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Fußball: Eklat in der Reeser Halle ist ein Fall für die Justiz

Fußball : Eklat in der Reeser Halle ist ein Fall für die Justiz

Bei Dogan Erzi sitzt der Schock noch immer tief. "Ich habe erst in der Nacht danach so richtig begriffen, was da eigentlich passiert ist", sagt der 19-jährige Schiedsrichter. Wie berichtet, war der Referee am Freitagabend vom Isselburger Nachwuchsspieler Shane Nieuwenhuis bedroht worden, nachdem er dem Kicker die Rote Karte gezeigt hatte.

Der Vorfall wird demnächst die Justiz beschäftigen. "Ich warte auf dem Parkplatz auf Dich. Dort schlag ich Dich tot", soll Nieuwenhuis von der Tribüne aus gebrüllt haben. Diesen Wortlaut bestätigten laut Peter Kempe, Jugendleiter des Gastgebers BW Bienen, Zeugen gegenüber der Polizei, die gegen 21.30 Uhr am Westring eintraf. Viele Besucher der Titelkämpfe hatten in jenem Moment ihren Ohren kaum getraut. Zu Beginn der Veranstaltung hatte die Turnierleitung zu einer Schweigeminute für Richard Nieuwenhuizen aufgerufen, der am Sonntag zuvor von jungen Fußballern zu Tode geprügelt worden war. Am Montag wurde der Niederländer in seinem Heimatort Almere beigesetzt.

Dogan Erzi ist fest davon überzeugt, dass sich so etwas jederzeit auch in Deutschland wiederholen kann. "Die Gefahr besteht hundertprozentig. Die Gewalt nimmt immer mehr zu", versichert der Referee aus Millingen, der für BW Bienen pfeift. Erzi überlegt sich noch, ob er seine Schiedsrichter-Laufbahn fortsetzt. "An Beleidigungen gewöhnt man sich. Aber eine Bedrohung ist etwas ganz anderes. Ich werde in jedem Fall noch bei den Emmericher Jugend-Stadtmeisterschaften pfeifen. Sollte ich dort auch noch schlechte Erfahrungen machen, höre ich wahrscheinlich auf", kündigte Erzi an.

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Shane Nieuwenhuis bedauert seinen Ausraster inzwischen zutiefst, bestreitet allerdings den Inhalt der Drohung. "Es tut mir aufrichtig leid, was am Freitag passiert ist. Ich habe leider Stress von der Arbeit mit ins Turnier genommen. Nach der Roten Karte kamen Frust und Enttäuschung in mir hoch. Schließlich habe ich dem Schiedsrichter zugerufen, dass er noch sehen wird, was er davon hat. Von etwas anderem war da nie die Rede", versichert der 18-Jährige Isselburger, der zurzeit eine Ausbildung zum Dachdecker absolviert. Montagabend schrieb Nieuwenhuis einen Brief, in dem er sich bei Dogan Erzi und beim Ausrichter Blau-Weiß Bienen für sein Verhalten entschuldigt. Der junge Mann betonte, dass er bereits am Freitagabend dem Referee die Hand gereicht habe, noch ehe die Polizei eingetroffen sei. Nieuwenhuis: "Ich wollte die Sache sofort aus der Welt räumen und habe mich bei Dogan Erzi entschuldigt. Von einer Anzeige war auch in diesem Moment nicht die Rede. So hat er sich erst entschieden, nachdem er mit seinem Vater und der Turnierleitung gesprochen hatte." In diesem Punkt widerspricht der Unparteiische allerdings: "Der Spieler hat mir zwar die Hand gegeben. Das war aber keine richtige Entschuldigung. Er wollte mit mir noch einmal über die Rote Karte diskutieren."

Mit der sportlichen Zukunft des jungen Mannes werden sich demnächst die Kreis-Spruchkammer und der Vorstand des SuS Isselburg beschäftigen. SuS-Obmann Michael Moldenhauer, der als Trainer und Betreuer der A-Junioren Nieuwenhuis schon seit einigen Jahren kennt, stärkt seinem Schützling den Rücken: "Shane weiß ganz genau, dass er großen Mist gebaut hat. Ich lege aber meine Hand dafür ins Feuer, dass er dem Schiedsrichter nie im Leben etwas getan hätte."

(RP/ac)