Keine guten Aussichten für Hülkenberg

Motorsport : Keine guten Aussichten für Nico Hülkenberg

Nicht nur, dass der Emmericher Formel 1-Fahrer nach seinem durch ihn verschuldeten Unfall in Spa beim Rennen in Monza um zehn Plätze in der Startaufstellung zurückversetzt wird. Der Hochgeschwindigkeitskurs liegt Renault ohnehin nicht.

Universitätsprofessor Siegbert A. Warwitz hat sich in einer seiner Schriften mit Unfällen im Straßenverkehr beschäftigt. „Verkehrsunfälle entstehen meist im Zusammentreffen mehrerer Kausallinien, im Schnittpunkt einer Reihe ungünstiger Umstände und Fehlverhaltensweisen, wobei die Ursachen in der Regel in einem gegenseitigen Bedingungsgefüge stehen, welche die Gefahrensituation zuspitzen und schließlich unbeherrschbar machen“, heißt es dabei. „Der Mensch ist das entscheidende Glied in der Verhängniskette, in die er durch Einbauen entsprechender Sicherheitsspielräume unfallverhindernd oder zumindest schadenmindernd eingreifen könnte.“

Was Warwitz sehr theoretisch für den Straßenverkehr formuliert hat, gilt auch für die Rennstrecke. Die Schuldfrage nach dem Startcrash beim Großen Preis von Belgien stellte sich eigentlich gar nicht. Zu eindeutig war das Fehlverhalten von Nico Hülkenberg. Wenngleich es physikalisch auch recht einfach zu erklären war.

Während Fernando Alonso schon bremste, befand sich der Renault des Emmerichers noch in der Beschleunigungsphase. So stieg der McLaren spektakulär auf und schob sich über den Sauber von Charles Leclerc. Der Monegasse war im Übrigen nicht sauer auf Hülkenberg. „Jeder macht mal Fehler“, erklärte der Sauber-Pilot. „Und Nico ist kein Fahrer, der sich in der Vergangenheit Dinge geleistet hat. Man sieht, dass es keine Absicht war.“

Absicht ist für die Rennkommissäre hingegen kein entscheidender Faktor, daher gab es prompt eine Strafe gegen den Emmericher. Am kommenden Wochenende beim Großen Preis von Italien wird der 31-Jährige in der Startaufstellung zehn Plätze nach hinten strafversetzt. Für Hülkenberg ist dies die zweite Strafe in Folge. In Belgien ging es ebenfalls bis ans Ende des Grids, da Renault gleich mehrere Antriebskomponenten wechseln musste.

Darüber hinaus kassiert der 31-Jährige auch noch drei Strafpunkte auf seine Superlizenz, steht somit aktuell bei insgesamt vier Punkten. Noch droht keine Gefahr: erst bei zwölf Punkten gibt’s eine Rennsperre für den betroffenen Fahrer. Durch die erneute Strafversetzung am kommenden Sonntag dürfte die Chance auf Punkte im Autodromo Nazionale di Monza erheblich sinken. Denn im altehrwürdigen Königlichen Park zählt nur Höchstgeschwindigkeit. Auf diesem Gebiet hat Renault aber noch deutlich Nachholbedarf. Auf dem 5,793 km langen Kurs beträgt der Vollgasanteil unglaubliche 79 Prozent. Im vergangenen Jahr wurde der Topspeed mit 357,4 Stundenkilometern gemessen.

Nico Hulkenberg (GER) Renault Sport F1 Team. Belgian Grand Prix, Saturday 25th August 2018. Spa-Francorchamps, Belgium. Foto: XPB / James Moy Photography Ltd.

Auch wenn die aktuellen Aussichten nicht besonders rosig sind, hat Teamchef Cyril Abiteboul am Rande des Rennens in Belgien bestätigt, dass Renault im kommenden Jahr noch mehr Geld in sein Formel-1-Projket pumpen wird. „Meiner Meinung nach kann sich Renault so ziemlich alles leisten. Renault ist der größte Automobilhersteller in der Formel 1. Also können wir uns alles leisten, solange es Sinn ergibt“, wird der Franzose vom Motorsport-Magazin zitiert. „Es würde ja keinen Sinn machen, einen Fahrer zu holen und dann Einbußen in unseren Kapazitäten hinnehmen zu müssen, was die Entwicklung von Chassis und Motor angeht. Deshalb bedeutet das natürlich schon kurzfristig eine Erhöhung unseres Budgets.“

Mehr von RP ONLINE