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Emmerich: Marco Kroes hat sich zum Weltklasse-Trainer im Tennis entwickelt

Tennis : Marco Kroes trainiert die Weltklasse

Der Niederländer ist Trainer aus Leidenschaft. Der 51-Jährige, der einst für den TV Elten aufschlug, hat mit seinem Schützling Wesley Koolhof große Erfolge gefeiert. Mit Weltklasse-Spieler Stefanos Tsitsipas hat er schon Volleys geübt.

Die Herren-Mannschaft der Tennis-Abteilung des TV Elten war in den 1990er Jahren das Herzstück des Vereins. Die junge Crew um Routinier Jürgen Wennekers war nicht zu bremsen und stieg Jahr um Jahr auf. Erst in der Bezirksliga endete die Erfolgsstory. Neben Wennekers waren Harald Frericks, Andreas Ohm, Udo Wittenhorst, Stephan Verheyen, Christian Ohm, Holger Gosens sowie die Niederländer Hans-Jürgen Striek und Marco Kroes die Protagonisten des Teams.

Einige von ihnen sind immer noch am Ball und spielen für den kleinen Eltener Klub in der Herren-40-Mannschaft. Aber Marco Kroes, der damals vom TV Lobith zum TVE stieß, ist mittlerweile aus der internationalen Tennisszene nicht mehr wegzudenken. „Ich habe mich Stück für Stück nach oben gekämpft“, sagt Kroes über seinen langen Weg bis hin zur Teilnahme an einem Grand-Slam-Finale. Zwar nicht als Aktiver, doch als Coach ist seine Meinung und Arbeit in der Profi-Szene gefragt.

Dabei fing alles recht bescheiden an. Als der heute 51-Jährige noch beim TV Elten aufschlug, gab er dem Nachwuchs ab und an Tennisstunden. Dann stand jedoch ein beruflicher Wechsel an. Kroes heuerte in Zevenaarer in einer Tennishalle an. „Aber nicht als Tennislehrer. Ich war für die Gastronomie zuständig“, sagt der Niederländer. Das war aber nur von kurzer Dauer. „Natürlich habe ich oft beim Training zugesehen und festgestellt, dass ich das auch kann und vielleicht sogar noch besser“, so Kroes. Gesagt, getan. Er besuchte die entsprechenden Fortbildungen und wurde Tennislehrer. Die Erfolge stellten sich recht schnell ein. So holten zwei seiner Nachwuchsspieler den nationalen Titel der Niederlande.

Marco Kroes (links) kennt den Weltklasse-Spieler Stefanos Tsitsipas (dritter von links) sehr gut. Ihm hat der Niederländer schon wertvolle Tipps gegeben. Foto: KN

Richtig Fahrt nahm die Karriere von Marco Kroes auf, als er vor etwa acht Jahren Wesley Koolhof kennenlernte. Der Tennisprofi, der wie Kroes in Duiven wohnt, stand eigentlich am Scheidepunkt seiner sportlichen Laufbahn. Im Einzel wollte es nicht so recht klappen. Doch der Coach erkannte schnell das Talent. „Du hat das Zeug zu einem Weltklasse-Mann. Allerdings nicht im Einzel, wir werden uns auf das Doppelspiel konzentrieren“, lautete das Urteil von Kroes. Und er sollte Recht behalten.

Erstes größeres Aufsehen gab es im Jahr 2016, als das von Marco Kroes gecoachte Duo Matwe Middelkopp/Wesley Koolhof auf der ATP-Tour in Sofia und Kitzbühel nicht zu schlagen war und die ersten bedeutenden Titel einfuhr. Mittlerweile ist Koolhof in der Szene ein gefragter Doppelpartner. „Wesley ist sehr vielseitig. Er ist ein guter Aufschläger und spielt einen tollen Volley“, sagt Kroes. So spielte er mehrfach mit Stefanos Tsitsipas, der im Einzel zu den besten Spielern der Welt zählt. Auch der Grieche profitierte vom Training mit Kroes. „Wir haben hauptsächlich Volleys geübt und das mit viel Erfolg“, sagt Kroes. Auf dem Platz zahlte es sich auch aus. Das Doppel Koolhof/Tsitsipas spielte sich beim Masters-Turnier in Miami bis ins Finale vor.

Große Erfolge hat Marco Kroes schon als Tennis-Trainer gefeiert. Foto: KN

Das Husarenstück schlechthin gelang Marco Kroes vor einigen Wochen bei den US Open in New York. Koolhof, der seit einigen Monaten mit dem Kroaten Nikola Mektic antritt, legte bei dem Grand-Slam-Turnier eine beeindruckende Erfolgsserie hin. Erst im Finale kam für das Duo das Aus, das seine gute Form bei den French Open bestätigte. In Paris scheiterte das kroatisch/niederländische Doppel erst im Halbfinale an den Turniersiegern Andreas Mies und Kevin Krawietz.

Damit soll es aber nicht genug sein. Kroes will den erfolgreichen Weg mit Koolhof, der auch dem niederländischen Davis-Cup-Team angehört, weiter gehen. „Als ich Wesley als Trainer übernahm, habe ich ihm gesagt, dass er einen Grand-Slam-Titel gewinnen wird. Zwei gute Chancen haben wir bislang gehabt. Wir werden aber noch mehr bekommen und sie dann auch für den ganz großen Wurf nutzen“, sagt Kroes, dessen Spieler in der Doppel-Weltrangliste auf den elften Platz vorgerückt ist. Ein Großereignis steht für Kroes und Koolhof noch gegen Ende des Jahres an. Dann spielt das Duo Koolhof/Mektic in der Finalrunde der weltbesten Doppelspieler in London.

Sein Job ist ein harter. Zwar hat die Coronavirus-Pandemie für eine längere Pause gesorgt, doch ansonsten ist Marco Kroes im Jahr zwischen 25 und 30 Wochen mit seinen Schützlingen in der ganzen Welt unterwegs.

Der gefragte Coach betreut nicht nur Koolhof („Auf ihn ist mein Hauptaugenmerk ausgerichtet“). Auch das belgische Davis-Cup-Doppel Joran Vliegen/Sander Gille hat er unter seine Fittiche genommen. Dann gibt es da noch die eigene Tennisschule, die er mit einigen engagierten Übungsleitern betreibt. Und auch die gemischte Mannschaft von Rapiditas Nijmegen, die in der Eredivisie, der höchsten niederländischen Spielklasse aufschlägt, will weiter von Kroes betreut werden.

Natürlich ist die Karriere von Marco Kroes auch in seiner Heimat nicht unbemerkt geblieben. Im Jahr 2019 gab es für ihn die Auszeichnung als Trainer des Jahres der Region Liemers. „Das macht einen schon stolz. Es zeigt, dass man vieles richtig gemacht hat“, sagt Kroes.