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Motorsport: "Ich hätte fast Geschichte geschrieben"

Motorsport : "Ich hätte fast Geschichte geschrieben"

Erstmals in seiner Formel 1-Laufbahn führte Nico Hülkenberg am Sonntag in Sao Paulo das Fahrerfeld an – und zwar 30 Runden lang. Seinen ersten Sieg kündigt der Emmericher für nächstes Jahr an. Dann ist er für Sauber im Einsatz.

Erstmals in seiner Formel 1-Laufbahn führte Nico Hülkenberg am Sonntag in Sao Paulo das Fahrerfeld an — und zwar 30 Runden lang. Seinen ersten Sieg kündigt der Emmericher für nächstes Jahr an. Dann ist er für Sauber im Einsatz.

Nico Hülkenberg weiß spätestens seit Sonntag, dass er allmählich reif für das ganz große Erfolgserlebnis in der Formel 1 ist. "Meinen ersten Sieg habe ich mir für nächste Saison aufgespart, wenn ich für euch fahre", hatte der Emmericher nach dem "Großen Preis von Brasilien" geflachst, nachdem er im Zielraum Beat Zehnder, Teammanager seines künftigen Arbeitgebers Sauber, getroffen hatte.

Der Schweizer Rennstall darf sich schon jetzt zu einem Transfer-Coup gratulieren. Denn Nico Hülkenberg hat mit seinem glänzenden Auftritt in Sao Paulo einmal mehr unterstrichen, dass er unmittelbar davor steht, in die Phalanx der Großen einzubrechen. "Ich hätte fast Geschichte geschrieben", sagte der 25-Jährige gestern in einem Interview mit dem Fachmagazin "Auto, Motor und Sport".

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In der Tat: Zum ersten Grand-Prix-Sieg in der inzwischen dreijährigen Formel 1-Laufbahn des Emmerichers fehlte nicht viel. Millionen von Motorsportfreunden in aller Welt, die sich in erster Linie wegen des Duells Sebastian Vettel gegen Fernando Alonso vor den Fernseher gesetzt hatten, trauten ihren Augen kaum. In der 18. Runde zog Nico Hülkenberg an Jenson Button vorbei und übernahm für lange Zeit die Führung.

Bemerkenswert: Trotz nasser Fahrbahn — "die Strecke war an manchen Stellen aalglatt" — dachte der Niederrheiner gar nicht daran, seine profillosen Slicks auszuwechseln. Mit diesem bemerkenswerten Mut zum Risiko trieb er den Puls der Ingenieure seines Rennstalls "Force India" ganz schön nach oben. "Man hat mich in jeder Runde etwas besorgt gefragt, ob ich nicht zum Reifenwechsel reinkommen möchte. Ich habe gar nicht groß darauf reagiert und bin jedes Mal draußen geblieben", erzählte Hülkenberg nach seinem spektakulären Auftritt auf der Rennstrecke in Interlagos bei Sao Paulo.

Bis zur erwähnten 18. Runde hatte Nico es sich recht komfortabel hinter dem englischen McLaren-Piloten Jenson Button eingerichtet. "Solange ich hinter Jenson lag, hatte ich jemanden, an dem ich mich orientieren konnte." Nach dem geglückten Überholmanöver ging der Stress für den Emmericher erst richtig los. Noch nie zuvor hatte er in einem Formel 1-Rennen das Feld angeführt. Vor zwei Jahren hatte er sich zwar in Brasilien die Pole Position geholt, war seinerseits aber bereits wenige Sekunden nach dem Start von der Konkurrenz abgefangen worden.

Doch Hülkenberg reagierte auf die völlig ungewohnte Situation wie ein alter Cockpit-Hase. Gleich 30 Runden am Stück sollte er am Sonntag seine ersten Führungskilometer in der Königsklasse absolvieren. Und er dachte weiterhin gar nicht daran, auf die von der Konkurrenz bevorzugten "Intermediate"-Reifen umzusteigen. Diese drosseln zwar die Geschwindigkeit etwas, sind dafür aber wegen des leichten Profils bei Nässe auch wesentlich sicherer.

Aber der Emmericher setzte volles Vertrauen in die Slicks und vor allem auch in seinen Fahrstil: "Ich hatte ein gutes Gefühl mit meinem Auto. Da ich aggressiver als viele Kollegen fahre, konnte ich eine höhere Temperatur im Reifen halten. Das hat mir wie schon bei meiner Pole Position vor zwei Jahren sehr geholfen."

Nach der "Safety-Car"-Phase in der 30. Runde zog Nico Hülkenberg sofort wieder das Tempo an und kontrollierte das Feld von der Spitze aus. Zu diesem Zeitpunkt sprach einiges für den ersten Grand-Prix-Sieg des 25-Jährigen und vieles zumindest für den ersten Podiumsplatz. Doch leider machte das Wetter dem Emmericher einen Strich durch die Rechnung. Denn zu Beginn der 45. von insgesamt 71 Runden wurde der Regen zum Leidwesen von Hülkenberg und seiner Fangemeinde wieder stärker. Lewis Hamilton witterte seine Chance und zog in Runde 48 am "Force India"-Piloten vorbei.

Hülkenberg ließ nicht locker und setzte in der 55. Runde zum Gegenangriff an. Diese Attacke sollte allerdings bekanntlich Folgen haben. "Mein Problem war, dass ich auf einem feuchten Stück Straße bremsen musste. Hamilton konnte dagegen auf der trockenen Spur fahren. Deshalb ist mir das Heck ausgebrochen und ich habe ihn getroffen. Es tut mir leid für Lewis, aber das kann im Zweikampf nun einmal immer passieren."

Während für den britischen Ex-Weltmeister das Rennen sofort beendet war — der McLaren hatte das linke Vorderrad verloren — blieb die Kollision für den Emmericher zunächst nahezu folgenlos. Lediglich der später Sieger Jenson Button zog vorbei, dahinter folgten Hülkenberg und Fernando Alonso. Das Ende ist bekannt. Nachdem sie sich den Unfall noch einmal in Zeitlupe angeschaut hatten, verhängten die Sportkommissare eine Durchfahrtsstrafe gegen den 25-Jährigen. Nico musste einen langsamen Umweg durch die Boxengasse in Kauf nehmen und fiel auf Rang fünf zurück.

So recht konnte sich der Emmericher, der sich sofort nach dem Rennen im McLaren-Pavillon bei Hamilton für den Unfall entschuldigte, mit dieser Entscheidung nicht anfreunden. "Man kann die Durchfahrtsstrafe geben, muss aber nicht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich ohne diese Strafe den zweiten Platz gehalten hätte."

Hier geht es zur Infostrecke: GP von Brasilien 2012: Das Rennen im Spielfilm

(RP/rl)