Lokalsport: Karate erfordert Disziplin und Respekt

Lokalsport : Karate erfordert Disziplin und Respekt

Kampfsport: Seit einem Jahr leitet der Niederländer Steve Manoch die Abteilung beim TuS 08 Emmerich-Hüthum. Unterstützt wird er bei der Trainingsarbeit von Heinz Meisters. Montags und freitags finden die Übungsstunden statt.

Eine kurze Verbeugung und anschließend geht es barfuß auf die Matte des Dojo am Polderbusch. Fein aufgereiht stehen rund 20 Mädchen und Jungen, warten leise und konzentriert auf den Beginn ihrer Trainingseinheit durch ihren Sensei. Der Sensei, was so viel heißt wie Lehrer, ist in diesem Fall Steve Manoch.

Vor einem Jahr hat der gebürtige Niederländer die Leitung der Karate-Abteilung des TuS 08 Emmerich-Hüthum übernommen. Er ist seit über 44 Jahren Kampfsportler und darüber hinaus auch A-lizensierter Kampfsportlehrer und -richter. Manoch trägt den schwarzen Gurt im 4. Dan, also den 4. Meistergrad. Unterstützung als Trainer erhält er durch einen sogenannten Senpai. Diese Rolle füllt Heinz Meisters, selbst Träger eines blauen Gurtes, mit viel Engagement aus, wobei Manoch, nach eigenen Angaben "der Strengere von Beiden" sei. Besonderen Wert legt er auf Disziplin und einen respektvollen Umgang miteinander. Wie es schon die erste Karateregel vorgibt: "Karate beginnt und endet mit Respekt".

Mit Begeisterung und großem Eifer sind die Mädchen und Jungen des Dojo Budo Senshu Emmerich bei der Sache. Foto: Konrad Frintrop

Das Hauptaugenmerk des Trainings liegt vor allem auf dem Kihon, was allgemein auch als Grundschule des Karate bezeichnet wird. Diese besteht aus einzelnen, kurzen Abfolgen von Schlägen ("Tsuki") und Tritten ("Geri"), die immer und immer wieder wiederholt werden. Die Kommandos für die Schlag- und Trittkombinationen erfolgen dabei ausschließlich auf Japanisch - durch die ständigen Wiederholungen für die Kinder allerdings kein großes Problem. Zudem wird jede Übung durch den Sensei oder den Senpai vorgemacht und die Übungsleiter achten stets auf die korrekte Ausführung durch ihre Schüler.

Manoch legt besonderen Wert auf Fokussierung und Präzision, er geht durch die Reihen und korrigiert permanent kleine Fehler seiner Eleven. Wichtig ist ihm dabei, dass dies ausschließlich durch positive Verstärkung geschieht, damit die Schülerinnen und Schüler niemals den Spaß an der Sache verlieren. Darüber hinaus ziehen die Karateka ihre Motivation vor allem aus dem bereits Erreichten und den stetigen Fortschritten des eigenen Könnens. Einen besonderen Grund zur Freude hatte der neunjährige Mile. Steve Manoch beobachtete ihn während der Trainingseinheit besonders und konnte sich so von seinen Fähigkeiten überzeugen. Daher überreichte er dem fleißigen Schüler am Ende den nächsthöheren Gurt. Stolz verließ Mile die Matte.

Steve Manoch (li.) trainiert seit einem Jahr auch die Erwachsenen. Foto: Konrad Flintrop

Karate kann jedes Kind lernen. Das ständige Wiederholen der Techniken bringt die Kinder zu dem Punkt: Ich kann es! Beim Training werden auch andere Werte vermittelt. Es zählen weder Ellbogenmentalität noch Leistungsdruck. Die Kinder lernen einen harmonischen Umgang miteinander, nehmen dabei Rücksicht und helfen sich gegenseitig. Durch das ganzheitliche Training wird die Koordination frühzeitig gefördert, zudem verbessern Dehnübungen die Beweglichkeit und der Karate-Sport kräftigt die Rückenmuskulatur. Eine Steigerung der Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit im Alltag bestätigt auch eine zuschauende Mutter, ebenso scheint ihr Sohn ausgeglichener als zuvor.

Neben dem Training richtet die Karate-Abteilung auch eine Vereinsmeisterschaft in allen Klassen aus und nimmt an Turnieren teil. Erst kürzlich schafften es vier junge Sportler bei einem Turnier in Holland auf das Podium. Für die Zukunft sind weitere Teilnahmen an Turnieren bereits fest eingeplant.

Natürlich ist Karate nicht nur etwas für Kinder und junge Leute. "Wir haben hier im Verein rund 40 Aktive von sechs bis 66 Jahren", erklärt der Sensei. Karate-Training biete gleichzeitig eine motorische und kognitive Beanspruchung des Körpers und sei geeignet für jedes Alter. Daher beginn nach dem Kinder- und Jugendtraining auch die Übungsstunde für die Erwachsenen.

Wer etwas für sich und seine Gesundheit tun möchte, kann jederzeit beim Training reinschnuppern. Alle Interessierten sind willkommen, ob Anfänger oder Fortgeschrittener, ob jung oder alt. Das Training für Kinder und Jugendliche findet immer montags von 18 bis 19 Uhr im Dojo in der Schulstraße statt, sowie freitags zur gleichen Zeit in der Turnhalle der Liebfrauen-Schule. Jeweils anschließend an das Jugendtraining sind die älteren Karateka von 19 bis 20.45 Uhr dran.

(RP)
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