Lokalsport: Rainer Diehl plant beim BV Wesel RW die Zukunft

Lokalsport : Rainer Diehl plant beim BV Wesel RW die Zukunft

Der Vorstand des BV Wesel RW hat die Krise genutzt. Mit einer mutigen Weichenstellung für die Zukunft warteten die Rot-Weißen während der vergangenen Saison auf, in der das erste Team sang- und klanglos aus der Zweiten Badminton-Bundesliga abstieg. Der BV Wesel schuf für einen professionellen Trainer eine Halbtagsstelle. Die übt Rainer Diehl aus, der mit Ehefrau Ella und zwei kleinen Kinder dafür sogar von Mülheim nach Wesel umgezogen ist.

"Wir sind hocherfreut, dass das alles geklappt hat und wir Rainer Diehl die sportliche Leitung übergeben konnten", sagt Andreas Ruth. Der zweite Vorsitzende der Rot-Weißen und seine Vereinskollegen hatten viele Gespräche geführt und lange gerechnet, bis sie dem 52-Jährigen dieses Angebot unterbreiten konnten. Da das Konzept die Sponsoren überzeugt habe, sei das finanzielle Risiko überschaubar. "Aber wir sind auch erst am Anfang dieses Umbruchs, bei dem sich der Verein grundsätzlich breiter aufstellen und trotzdem Training auf höchstem Niveau anbieten will", führt Andreas Ruth aus.

Die Zweite Bundesliga war in der letzten Saison nicht zu halten, ein Einschnitt in der ersten Mannschaft eingeläutet. Mit Hendrik Waldyk und Tim Fischer neben Jan Felix Matulat sowie bei den Damen mit der Emmericherin Annalena Diks, Judith Petrikowski und auch der erst 16-jährigen Lena Fischer setzt Rot-Weiß nun auf den Nachwuchs. "Leistungssport ist ein Nebenprodukt guter Jugendarbeit", sagt Rainer Diehl, bis Ende 2012 Bundestrainer für Talententwicklung im Deutschen Badminton-Verband, zuvor NRW-Landestrainer sowie Nationalcoach in Belgien und der Schweiz sowie zuletzt an der Deutschen Sporthochschule in Köln beschäftigt. Er spricht von einem gesunden Verhältnis bei den Mitgliedern von 50:50 zwischen Kindern und Jugendlichen sowie Erwachsenen. "In Wesel war es mit 46 Kindern bei 200 Mitgliedern ein krasses Missverhältnis", so Diehl. Mit ihm sind es inzwischen 65 Kinder geworden. "Die Entscheidung der Kinder, dabei zu bleiben oder nicht, ist keine Sportartentscheidung, sondern eine für oder gegen den Trainer. Deshalb ist es wichtig, bei den Trainern auf Kontinuität zu setzen."

Mit der zweiten Runde des Grundschulprojektes im März soll der BV Wesel offiziell den Titel "DBV-Talentnest" erhalten. Von seinen vier Nachwuchs-Trainern plant der Verein, zwei zur Juniorcoach-Ausbildung zum Landesverband zu schicken. Zusätzlich schwebt Diehl vor, den BV Wesel zu einer "halben" Außenstelle für Menschen in ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr zu etablieren. Bei der Gesundung des Verhältnisses soll nicht die Mitgliederzahl der Senioren schrumpfen, sondern die des Nachwuchses auf rund 150 anwachsen. Dass nicht alle Bundesliga-Spieler werden, versteht sich von selbst. "Aber wir wollen alle mit auf die Reise nehmen", so Diehl.

(an)