1. NRW
  2. Städte
  3. Emmerich
  4. Sport

Lokalsport: KSB: "Es muss noch viel getan werden"

Lokalsport : KSB: "Es muss noch viel getan werden"

Erhöhte Mitgliedsbeiträge, die Zusammenarbeit zwischen Schule und Verein und die Ausweitung des Seniorensports sind für Lutz Stermann, Vorsitzender des Kreissportbundes (KSB), wichtige Themen zu Beginn des neuen Sportjahres.

Durch den Offenen Ganztag und demografischen Wandel haben sich die Ansprüche an die Vereine, aber auch an die Schulen verändert. Mit Programmen der Landesregierung wird versucht, auf die veränderten Gegebenheiten einzugehen. "Allerdings stehen wir dabei zum Teil erst am Anfang", sagt Lutz Stermann, Vorsitzender des Kreissportbundes (KSB). Im Gespräch nahm er zu einigen wichtigen Themen des Sports im Kreisgebiet Stellung.

Nachwuchsförderung "Es ist wichtig, frühzeitig die Kinder an Sport heranzuführen — und zwar bereits im Kindergarten", sagt Stermann. Deshalb wurde vor zwei Jahren angefangen, Kindertagesstätten als "Bewegungskindergärten" auszuzeichnen, die besonderen Wert auf eine gesunde Ernährung und viel Sport legen. Bisher waren das jährlich zwei bis drei Einrichtungen.

Offener Ganztag Wegen des Offenen Ganztags haben die Sportvereine Angst vor rückläufigen Mitgliederzahlen gerade im Jugendbereich. "Durch das Sportangebot in den Schulen hat nicht jeder Jugendliche Lust, auch noch abends zum Vereinstraining zu gehen", sagt Stermann. Doch während es zu einer Verschiebung zwischen Vereinen und Schulen kommt, sind Letztere noch nicht gut genug darauf vorbereitet. "Es fehlt an ausreichend qualifizierten Trainern für die Nachmittagsstunden", sagt Stermann, der zwar eine breite Palette an Sportarten anbieten möchte, aber natürlich weiß, dass nicht jede Kommune wegen deren Ausstattung das leisten kann. Fazit: "Wir stehen beim Offenen Ganztag noch am Anfang. Es hat sich noch nicht viel getan", sagt Stermann. "Wir müssen erst einmal ein Netzwerk zwischen Schulen und Vereinen knüpfen. Die Landesregierung will das bis 2016 flächendeckend erreichen, das halte ich allerdings für unrealistisch."

Seniorensport "Bisher gibt es nur bedingte Angebote für Ältere. Das Thema ist vor drei Jahren aufgegriffen worden, doch bisher ist noch viel zu wenig passiert", sagt Stermann. Das Problem sei, dass nicht jeder Verein den besonderen Anforderungen für Senioren über 60 Jahren gerecht wird. "Es muss nahe Parkplätze geben, wärmere Kursräume und mehr Privatsphäre in den Sanitärbereichen", zählt Stermann auf. Lediglich 20 Prozent der Altersgruppe erreiche der Kreissportbund bisher.

Leistungssport Beim Leistungssport sind die Zahlen konstant, es gibt lediglich Verschiebungen in den einzelnen Sportarten, sagt Stermann. Ein starker Rückgang sei jedoch im Tennis zu verzeichnen, auch die Leichtathletik habe große Probleme. "Eine breite Basis ist nötig, um genügend Potenzial an der Spitze zu haben", sagt Stermann. "Deshalb brauchen wir mehr Top-Trainer. Vielen Übungsleitern fehlt das Auge dafür, Talente zu erkennen und individuell zu fördern."

Qualifizierte Trainer "Wir benötigen mehr qualifizierte Übungsleiter", sagt Stermann. Zwar habe der KSB eine Zuwachsrate von bereits 20 Prozent, doch der Kreis ist weiter auf der Suche. Neu ist, "dass wir auch mit dem Kreis Wesel zusammenarbeiten, um unseren Sportlern noch mehr Qualität zu bieten", sagt Stermann. Zudem wolle der KSB Fortbildungen, die bisher nur an Ausbildungsstätten in Hachen und Radevormwald angeboten wurden, in Kleve anbieten. "Die Inhalte, die dort vermittelt werden, wollen wir zukünftig selber an unsere Trainer vermitteln."

Junges Ehrenamt Mit dem Projekt "J-Team" (Junior-Team) sollen mehr jugendliche Ehrenamtler für die Sportvereine gewonnen werden. "Seit einem halben Jahr setzt sich Hanneke Hellmann, Leiterin der Sportjugend, sehr für das Thema ein", sagt Stermann. "Bereits im ersten Jahr haben wir 25 Nachwuchskräfte ausbilden können." Ziel sei es, die Jugendlichen in die Vorstandsarbeit einzubinden, damit sie als Jugendsprecher die Brücke zwischen den jungen Sportlern und der Vereinsführung bilden. Zudem können sie in Schulen als Sporthelfer etwa nachmittägliche Arbeitsgemeinschaften (AG) anbieten. Über einen Zeitraum von drei Monaten werden die Ehrenamtler 120 Stunden dafür ausgebildet. "Es ist toll, dass es so viele engagierte Jugendliche gibt", sagt Stermann. Er selbst sieht in dem Projekt auch einen großen Vorteil für die Ehrenamtler: "Sie lernen früh, Verantwortung zu übernehmen, es fördert die soziale Kompetenz und es macht sich gut im Lebenslauf." Für 2013 hofft Stermann 25 bis 40 weitere junge Menschen ausbilden zu können.

Mitgliedsbeiträge Die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge stieß zunächst bei den Vereinen auf großen Unmut. Zurzeit muss jeder von ihnen pro Mitglied 60 Cent an den Kreissportbund bezahlen. "Dafür wollen wir unser Angebot um einiges ausweiten", verspricht Stermann, "allerdings braucht es auch seine Zeit. Wir haben dabei unser Augenmerk vor allem auf den Seniorensport gelegt."

Sport und Politik Der Kreissportbund sieht sich als Vermittler zwischen der Politik und den Vereinen. Bereits acht der 16 Kommunen haben mit dem KSB den "Pakt für den Sport" abgeschlossen. "Das bedeutet, dass wir uns um die politischen Belange stellvertretend für die Vereine kümmern, etwa wie eine kostenlose Hallennutzung", erläutert Stermann. "Wir arbeiten dafür, dass schließlich jeder Bürger für einen verträglichen Preis ein gutes Spiel- und Sportangebot in seiner Kommune erhält."

(RP/ac)