Schwimmen: Ein Marathon im „Embricana“

Schwimmen : Ein Marathon im „Embricana“

Schwimmen: 161 Sportler gehen beim 24-Stunden-Schwimmen ins Becken. Insgesamt absolvieren die Teilnehmer insgesamt mehr als 1000 Kilometer. Die größte Distanz spult Kristin Hemmers herunter: Sie kommt auf 1680 Bahnen.

Es ist nasskalt und windig am Samstagnachmittag – oder auch „usselig“, wie der Niederrheiner gern zu sagen pflegt. Im Emmericher Freizeitbad „Embricana“ herrscht da eine ganz andere Atmosphäre. Bei subtropischen Temperaturen, Musik aus den Boxen und zahlreichen Schwimmern im Sportbecken herrscht eine Stimmung wie im Club-Urlaub am Mittelmeer. Mit dem Startschuss für die 14. Auflage des 24-Stunden-Schwimmens und bereits von Beginn gibt es ein reges Treiben auf den fünf Bahnen im meerblauen 25-Meter-Becken.

Als Rüdiger Helmich, Vorsitzender des SSV Hellas Emmerich, mit einem Countdown das Ende einläutete, hatten es die insgesamt 161 Starter auf eine Gesamtstrecke von knapp über 1000 Kilometern gebracht, was einer Fahrt von Emmerich bis Mailand entspricht. Dabei spielte es keine Rolle, ob geübter Ausdauersportler oder Freizeit-Wasserratte im Becken war.

Wer schon immer mal zur Geisterstunde im „Embricana“ seine Bahnen ziehen wollte, hatte nun die Gelegenheit dazu. Rund 130 Helfer waren am Wochenende bei der vom Schwimmsportverein Hellas, der DLRG und dem „Embricana“ gemeinsam organisierten Veranstaltung im Einsatz. Für die Freiwilligen gab es dabei viel zu tun. Egal, ob Listen erstellen, Bahnenzählen oder natürlich Aufsicht am Beckenrand führen. Von Langeweile war keine Spur. „Vielen Dank an alle Helfer, die sich die Zeit genommen und uns unterstützt haben“, dankte Marco Jansen vom SSV Hellas herzlich am Ende allen Freiwilligen.

Der Einsatz der Helfer zahlte sich aus. Auch die diesjährige Auflage war laut Jansen wieder ein voller Erfolg: „Im Großen und Ganzen lief alles reibungslos. Permanent war jemand im Wasser, auch die ganze Nacht über.“ Ansgar Billen von der DLRG war ebenfalls rundum zufrieden. „50 Meter ist die kleinste Strecke, für 2000 Meter gibt es dann schon die Goldmedaille“, so Billen . Der betont: „Wenn man es darauf anlegt, dann kann es eigentlich jeder schaffen.“ Schließlich hatten die Teilnehmer 24 Stunden Zeit, gemessen wird die insgesamt absolvierte Strecke. Daher bestand die Möglichkeit, zwischendurch immer mal wieder eine Pause einzulegen, sich in der Pandabar des „Embricana“ mit verschiedenen Speisen und Getränken zu versorgen oder einfach mal die müden Glieder im Whirlpool zu entspannen.

Dabei waren die Ziele der Starter so unterschiedlich wie die Athleten selbst. „Ein richtiges Ziel gesetzt habe ich mir nicht wirklich, aber beim letzten 24-Stunden-Schwimmen hatte ich den Halbmarathon geschwommen, das wollte ich dann in diesem Jahr auch wieder gern“, verriet Simon Meyer aus Emmerich beim Blick auf die aktuelle Ergebnisliste. Am Ende legte der 27-Jährige sogar noch etwas drauf und landete mit 25 Kilometern auf dem zweiten Platz in der Gesamtwertung bei den Herren.

Auch Theo und Wim waren im Wasser. „Es war super! Ich hab schon 1500 Meter geschwommen, habe aber auch ‘ne längere Pause gemacht. Ich will 3650 Meter schaffen“, hatte Theo eine ziemlich genaue Vorstellung. Für den ersten Tag war für die zwei am späten Nachmittag aber erstmal Schluss, die restlichen Meter wurden zunächst noch aufgespart. „Wir kommen morgen nochmal wieder“, versprachen die beiden Nachwuchsschwimmer voller Vorfreude. Einer besonderen Herausforderung stellte sich Kristin Hemmers. Ein ganzer Marathon, also satte 42 Kilometer oder in dem Fall auch 1680 Bahnen, war das erklärte Ziel. So war es auch kein Wunder, dass Hemmers bei der Siegerehrung ganz oben auf dem Treppchen stand und mit exakt 42,5 Kilometern die längste Distanz aller Teilnehmer erschwamm.

Mit Langstrecken kennt sich auch Stefan Rüter aus Rees aus. Für ihn war es die erste Teilnahme an der Veranstaltung. „Ein Bekannter hat hiervon immer geschwärmt. Es ist wirklich schön und macht Spaß. Mal gucken, wie weit wir jetzt kommen und wann wir keine Lust mehr haben, ich möchte wohl die 20 knacken, aber ich bezweifel das“, lachte der Hobby-Triathlet und füllte nach sechs absolvierten Kilometern seine Energiereserven auf. „Ich denke, dass wir irgendwann in der Nacht nach Hause fahren, dort ein paar Stunden schlafen und morgen wiederkommen.“

Freiwillige Helfer notierten im „Embricana“ bei der 14. Auflage des 24-Stunden-Schwimmens die zurückgelegten Bahnen. Foto: ThoLi

Für die Teilnehmer gab es sogar die Möglichkeit, im Bad zu übernachten. Auch einige Helfer zogen sich in ihr aufgebautes Matratzenlager zurück. Für viele war Schlafen aber keine Option, denn gerade zu nächtlicher Stunde herrschte im Freizeitbad eine außergewöhnliche Atmosphäre. Daher nutzten einige Teilnehmer die Gelegenheit und zogen zur Schlafenszeit ihre Bahnen, bei ruhiger Musikuntermalung und kaum Verkehr im Becken.