Klaus Seipold Tischtennis-Schiedsrichter aus Rees

Tischtennis : Klaus Seipold gehört der Schiri-Elite an

Tischtennis: Der 58-jährige Reeser ist bei internationalen Wettbewerben am Zähltisch dabei. Im Fokus stehen die Aufschläge.

Dass sich im Leben von Klaus Seipold sehr viel um den Tischtennis-Sport dreht, ist schon an seinem Autokennzeichen abzulesen. Der 58-Jährige ist mit dem Nummernschild KLE-TT unterwegs. Seit mehreren Jahrzehnten schlägt Seipold die kleinen weißen Bälle über das Netz, seit 2001 ist der Reeser aber auch als Schiedsrichter im Einsatz. Und das bis hin zu Weltmeisterschaften.

„In Düsseldorf wurde damals eine Ausbildung angeboten“, erzählt Seipold, der lange Zeit in der Landeshauptstadt Tischtennis gespielt hat. „Da habe ich dann richtig Feuer gefangen“, nahm die Karriere als Unparteiischer schnell Fahrt auf. 2002 folgte die Prüfung zum Verbands-, 2007 der Lehrgang zum nationalen Schiedsrichter.

Seit 2010 ist er international tätig. 2011 gab es den ersten Einsatz bei einer WM, in Rotterdam durfte Seipold allerdings nur in einer Nebenhalle tätig werden. „Da waren fünf Zuschauer in einer riesigen Sportarena“, war die Teilnahme für Seipold aber eher unbefriedigend. Also entschloss er sich noch eine Stufe weiterzugehen.

Seit 2012 gehört er zu den etwa 20 Elite-Schiedsrichtern, den so genannten Blue Badges in Deutschland. „Neben der Prüfung gehörte auch ein halbstündiges Interview in englischer Sprache dazu“, erläutert Seipold, der fast alle Spitzenspieler aus der Top Ten der Weltrangliste schon gezählt hat. Finanziell sei sein Hobby ein Nullsummenspiel, der Spaß stehe im Vordergrund.

Die wichtigste und schwierigste Aufgabe der Schiedsrichter ist die Bewertung der Aufschläge, bei denen extreme Rotationen erzeugt werden. „Das ist gerade bei den Profis ein Riesenfaktor, die leben ja auch vom Sport“, weiß Seipold, dass einige Athleten – vor allem die jüngeren – oft austesten, wie weit sie gehen können. „Da muss man von Anfang an konsequent sein. Man soll aber auch kein Spiel kaputt zählen, das ist manchmal ein Ritt auf der Rasierklinge“, sagt der Reeser über die Rotations-Risiken. „Es ist auch keinesfalls so, dass es mir Freude macht, Aufschläge weg zu zählen. Das schönste Spiel ist, wenn man mich gar nicht bemerkt hat. Generell sind Tischtennisspieler auch eher fair, korrigieren selbst schon mal Entscheidungen zu ihren Ungunsten“.

Beim Aufschlag muss der Ball aus dem flachen Handteller mindestens 16 Zentimeter hochgeworfen werden und darf von keinem Körperteil verdeckt werden. Auch dürfe er nicht in den Körper hineingeworfen werden, nennt Seipold einige Vorgaben. „Wir müssen innerhalb von Sekundenbruchteilen entscheiden, da gehört viel Erfahrung und Konzen-tration dazu“. Auch die Reaktion des Gegenspielers könne durchaus ein Hinweis sein, ob das Service korrekt gewesen sei. Vladimir Samsonov sei eigentlich immer ein Spieler, der die Aufschläge korrekt ausführe, Timo Boll höchstens mal aus Konzentrationsschwäche nicht, gibt Seipold positive Beispiele.

Der Schiedsrichter muss neben den Entscheidungen bei Aufschlägen und anderen strittigen Bällen auch dafür sorgen, dass es am Tisch sportlich zugeht. Emotionen ja – Beleidigungen nein, lautet eine Maxime. Das Treten gegen Tisch und Umrandungen oder Schläger werfen werden ebenfalls geahndet, mit gelben, gelb-roten und roten Karten, was Punktabzüge bis zur Disqualifikation durch den Oberschiedsrichter zur Folge hat.

An einen krassen Fall erinnert sich Klaus Seipold als Schiedsrichterassistent beim Finale des World Cup-Turniers 2014 in Düsseldorf, als der Chinese Zhang Jike nach seinem Sieg gegen Landsmann Ma Long ausrastete und zwei Umrandungen zertrümmerte. „Da hat sich damals wohl ein unheimlicher Druck bei ihm entladen“, vermutet der Reeser. Dem Sieger wurde daraufhin das Preisgeld entzogen.

Ein besonderes Erlebnis sei das WM-Halbfinale 2017 in Düsseldorf vor 5000 Zuschauern gewesen. „Da habe ich auch als Schiedsrichter Gänsehaut bekommen“, erinnert sich der 58-Jährige an die fantastische Kulisse und die tolle Show bei den Titelkämpfen in der Hei-mat. „Eine sehr interessante Erfahrung waren auch die European Games 2015 in Aserbaidschan. Da durfte ich das Mannschaftsfinale leiten“.

Zu den weiteren Aufgaben der Schiedsrichter gehört die Überprüfung der Spielmaterialien. Bei der Schwammstärke der Beläge geht es oft um eine Winzigkeit. „4,04 Millimeter sind noch zulässig, 4,05 nicht“, erklärt Seipold. Bei den Topturnieren und in der Bundesliga werde das inzwischen aber schon vor den Wettkämpfen digital in der „Call-Area“ gemessen.

Selbst spielt Seipold auch noch beim TTV Rees-Groin. „70 bis 90 Prozent der Aufschläge sind da nicht korrekt“, muss der Schiedsrichter regelmäßig über seinen eigenen Schatten springen, um bei den Partien in der 1. Kreisklasse nicht für Unfrieden zu sorgen.

Klaus Seipold überprüft die Höhe des Netzes. Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services/konrad flintrop

Darüber hinaus ist der kaufmännische Angestellte als Betreuer der Damenmannschaften von WRW Kleve tätig. Dort ist auch seine Lebensgefährtin Maria Beltermann aktiv, die er (natürlich) auch bei einem Tischtennisspiel kennengelernt hat.“ Als Betreuer bekommt man noch einmal eine ganz andere Sicht auf die Dinge“, wertet Seipold, der zudem Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses im Westdeutschen Tischtennis-Verband ist, diese Aufgabe ebenfalls positiv für seine Karriere am Zähltisch. Der Traum von Seipold ist es, einmal an Olympischen Spielen oder Paralympics teilzunehmen. Das wäre aber schon fast wie ein Sechser im Lotto, weiß der Reeser, dass die Chancen gering sind. So seien bei den nächsten Spielen in Japan gerade einmal höchstens zwei Europäer dabei. „Bis zum 65. Lebensjahr werde ich wohl noch auf diesem Niveau weitermachen können, zwei Chancen bleiben mir also noch“.

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