Lokalsport: Michael Kindermann ist wieder Trainer von BW Dingden

Lokalsport : Michael Kindermann ist wieder Trainer von BW Dingden

Volleyball: Der langjährige Coach des Clubs wird beim Zweitliga-Team Nachfolger von Pascall Reiß, der zum SCU Emlichheim wechselt.

Es sollte ein entspannter Urlaub an der französischen Atlantikküste werden. Die Saison 2018/19 war vorbereitet, Fragezeichen personeller Natur gab es keine mehr - das dachte Johannes Dickmann. Doch der Volleyball-Abteilungsleiter von BW Dingden wurde kalt erwischt - vom Trainer der Zweitliga-Damen. Pascall Reiß wechselt ab sofort zum Ligarivalen SCU Emlichheim. "In diesem Geschäft muss man so etwas wohl einkalkulieren", sagt Johannes Dickmann.

Doch der Abteilungsleiter fand schnell eine Lösung in den eigenen Reihen, die sich einfach anbot. Michael Kindermann, schon seit Jahren im Verein tätig, übernimmt den Job und ist damit bereits zum dritten Mal für das Team verantwortlich, das er vor fast drei Jahrzehnten zum ersten Mal in der Clubgeschichte in die Zweite Liga geführt hatte. Sein Co-Trainer wird Olaf Betting, der diese Funktion in der vergangenen Spielzeit schon unter Pascall Reiß ausgeübt hatte. Betting wollte eigentlich aufhören und sich die Spiele der Mannschaft, mit der er als Coach vor drei Jahren in Liga zwei aufgestiegen war, nur noch von der Tribüne aus ansehen. Jetzt sitzt er weiter auf der Bank. Unterstützt werden Michael Kindermann und Olaf Betting bei ihrer Arbeit von Tim Heinrich.

Das Interesse anderer Vereine an Pascall Reiß überraschte Johannes Dickmann nicht. "Aber in diesem Jahr habe ich noch nicht damit gerechnet", sagt der Abteilungsleiter. Mit Olaf Betting und Carsten Schmeinck hatten die Dingdener ihren langjährigen Coach beziehungsweise Co-Trainer vor dem letzten Saisonspiel in den Ruhestand verabschiedet. Pascall Reiß hatte die Zusage für ein weiteres Jahr gegeben, mit Tim Heinrich sollte ihm ein neuer zweiter Mann zur Seite stehen.

Doch nun kommt alles ganz anders. "Für uns war die Saison ja schon fertig geplant. Natürlich sind wir von der Entscheidung von Pascall Reiß jetzt ein bisschen enttäuscht. Aber Erfolg weckt über kurz oder lang nun mal Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen", sagt Johannes Dickmann. Mit den Blau-Weißen hatte Reiß in der im April abgelaufenen Zweitliga-Saison den sehr guten vierten Platz belegt. Ihn unterstützten Betting und Schmeinck.

Als neuer hauptverantwortlicher Coach kam eigentlich nur Michael Kindermann infrage. Er besitzt die A-Lizenz, die für einen Trainer in der Zweiten Bundesliga erforderlich ist. Alle vier Jahre kann ein Verein auch mal eine Ausnahmegenehmigung beantragen und in Anspruch nehmen. Diese gab es für BW Dingden aber in diesem Zeitraum bereits im Jahr des Aufstiegs, als der Nicht-Lizenzinhaber Olaf Betting die Blau-Weißen trainierte. "Besitzer von A-Lizenzen gibt es nicht viele", sagt Dirk Kappmeyer, Teammanager der Zweitliga-Mannschaft.

Die Entscheidung für Emlichheim und gegen Dingden hat Pascall Reiß am vergangenen Wochenende getroffen. Leicht fiel sie ihm nicht. "Es tut mir unfassbar leid, diese Situation in Dingden zu hinterlassen", sagt der 30-Jährige. Die Aufnahme der Trainertätigkeit in Emlichheim bedeute aber nicht nur einen Wechsel von einem zum anderen Zweitligisten. "Das kann nicht nur mein sportliches, sondern mein gesamtes Leben beeinflussen", so Reiß.

Für ihn ist Volleyball nicht nur ein Hobby. Vielmehr hofft er, damit mal seinen kompletten Lebensunterhalt verdienen zu können. "Wenn man das hauptberuflich machen oder in Richtung Erste Bundesliga angreifen möchte, gibt es da wenige Chancen", so der Coach. Emlichheim sieht er als eine "einmalige Chance" an. Denn: "In Emlichheim gibt es die finanziellen Mittel, sich auch mit ausländischen Spielerinnen zu verstärken." Zudem stehen im Hintergrund hoffnungsvolle Talente.

(R.P.)
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