Motorsport : Bei Renault läuft es noch nicht rund

Motorsport: Der Emmericher Nico Hülkenberg war in Australien auf Position sieben deutlich besser als sein neuer Teamkollege Daniel Ricciardo, doch das ambitionierte Renault-Team ist längst nicht so weit wie erhofft.

Nico Hülkenberg blickte nach dem Australien Grand Prix in der Mixed-Zone ohne große Emotionen in die auf ihn gerichteten Kameras. Der Emmericher „war nicht ganz zufrieden“ mit dem Wochenende. Dabei hatte er mit Platz sieben einmal mehr das Maximum aus dem Auto herausgeholt. Doch das aktuelle Leistungsvermögen des Renault passt halt einfach nicht so wirklich zum Anspruch des französischen Werksteams.

Wie auch immer, Hülkenberg konnte sich als der Gewinner in Schwarz-Gelb fühlen. Seinen neuen Teamkollegen Daniel Ricciardo hatte er in zwei von drei Trainingseinheiten, dem Qualifying und schließlich auch im Rennen hinter sich gelassen. Dem mit vielen Vorschusslorbeeren ausgestatteten Australier unterlief ein Anfängerfehler beim Rennstart. Es sei mal dahin gestellt, ob ein Fehler gleich solche Folgen haben muss, wenn ein Auto übers Gras fährt wie bei Ricciardo. Aber Fakt bleibt, er hat die Strecke verlassen und so den Schaden zumindest billigend in Kauf genommen. Und das ohne Not. Denn die Fernsehbilder zeigen, dass genügend Platz auf dem Asphalt gewesen wäre.

Das Rennen war für den Australier bei seinem Heimspiel dann relativ schnell gelaufen. Wobei Heimspiel ein dehnbarer Begriff ist. Ricciardo wuchs in Perth auf, was knapp 3500 Kilometer entfernt von Melbourne ist.

Hülkenberg lieferte sich unter dessen einen harten Kampf im Mittelfeld. Die Haas waren schnell. Vermutlich beide schneller als die Renault, doch der US-Rennstall manövrierte sich selbst teilweise ins Aus, weil Romain Grosjean nach einem verpassten Boxenstopp das linke Vorderrad verlor. Kimi Räikkönen (Alfa Romeo), Lance Stroll (Racing Point) und Daniil Kvyat (Toro Rosso) waren in Australien in jedem Fall auf dem selben Niveau wie Hülkenberg. Dass in Down Under das Überholen aber nicht sonderlich einfach ist, zeigte exemplarisch schon Pierre Gasly, der im Red Bull weit von hinten gestartet war, aber trotz eines Wagens, der fürs Podium gut war, nicht in die Punkte kam.

Die Antwort auf die Frage, warum Renault dem eigenen Anspruch hinterherhinkt, zeugt bei Hülkenberg von schonungsloser Offenheit. „Schlicht und einfach am Auto, am Paket. Der heutige Tag hat gezeigt, dass wir, selbst um im Mittelfeld mitzuhalten, noch einiges an Arbeit vor uns haben“, meinte der Emmericher kurz nach dem Rennen am Sky-Mikrofon.

Für Renault-Teamchef Cyril Abiteboul ändert der Saisonauftakt in Melbourne aber erst mal nichts an den gewohnt ambitionierten Zielen des Rennstalls. „Wir wissen, dass im Auto wesentlich mehr Pace steckt, als wir hier gezeigt haben. Insbesondere im Qualifying“, so der Franzose und ergänzt: „Unsere Priorität lautet für die nächsten Rennen, mittels besserer Arbeit über das Wochenende hinweg mehr aus unserem Paket herauszuholen. Gleichzeitig arbeiten wir an unseren geplanten Updates.“

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