wunderschönes Land, die Lebensqualität immens hoch. In Adelaide gibt es viele Grünanlagen, tolle Restaurants und in wenigen Minuten bist du genauso am Strand wie in den Bergen“, schwärmt der gebürtige Reeser. „Und die Menschen sind alle sehr nett und hilfsbereit. Hier gibt es keine Neidgesellschaft und alle sind total entspannt, wenn sie im Supermarkt in der Schlange stehen“.

Die vergangene Saison begann sofort mit einem echten Highlight für Mirko Boland. Kaum in Australien angekommen, konnte er mit seinem neuen Team durch einen 2:1-Sieg gegen Sydney FC auch schon den Pokalsieg im FFA Cup feiern. „Da ich vorher noch nie ein richtiges Finale bestritten habe, war das ein tolles Erlebnis und richtig cool mit Nationalhymne und Feuerwerk“.

Der Mittelfeldspieler hat seinen Wechsel nach Australien bisher nicht bereut. Foto: KEN CARTER

Das tröstete dann auch schnell über den enttäuschenden Abschied aus Braunschweig hinweg. Neuneinhalb Jahre war Boland der Eintracht treu gewesen und Publikumsliebling an der Hamburger Straße. Nach dem Abstieg in die Dritte Liga erhielt der 32-Jährige aber keinen neuen Vertrag. Wie das damals gelaufen sei, habe schon weh getan, räumt Boland ein. Nichtsdestotrotz hänge er immer noch sehr an dem Verein. „Teilweise bin ich in Australien sogar nachts aufgestanden, um mir ein Spiel der Eintracht anzuschauen“.

Nachdem klar war, dass es für Boland keine Zukunft mehr in Niedersachsen geben werde, war Marco Kurz, der damalige Trainer in Adelaide, einer der ersten, der den Mittelfeldspieler kontaktierte. Schließlich entschied sich Boland im Juli 2018, in die australische A-League zu wechseln. Nach dem Pokalsieg bremste den quirligen Mittelfeldspieler allerdings ein Sehnenabriss für einige Wochen aus. Er kämpfte sich dann aber zurück in die Mannschaft, mit der er schließlich auch die Play-Offs der besten sechs Teams erreichte. Nach einem 1:0-Sieg gegen Melbourne City folgte im Halbfinale eine Niederlage gegen Perth Glory. Zwar konnte Adelaide in einem tollen Match einen 0:2-Rückstand und dann auch nochmal ein 2:3 zum 3:3 egalisieren, unterlag jedoch im Elfmeterschießen. „Das war schon richtig bitter“, bedauert Boland das unglückliche Saisonende im Mai.

Aufgrund der riesigen Entfernungen muss die Mannschaft aus Adelaide zu jedem Spiel fliegen, bis nach Wellington auf Neuseeland. Das kürzeste Auswärtsspiel in Melbourne ist mehr als 700 Kilometer entfernt. „Dazu kommen noch die unterschiedlichen Zeitzonen und die ständigen klimatischen Wechsel, daran muss sich der Körper erstmal gewöhnen“, benötigte Boland eine gewisse Zeit, um sich zu akklimatisieren.

Der A-League gehörten bisher zehn Teams an, in den beiden nächsten Jahren wird aber auf zwölf erweitert. Einen Absteiger gibt es nicht. „Dadurch ist der Druck hier auch nicht so groß“, hat Boland festgestellt. Pro Team sind nur fünf Ausländer erlaubt und es gibt einen Salary Cap (Gehaltsobergrenze). „Australian Football ist hier immer noch die Nummer eins, aber unser Fußball ist immer mehr im Kommen“, hat Boland einen positiven Trend erkannt. Manchmal mangele es aber noch an professionellen Strukturen. „Als ich hier angekommen bin, mussten vor den Spielen noch alle einzeln mit dem Taxi zum Flughafen kommen“, nennt der Australien-Legionär ein Beispiel. Auf seine Anregung hin fahren alle gemeinsam vom Stadion zum Airport.

Neben seinem Engagement auf dem fünften Kontinent hat Mirko Boland ein Fernstudium Fußballmanagement begonnen. „Ich möchte später gerne im Fußball bleiben und dazu breit aufgestellt sein“, erklärt der 32-Jährige. In Adelaide hat der ehemalige Bundesliga-Spieler noch einen Vertrag für die kommende Saison. Dann wird ihn allerdings ein neuer Trainer begrüßen: der Niederländer Gertjan Verbeek, der bisher unter anderem als Coach beim VfL Bochum und 1. FC Nürnberg tätig war. „Ich finde ihn sympathisch und er ist immer geradeaus“, freut sich Boland auf die Zusammenarbeit.

Auch in der Freizeit gibt es für Mirko Boland und Freundin Natalie im Land der Kängurus viele Höhepunkte.

Trainingsauftakt bei Adelaide United, das sich in der nächsten Spielzeit erneut die Play-Offs zum Ziel gesetzt hat, ist bereits am 25. Juni. Mirko Boland hat allerdings einen verlängerten Urlaub bekommen. Das hat einen guten Grund: Er wird Ende des Monats seine Freundin Natalie an der Ostsee heiraten.

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