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Fußball: Fortuna profitiert vom Aus der Zebras

Fußball : Fortuna profitiert vom Aus der Zebras

Nach dem Rückzug von Blau-Weiß Wesel aus der Fußball-Kreisliga A Rees-Bocholt haben sich die Chancen von Fortuna Millingen auf den Klassenerhalt verbessert. Die Konkurrenz verliert Punkte, die sie gegen den Pleiteverein geholt hatte.

Blau-Weiß Wesel ist von der Fußball-Bühne verschwunden. Wie berichtet, ist der Club pleite und dürfte noch in diesem Jahr aus dem Vereinsregister gestrichen werden. Das Mitleid der Konkurrenz hält sich in Grenzen, einige Rivalen in der Kreisliga A Rees-Bocholt haben sogar allen Grund zur Freude. "Man muss sagen, dass der Rückzug der Zebras für uns Gold wert ist", sagt Dirk Scholten, Trainer von Fortuna Millingen.

Der Neuling besitzt dank des Zwangsabsteigers aus Wesel plötzlich wieder wesentlich bessere Karten im Kampf um den Klassenerhalt. Der Grund: Während die Fortuna in der Hinserie gegen die Blau-Weißen deutlich mit 0:3 verloren hatte, hatten gleich vier Konkurrenten im Abstiegskampf Punkte gegen die Zebras geholt, die jetzt futsch sind. So fehlen dem VfL Rhede II und der DJK Lowick plötzlich drei Punkte auf der Habenseite, der SV Biemenhorst und der TuB Bocholt II haben jeweils einen Zähler eingebüßt.

"Für uns sieht die Tabelle auf einen Schlag wieder viel freundlicher aus. BW Wesel steht als erster Absteiger fest. Und wir haben auf einmal nur noch drei Punkte Rückstand auf den achten Platz. Das dürfte meiner Mannschaft einen zusätzlichen Motivationsschub verleihen", erklärt Scholten. Zu den Verlierern in Zusammenhang mit dem Pleiteverein vom Lippestadion gehört hingegen der SV Haldern. Die Mannschaft aus dem Lindendorf hat auf einmal wieder fünf Punkte Rückstand auf Spitzenreiter SV Spellen und vier Zähler auf den Tabellenzweiten Olympia Bocholt — beide Spitzenclubs hatten in der Hinserie gegen die Zebras verloren.

Trainer Jürgen Stratmann, dessen Mannschaft hingegen gegen Wesel einen 5:4-Erfolg gefeiert hatte, nimmt die Entwicklung ganz gelassen. "Ich hatte mich ohnehin nie sonderlich mit den beiden Aufstiegsplätzen beschäftigt. Unser Sieg ist dennoch nicht wertlos. Damals haben wir einen 0:3-Rückstand aufgeholt. Und das war ungeheuer wichtig für die Moral", sagt Stratmann, der BW Wesel als Opfer einer "falschen Philosophie" betrachtet. Sein Fazit: "Es ist gefährlich, wenn man den sportlichen Erfolg über alles stellt, die Strukturen dafür aber in einem Verein nicht vorhanden sind." Fortuna Millingen, der SV Haldern und auch der VfB Rheingold Emmerich haben indes keinerlei Interesse an der "Konkursmasse" — sämtliche Zebra-Kicker sind ab sofort ablösefrei zu haben. "Darunter befinden sich einige gute Spieler, die in unseren Überlegungen aber keine Rolle spielen. Die Nachfrage in Wesel und Umgebung ist groß. Ich bin mir sicher, dass die Jungs schnell eine neue sportliche Heimat finden", meint Rheingold-Trainer Frank Potthoff.

Für seinen Kollegen Rocco Steinert ist die Zukunft geklärt. Der 36-jährige Übungsleiter, der seit 1997 alle Höhen und zuletzt vor allem auch Tiefen der Zebras erlebt hatte, wechselt zum Lokalrivalen Viktoria Wesel und leitet in der nächsten Woche die erste Einheit. Wahrscheinlich werden einige Spieler ihren Coach begleiten und damit weiter auf gewohntem Terrain kicken.

Der B-Ligist, der in der Gruppe 2 bei aktuell 13 Punkten Rückstand auf Tabellenführer Hamminkelner SV II keine Chance mehr auf den Titelgewinn haben dürfte, trägt seine Heimspiele ebenfalls im Lippestadion aus. Beide Vereine hatten für kommenden Sommer eine Fusion ins Auge gefasst. Daraus wird nichts mehr. Denn im Kreis Rees-Bocholt rollt der Ball ab sofort ohne Zebrastreifen.

(RP)