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Fußball: Skandalspiel hat ein Nachspiel

Fußball : Skandalspiel hat ein Nachspiel

Nach der Schlägerei in Drevenack: RSV Praest schickt Bericht an den Staffelleiter. Deshalb werden die Tumulte wohl doch ein Fall für das Sportgericht. TuS Drevenack verzichtet trotz des Regelverstosses des Schiedsrichters auf Protest. Praester Spieler erlitt bei Faustschlag eine Gehirnerschütterung.

Hünxe Der Eintrag von Schiedsrichter Hermann-Josef Weber nach dem Skandalspiel zwischen der TuS Drevenack und dem RSV Praest liest sich ganz lapidar. Weber hat im Spielbericht unter der Rubrik "Besondere Anmerkungen" nur geschrieben, dass sich zwei Praester Akteure während der Partie verletzt hätten und er zehn Minuten warten musste, bis ihm die Kabine aufgeschlossen worden sei. Dass sich Kicker und Zuschauer der Clubs nach dem Abpfiff eine Schlägerei geliefert hatten, vermerkte Weber mit keinem Wort. Er hatte die schlimmen Vorfälle auch nicht mitbekommen, weil er direkt nach dem Abpfiff in Richtung Kabine geeilt war.

Trotzdem wird das Skandalspiel ein Nachspiel vor dem Sportgericht haben. Grund: Der RSV Praest will einen Bericht an Holger Tripp, Staffelleiter der Fußball-Bezirksliga, schicken. "Das werde ich mir durchlesen und dann entscheiden, ob ich die Sache an die Bezirks-Spruchkammer weiterleite", sagte Tripp. Damit ist zu rechnen in Zeiten, in denen der DFB überall für Fair Play auf den Plätzen wirbt. Das wurde am Sonntag im Stadion am Buschweg mit Füßen getreten.

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"Ich war entsetzt"

Die TuS Drevenack begann gestern damit, die Vorfälle aufzuarbeiten. "Ich war entsetzt. Auf einmal ist alles eskaliert. Die Sache hatte eine ganz eigene Gruppendynamik", sagte der neue Trainer Frank Saborowski. Der Coach und Abteilungsleiter Ludger Bißlich sprachen am Sonntag noch nicht mit der Mannschaft über die Vorfälle. "Wir haben die Jungs nach Hause geschickt, damit sich die Sache beruhigt", sagte Bißlich. Heute soll es erste Gespräche mit den Spielern geben — vor allem mit Tajib Dema.

Der RSV Praest wirft Dema vor, dass er dem Praester Daniel Zwiekhorst nach der Partie ins Gesicht geschlagen habe. Zwiekhorst erlitt eine Gehirnerschütterung und Prellungen im Gesicht. Er lag gestern noch im Krankenhaus. Zwiekhorst hat Strafanzeige wegen Körperverletzung erstattet. Das tat auch die Polizei, die mit vier Einsatzwagen ins Stadion gefahren war, nachdem sie von Zuschauern der Partie alarmiert worden war.

"Wenn sich herausstellt, dass einer unserer Spieler dem Praester ins Gesicht geschlagen hat, wird das auch vereinsintern Konsequenzen haben. Wie die aussehen werden, das werden wir mit der Mannschaft und dem Akteur besprechen", sagte Bißlich. Er erklärte, das sich die TuS Drevenack nicht allein den Schwarzen Peter in die Schuhe schieben lassen wolle. "Auch Praester haben ausgeteilt." Das bestätigte Roland Kock, Trainer des Tabellenführers. "Doch Auslöser war der Schlag des Drevenackers. Anschließend ist alles eskaliert. Und da klage ich nicht nur die Drevenacker, sondern auch die Praester an. Es ist schlimm, was passiert ist", sagte Kock. Da half der Einsatz von sechs Ordnern nichts. Bißlich: "Wir hätten die Entwicklung auch mit 20 Ordnern nicht stoppen können. Dafür ging alles zu schnell."

Die TuS Drevenack wird gegen die Wertung der Partie keinen Protest einlegen, obwohl Schiedsrichter Weber einen Regelverstoß begangen hat. Der Referee hatte nach einem Elfmeter, den der Drevenacker Fatlum Ademi verwandelt hatte, auf Abstoß statt auf Tor erkannt. Diese Entscheidung hatte der Schiedsrichter gegenüber Ludger Bißlich damit begründet, dass ein TuS-Spieler zu früh in den Strafraum gelaufen sei. "Der Elfmeter hätte wiederholt werden müssen. Die Entscheidung ist nicht regelgerecht", sagte Andreas Thiemann, Schiedsrichter-Obmann des Fußball-Verbandes Niederrhein. Ein Drevenacker Protest hätte also beste Chancen auf einen Erfolg.

Doch an einer Neuauflage der Partie hat die Turn- und Spielvereinigung aus doppeltem Grund kein Interesse. Erstens wäre es fraglich, ob dem Vorletzten dann noch einmal ein Punktgewinn gegen den souveränen Tabellenführer gelingen würde. "Außerdem würden in einem Wiederholungsspiel nach den Vorfällen zu viele Emotionen stecken. Deshalb sollte man besser auf diese Begegnung verzichten", sagt TuS-Trainer Saborowski. Auf dem Platz wird man sich so schnell also nicht wieder begegnen. Doch ein Wiedersehen wird's wohl bald geben — vor dem Sportgericht.

(RP/rl)