Ein Blick in die Kabine

RP-Mitarbeiter Michael Stein war bei der 3:4-Niederlage des SV Emmerich-Vrasselt hautnah dabei. In der Halbzeitpause nahm er neben den Kickern Platz und hörte zu, was Sascha Brouwer seinen Spielern zu sagen hatte.

Es ist eine Männerwelt, wie sie im Buche steht: Kicker mit durchschwitzten Trikots sitzen in trauter Eintracht eng nebeneinander und schauen zumeist erschöpft auf den Boden. "Jetzt erstmal ruhig Männer", so Trainer Sascha Brouwer. Sein Team führt zwar mit 2:0, doch es ist erst Halbzeit.

Eigentlich ist es kein Wetter zum Fußball spielen. Es ist windig auf der Platzanlage des SV Vrasselt und auch nicht sonderlich warm. Viele haben sich ins kuschelige Vereinsheim zurückgezogen, wo über die gerade aktuell laufende Bundesliga eifrig diskutiert wird. Einige blicken etwas ratlos, denn auf dem Aschenplatz, direkt neben der gesperrten Rasenanlage, agieren immer noch die C-Jugendlichen, obwohl schon längst der Anstoß für die "Erste" hätte ertönen müssen. Man "hängt" etwas im Zeitplan. Die Kicker halten sich daher warm und die Fans versuchen die Zeit mit anderen Dingen zu überbrücken. "Hasse noch 'ne Bratwurst?" wird der etwas gestresste Verkäufer am Imbiss-Stand gefragt. "Soviel kannsse gar nicht essen", lautet die lakonische Antwort. Als es dann doch los geht, dämmert es bereits.

Das eingeschaltete Flutlicht ist schummrig und erlaubt nur eine mäßige Sicht. Es ist also eigentlich alles so wie immer bei Heimspielen des SV Vrasselt. Oder doch nicht? Überraschend führen nämlich die Gastgeber gegen BV Kellen zur Halbzeit mit 2:0. Die Experten am Spielfeldrand wissen, damit war nicht unbedingt zu rechnen. Immerhin fehlen gleich sechs Stammspieler. Und so gibt es auch einige ungewohnte Gesichter in der Elf zu sehen. Ebenso fremd ist für die Fußballer auch die Anwesenheit des RP-Mitarbeiters, der ausnahmsweise mal in der Kabine dabei sein darf. "Jetzt erstmal ruhig Männer", hört man aus dem Hintergrund die Stimme eines Mannes. Es ist Sascha Brouwer, Spielertrainer und eindeutig der Boss.

In seiner Karriere hat er bereits in der Ober- und Regionalliga gekickt. Er ist mit seinen Jungs zufrieden, kein Wunder bei einem 2:0. Doch Sascha ist ein alter Hase mit unglaublichem Fußball-Verstand. Er weiß genau, das Spiel ist noch nicht gelaufen und er warnt seine Jungs, denn trotz der klaren Führung und der Tatsache, dass der Gegner bereits den Torwart auswechseln musste, sind die Punkte noch nicht im vorweihnachtlichen Sack. "Wie geht's deinem Knie", fragt er besorgt seinen Nebenmann, der bereits ausgewechselt werden musste. "Knieschreibe ist raus und vermutlich auch was an den Bändern", so die Antwort. Das Spiel ist für den Angreifer jedenfalls gelaufen. Die Pause ist rum und mit ein paar aufmunternden Worten von Brouwer geht's wieder hinaus in die Kälte. Lag es an der Anwesenheit des RP-Mitarbeiters in der Kabine, wie Brouwer augenzwinkernd mutmaßte? Das Orakel von Vrasselt sollte mit seinen Befürchtungen jedenfalls Recht behalten. Die Partie kippte und sein Team hatte am Ende mit 3:4 verloren. Die Enttäuschung war groß und es war zu befürchten, dass die am Abend folgende Weihnachtsfeier nicht so erfolgreich sein könnte. Dem Vernehmen nach war es dann aber doch noch eine gelungene Party. Vielleicht, weil der RP-Mitarbeiter da dann nicht mehr dabei war.

(RP)
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