Lokalsport: Nico Hülkenberg sitzt auf heißen Kohlen

Lokalsport : Nico Hülkenberg sitzt auf heißen Kohlen

Formel 1: Der Emmericher ist mit dem Leistungsstand der beiden Renault-Boliden immer noch nicht zufrieden. Vor allem die starke Reifenabnutzung bereitet dem Team Probleme. Auch in Shanghai wäre mehr drin gewesen.

Es wird immer deutlicher: Renault hat sich von der aktuellen Saison in der Formel 1 weit mehr versprochen, als im Moment zu Buche steht. Denn auch nachdem beide Piloten beim China GP am vergangenen Sonntag die Punkteränge erreicht haben, gab es am Tag danach wieder die ersten kritischen Stimmen.

Auch in Shanghai wurde Nico Hülkenberg von seinen Fans angefeuert. Foto: XPB / James Moy Photography Ltd.

"Wir sind enttäuscht, dass wir nicht weiter vorne stehen. Wir haben gehofft, dass wir den Top drei über den Winter Zeit abnehmen. Das haben wir nicht. Sie sind sogar noch stärker geworden", sagt Technikchef Bob Bell.

Dass Nico Hülkenberg und Carlos Sainz stumpfe Waffen besitzen, um den Kampf gegen Ferrari, Mercedes und Red Bull aufzunehmen, ist die eine Sache. Zum Selbstverständnis des französischen Werksteams passt aber überhaupt nicht, dass auch Haas und Toro Rosso schon starke Ausrufezeichen in dieser Saison setzen konnten.

Zudem scheint langsam aber sicher das Team McLaren, das seit mittlerweile 100 Rennen sieglos ist, wieder die Kurve zu kriegen. "Wir haben einfach keinen so guten Job gemacht. Sie waren beim Design und der Entwicklung des Autos einfach cleverer", sagt Bell über die direkten Konkurrenten. "Renault ist nicht für vierte oder fünfte Plätze hier." Denn die Investitionen der Franzosen sind im Vergleich zu den anderen Mittelfeld-Teams exorbitant. Dabei ist der Motor wohl das kleinere Problem. Denn Daniel Ricciardo fuhr seinen Shanghai-Sieg mit Renault-Power ein. Und auch Nico Hülkenberg und Teamkollege Carlos Sainz konnten bisher in allen drei Qualifyings das Q 3 erreichen. Der R.S.18 erweist sich aber als Reifenkiller.

Die Pirellis bauen bei Renault schneller ab, als bei den anderen Teams. Von daher wurde in China auch von Beginn an mit einer Zwei-Stopp-Strategie geplant.

Die Reifenproblematik erinnert den Emmericher an die vergangene Saison. "Es liegt damals wie heute an der Aerodynamik", sagt Hülkenberg. Während hinter den Kulissen an neuen Aero-Komponenten gewerkelt wird, kündigt Renault-Sportchef Cyril Abiteboul schon Motor-Updates für das fünfte Saisonrennen in Barcelona an. Laut interner Berechnungen sollen die Verbesserungen über eine halbe Sekunde bringen. Doch neben dem Wunsch nach mehr Leistung steht auch die Sorge vor Defekten im Raum. So musste vor dem Qualifying in Shanghai beim späteren Siegerauto von Red Bull der Turbolader getauscht werden. Dort war ein Teil gebrochen. Beim Renault-Werksteam selber wurde an beiden Autos die MGU-H gewechselt. Die MGU-H in der Formel 1 ist ein zusammengenommener Elektro-Motor und Generator, der im unteren Drehzahlbereich den Turbolader beschleunigt.

"Der Tausch der MGU-H steht in keinem Zusammenhang zu dem Turboschaden bei Red Bull. Wir haben am Donnerstag anhand der Daten ein mögliches Problem erkannt. Es betraf nur unsere MGU-H und nicht die unserer Kunden. Um sicher zu gehen, haben wir die Teile ausgebaut und nach Paris zurückgeschickt, um sie dort auf dem Prüfstand zu testen", sagt Abiteboul gegenüber dem Fachmagazin Auto, Motor, Sport.

"Sollte sich unser Verdacht nicht bestätigen, kehren sie wieder in das Kontingent zurück und werden in den Freitagstrainings oder vielleicht sogar in Rennen eingesetzt." Die Crux am Tausch der MGU-H ist, dass pro Fahrer nur drei Einheiten in der Saison verbaut werden dürfen. Jedes weitere Ersatzteil würde mit einer Strafe bedacht.

Hülkenberg würde eine Zurückversetzung in der Startaufstellung in Kauf nehmen. "Wir müssen beim Motor aufholen. Da ist es mir lieber, wenn Renault aggressiv entwickelt. Auch wenn wir dabei die eine oder andere Komponente mehr brauchen", sagt der Emmericher.

Laut Cyril Abiteboul handele es sich dabei allerdings nicht um ein generelles Problem. Lediglich eine Produktionscharge habe diese Auffälligkeiten gezeigt. Aus dieser Charge sei im Übrigen auch nichts an Kundenteams geliefert worden.

Grundsätzlich glaubt der Renault-Sportchef, dass die momentane Entwicklung in die richtige Richtung gehe. In seinem offiziellen Statement nach dem Großen Preis von China sprach er von einem "offensichtlich guten Tag", der zeige, dass man "an Reife gewonnen habe".

(RP)
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