Lokalsport: Hülkenberg gönnt sich nur wenig Pause

Lokalsport : Hülkenberg gönnt sich nur wenig Pause

Der Emmericher will auch im Winter so fit bleiben, wie er es in der vergangenen Saison war. Die Bitte von Renault, ein paar Kilogramm abzunehmen, weil die Boliden wegen des Sicherheits-Systems Halo schwerer werden, lehnte er ab.

Nico Hülkenberg wurde richtig auf den Zahn gefüllt. Zum einen ganz real, weil er in dieser Woche einen Termin beim Zahnarzt hatte. Zum anderen sprichwörtlich, weil die Verantwortlichen seines Rennstalls Renault mit einer delikaten Bitte mit Blick auf die kommende Saison an den schlanken Emmericher herangetreten sind. "Das Team hat mir gesagt, dass das Gewicht für die kommende Saison ein Thema wird und mich gefragt, ob ich nicht ein paar Kilogramm verlieren könne. Ich habe gesagt: Nein, kann ich nicht", wird der 30-Jährige von der Speedweek zitiert.

Denn mit Beginn der Saison 2018 wird der Halo genannte Cockpitschutz in der Formel 1 eingeführt. Sechs Kilogram bringt der Bügel auf die Waage. Netto. Denn mit Befestigungselementen und Verstärkungen dürfte sich das Gesamtgewicht des Chassis wohl um etwa 14 Kilogramm erhöhen.

Nico Hülkenberg gehört mit 1,84 Zentimetern zu den Riesen im Formel-1-Zirkus. Für die Fahrer bedeutet die abermalige Zunahme des Gewichts der Boliden - schon in diesem Jahr stieg es wegen der breiteren Reifen um sechs Kilo an - einen Spagat beim Training. Zum einen ist Muskelmasse wichtig, zum anderen sollten die Piloten so leicht wie möglich sein.

Das hat auch der Emmericher bei den Planungen für die neue Saison im Blick. "Ich werde mir ab Mitte Dezember ein paar ruhige Tage gönnen, speziell um Weihnachten herum. Allerdings werde ich weiterhin kontinuierlich trainieren. Im Januar steht das erste Trainingslager an. Für mich ist es sehr wichtig, im Winter genauso fit zu sein wie innerhalb der Saison", schreibt Nico Hülkenberg in seiner Sport-1-Kolumne.

Dass ausgerechnet für das umstrittene Halo-System noch mehr aufs Körpergewicht geachtet werden muss, stößt bei einigen Fahrern ganz sicher nicht auf Gegenliebe. Hülkenberg hat sich frühzeitig als entschiedener Gegner des Cockpitschutzes geoutet. Eine lange Lebensdauer bescheinigt er dem Carbonbügel ohnehin nicht. "Ich glaube nicht, dass Halo in der Formel 1 lange überleben wird. Die Leute werden schnell zur Einsicht gelangen, dass das nicht notwendig ist", sagt der Renault-Pilot, der beim letzten Test in Abu Dhabi den schwarz-lackierten Schutzbügel an seinem Cockpit montiert hatte.

Nico Hülkenberg bringt als Kritiker Nummer eins das Argument, dass "die Welt will, dass alles sicherer wird. Dafür habe ich Verständnis. Aber ich meine, dass wir in der Formel 1 keinen zusätzlichen Kopfschutz für ein Unfallszenario brauchen, dessen Wahrscheinlichkeit bei eins zu einer Million steht." Die Autos seien bereits extrem sicher, wozu die jährlichen Crashtests beitragen würden. "Mit dem Halo vor dem Cockpit erwecken wir den Eindruck, bei uns in der Formel 1 sei man vor allem sicher", sagt der 30 Jahre alte Emmericher. "Aber das ist ohnehin eine Illusion."

(RP)