Regeländerungen für die neue Fußballsaison.

Fußball : Rote Karte jetzt auch für Trainer

Handspiel, Elfmeter, Abstoß, Auswechslungen — für die neue Saison müssen sich Fußballer und Schiedsrichter an neue Regeln gewöhnen. Ein paar sollen für schnelleres und flüssigeres Spiel auf den Plätzen sorgen.

Es sind Themen, die jede Woche zu Diskussionen auf Fußballplätzen führen: Handspiel, ja oder nein? Zeitspiel durch Auswechslungen? Wie lautstark darf ein Trainer oder ein Betreuer sich über den Schiedsrichter aufregen? Auf den Sportanlagen der Region häufen sich die Meinungsverschiedenheiten. Um für mehr Klarheit zu sorgen und den Spielern sowie Unparteiischen auch ein schnelleres Spiel zu ermöglichen, sind seit 1. Juli mehrere Regeländerungen in Kraft getreten, die in Testspielen bereits umgesetzt werden. Wir stellen sie vor.

Schnelle Auswechslungen: Damit Spieler bald weniger Zeit bei Auswechslungen, besonders kurz vor Schluss, schinden können, sind die Akteure nun angehalten, das Spielfeld über die nächste Begrenzungslinie zu verlassen. Es sei denn, der Schiedsrichter ordnet etwas anderes an. Eine Ausnahme bilden Sicherheitsgründe. Das heißt: Falls der Spieler an einer gegnerischen Fankurve vorbei laufen müsste. In den unteren Spielklassen wird dies jedoch wohl nur sehr selten von Nöten sein.

Karten gegen Trainer: Kritik und Gemecker gehören für die allermeisten Spieler und Trainer sowie Betreuer einfach dazu, wenn eine Entscheidung gegen die eigene Mannschaft getroffen worden ist. Neu ist, dass bei anhaltender Kritik von der Trainerbank die Personen nun nicht mehr verbal mit einem Innenraum-Verweis bestraft werden, sondern eine Gelbe oder eine Rote Karte erhalten können. Interessant: Nimmt ein Referee eine zu derbe Kritik von der Seitenlinie wahr und kann sie keiner Person zuordnen, wird die Strafe gegen den höchstrangigen Trainer ausgesprochen.

Behandelter beim Strafstoß: Bis zuletzt musste jeder Spieler, der auf dem Feld behandelt wurde, nach der Behandlung vom Platz. Eine Ausnahme stellte dar, wenn es für den Gegenspieler eine persönliche Strafe gab. Nun darf ein verletzter Spieler auf dem Feld bleiben, wenn es Strafstoß gibt und er der Schütze ist.

Münzwurf: Bislang durfte der Gewinner des Münzwurfes lediglich entscheiden, ob die Mannschaft auf ihrer Seite bleibt oder wechselt. Ab sofort ist auch die Wahl des Anstoßes möglich.

Schiedsrichter-Ball: Die neuen Regeln sehen vor, dass bei einem Schiedsrichter-Ball nur noch ein Spieler des Teams steht, das den Ball zuletzt berührt hat. Dieser Ort ist auch gleichzeitig die Stelle der Spielfortsetzung. Alle anderen Spieler (beider Teams) müssen einen Abstand von mindestens vier Metern zum Ball einhalten.

Neu ist ebenfalls, dass das Spiel mit einem Schiedsrichter-Ball fortgesetzt wird, wenn der Unparteiische den Ball berührt und der Ballbesitz wechselt oder der Ball gar direkt ins Tor geht – oder ein Team einen aussichtsreichen Angriff startet. Der Spruch „Der Schiri ist Luft“ gilt in diesen Fällen nicht mehr.

Handspiel: In der Regel liege ein Vergehen vor, wenn ein Spieler seinen Körper durch die Hand- und Armhaltung unnatürlich vergrößert, sich die Hand oder der Arm über Schulterhöhe befindet (außer der Spieler spielt vorher den Ball absichtlich mit dem Körper oder dem Kopf, und der Ball springt dabei an die Hand oder den Arm). Ebenso ist ein Abspringen des Balles in den genannten Situationen an die Hand/den Kopf einen anderen Spielers strafbar.

Nicht strafbar ist, wenn der Ball vom Kopf oder Körper des Spielers an seinen eigenen Arm oder seine Hand springt. Außerdem gilt: Ist die Hand nahe am Körper und die Armhaltung nicht unnatürlich, ist alles okay. Ebenso, wenn ein Spieler stürzt, Hand oder Arm nicht seitlich vom Körper abgespreizt ist.

Klärungsversuch: Der Torwart darf zukünftig den Ball nach einem Rückpass oder Einwurf annehmen, wenn er den Ball eindeutig spielt oder zu spielen versucht, dieser Klärungsversuch aber misslingt.

Schnelle Spielfortsetzung: Möchte der Referee einen Spieler verwarnen oder des Feldes verweisen, wird das Spiel erst nach Abschluss dieser Maßnahme fortgesetzt. Es sei denn, das Team, das das Vergehen nicht begangen hat, führt den Freistoß schnell aus und kommt zu einer klaren Torchance. Dann wird die persönliche Strafe in der nächsten Unterbrechung ausgesprochen. Die Besonderheit ist, dass es dann statt „Rot“ nur noch „Gelb“ gibt.

Torjubel-Verwarnung auch ohne Tor: Die Verwarnung für übertriebenen Torjubel bleibt bestehen, auch wenn das Tor nachträglich aberkannt wird. Die Amateurligen wird das kaum betreffen.

Einwurf: Alle Gegner müssen einen Abstand von mindestens zwei Metern zur Stelle auf der Seitenlinie einhalten, auch wenn der Einwerfer weiter von der Linie entfernt steht.

Freistöße und Abstöße: Künftig dürfen in einer Freistoßmauer mit mindestens drei Leuten keine angreifenden Akteure mehr stehen. Dazu muss der Ball bei einem Freistoß oder Abstoß im Strafraum nicht mehr aus dem Sechzehner herausgespielt werden, das soll ein schnelleres Spiel ermöglichen.

Bei der Aktion von Bremens Langkamp (r.) im Duell mit Leipzigs Poulsen gibt es keine zwei Meinungen, ob es Handspiel ist. Foto: dpa/Jan Woitas

Strafstoß: Der Torwart muss bis zur Ausführung des Schützen mit einem Fuß auf der Linie bleiben. Verfrühtes verkürzen ist damit nicht mehr möglich.

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