Fußball: Gänsehaut bei der Bundesliga-Premiere

Fußball: Gänsehaut bei der Bundesliga-Premiere

Der Reeser Mirko Boland kam am Samstag in der Partie des Aufsteigers Eintracht Braunschweig gegen Werder Bremen zu seinem ersten Einsatz in der Eliteklasse. Mutter Ulrike und Freundin Denise fieberten auf der Tribüne mit.

Seit Samstag mischt wieder ein Reeser in der Fußball-Bundesliga mit. Unter dem Jubel der 23000 Zuschauer wurde Mirko Boland in der 56. Minute der Partie Eintracht Braunschweig gegen Werder Bremen eingewechselt — zu diesem Zeitpunkt stand's noch 0:0. "Ich habe eine Gänsehaut bekommen, als die Fans meinen Sohn gefeiert haben", sagte Ulrike Boland, die mit Mirkos Freundin Denise auf der Tribüne des Stadions an der Hamburger Straße mitfieberte.

Der 26-jährige Reeser, der in der Woche zuvor im Pokalspiel beim Zweitligisten Arminia Bielefeld nicht einmal im Kader gestanden hatte, nutzte seine Chance. Mirko Boland sorgte für jede Menge Angriffsschwung und hatte in der 71. Minute sogar den Braunschweiger Führungstreffer auf dem Fuß — doch sein abgefälschter Schuss verfehlte das Ziel um Haaresbreite.

Bekanntlich blieb dem Neuling, der ein starkes Comeback in der Eliteklasse feierte, ein Happy-End verwehrt. In der 82. Minute drosch Sebastian Prödl, österreichischer Nationalspieler in Diensten von Werder Bremen, den Ball einfach nach vorne. Die Kugel landete bei seinem Landsmann Zlatko Junuzovic, der die Braunschweiger Abwehrspieler abschüttelte und mit dem entscheidenden Treffer zum 1:0 den Spielverlauf etwas auf den Kopf stellte.

Kurze Zeit nach seinem Bundesliga-Debüt griff Mirko Boland zum Telefon und ließ zu Hause erst einmal etwas Frust ab. "Er hat mir sofort gesagt, dass er jetzt weiß, was in der Bundesliga los ist. Mirko war sich sicher, dass die Situation vor dem Bremer Führungstreffer in der Zweiten Liga niemals zu einem Gegentor geführt hätte", sagte Vater Rolf Boland, der das Auftaktspiel auf der heimischen Wohnzimmercouch verfolgt hatte.

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Trotz der unglücklichen Heimpleite war er anschließend mächtig stolz auf seinen Sohn: "Mirko hat die Chance genutzt und nach seiner Einwechslung ein richtig gutes Spiel gemacht. Das hat ihm auch Trainer Torsten Lieberknecht sofort nach dem Schlusspfiff bestätigt." Folgerichtig darf sich Mirko Boland berechtigte Hoffnungen auf weitere Einsätze in der Eliteklasse machen. Die Marke seines Reeser Vorgängers in der Bundesliga wird der 26-Jährige allerdings in seiner Laufbahn nicht knacken können. Franz-Josef Tenhagen bestritt das letzte seiner insgesamt 457 Erstligaspiele am 23. April 1988 im Trikot des VfL Bochum bei Bayer Leverkusen.

Ein Vierteljahrhundert später hat für den kleinen Dribbelkünstler aus Rees, der in den Eintracht-Neuzugängen Marco Caligiuri (Mainz 05) und Jan Hochscheidt (Erzgebirge Aue) starke Konkurrenz im Mittelfeld bekommen hat, das Abenteuer Bundesliga gerade erst begonnen. Am kommenden Sonntag, 18. August, erhält Mirko Boland die nächste Gelegenheit, auf der ganz großen Fußballbühne vorzuspielen. Dann wird um 17.30 Uhr die Partie beim Deutschen Vizemeister und Champions League-Finalisten Borussia Dortmund angepfiffen. Rolf Boland: "Dort werde ich dann wahrscheinlich auch auf der Tribüne sitzen und Mirko und der Eintracht die Daumen drücken."

Trotz der unglücklichen Auftaktniederlage ist man sich im Lager der Braunschweiger "Löwen" sicher, in Liga eins bestehen zu können. "Unsere Leistung war doch absolut in Ordnung. Mal stand die Latte im Weg, dann lag ein Bremer auf der Linie herum. Ich habe jedenfalls viele Gründe festgestellt, warum sich die Bundesliga auf Braunschweig freuen kann", meinte Trainer Lieberknecht in der anschließenden Pressekonferenz. Einer dieser Gründe ist am Niederrhein aufgewachsen und hat beim SV Rees das Fußballspielen gelernt.

(RP)
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