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Fußball: Dem FC Kleve gelingt am Ende alles

Fußball : Dem FC Kleve gelingt am Ende alles

Fußball-Landesligist bezwingt den PSV Wesel zum Saisonstart mit 7:2. Das Ergebnis täuscht aber über den lange Zeit engen Spielerverlauf zwischen den Teams hinweg. FC-Spieler Tim Haal trifft von der Mittellinie ins gegnerische Tor.

Wer am gestrigen Nachmittag keinen Platz unter dem schützenden Tribünendach fand, der konnte sich bei dem lang anhaltenden Regen gar nicht dagegen wehren, dass er nach kurzer Zeit aussah wie der sprichwörtlich begossene Pudel. Dem Klever Trainer Thomas von Kuczkowski ging es da nicht anders als seinem Weseler Kollegen Björn Assfelder, der sich mit Beginn dieser Saison an eine neue Rolle zu gewöhnen hat. Der ehemalige Spieler des PSV Wesel-Lackhausen, der den Staffelstab des langjährigen Trainers Roger Rütter übernommen hat, gibt mit Beginn dieser Saison die Kommandos vom Rand des Spielfeldes aus. Von dort durchlebte er gewissermaßen ein Wechselbad der Gefühle. Nach dem Abpfiff stand er tropfnass auf dem Spielfeld und ließ im Gespräch mit dem Reporter die vorangegangenen 90 Minuten Revue passieren. Wenn er in diesem Moment den Kopf gedreht hätte und über den Rand der Volksbankarena hinaus geblickt hätte, dann wäre ihm die Anzeigetafel ins Auge gefallen, auf der lange nach Spielschluss das Ergebnis aufleuchtete: vorne stand die sieben, hinter dem trennenden Doppelpunkt die zwei. Die Gäste aus dem rechtsrheinischen Wesel hatten den Saisonauftakt mit 2:7 (1:1) verloren.

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"Wobei wir uns besonders in der ersten Halbzeit, aber auch noch eine Viertelstunde nach dem Seitenwechsel vieles gut gemacht hatten", sagte Assfelder, dem aber auch die Fehler im Spiel seiner Mannschaft verborgen geblieben war. Beispielsweise der verschossene Strafstoß nach einem angeblichen Foulspiel von des Klevers Tim Haal im Strafraum. FC-Keeper Sascha Horsmann bekam gerade noch die Fäuste an den gar einmal schlechten Schuss des Weselers Necati Güclü und lenkte den Ball gegen den Außenpfosten. Die Platzherren machten zwar auch Druck gegen das gegnerische Tor, schwörten ein paar brenzlige Situationen vor dem Weseler Kasten hervor, hatten aber weit mehr damit zu tun, bei dem aggressiven Gegenpressung des PSV Wesel ihren eigenen Spielryhthmus zu finden. Als nach einer guten halben Stunde eine Ecke des Weseler Kapitäns Dario Floris in den FC-Strafraum segelte, bekam keiner der Rot-Blauen den Ball verteidigt, der über ein, zwei Stationen zu dem stämmigen Viktor Klejonkin kam, der ihn ins Netz beförderte.

Es dauerte nach dem Rückstand etwas, ehe sich die Klever verstärkt ihrer spielerischen Mittel besannen. Vielfach rieben sie sich noch in den Zweikämpfen auf oder ließen sich von der übergroßen Theatralik einiger Weseler Spieler und fragwürduigen Entscheidungen des Schiedsrichters aus der Ruhe bringen. Aus Sicht des 1. FC Kleve fiel zu einem psychologisch wichtigen Moment das 1:1 durch Tim Haal.

Beide Teams standen nach der Pause gerade einmal gut 100 Sekunden wieder auf dem Platz, da legte sich der Klever Levon Kurikciyan in halblinker Position einen direkten Freistoß zurecht und zwirbelte ihn über die Abwehrmauer hinweg ins Tor. In diesem Moment schien der gebürtige Armenier mit sich und der Fußballwelt wieder im Reinen. Als zwei Minuten später Wesels Torwart Sebastian Kaiser nach einer Rückgabe auf ihn über den Ball schlägt, ist Kurikciyan ein weiteres Mal zur Stelle und trifft zum 3:1.

Mit der Einwechslung von Christopher Abel versuchte der Gast die sich abzeichnende Niederlage abzuwenden. Im Kampf um den Ball kam der Weseler Güclü im Strafraum zu Fall und bekam einen zweiten Elfmeter zugesprochen, der genauso fragwürdig wie der nach fünf Minuten war. Oliver Vos verkürzte auf 2:3 (66.). "Wir müssen das Heft wieder in die Hand bekommen", rief FC-Coach von Kuczkowski Mike Terfloth zu. Doch es dauerte bis eine Viertelstunde vor Schluss, bis Pass Pascal Hühner mit dem Tor zum 4:2 (74.) alles klar machte.

Was kaum einer für möglich gehalten, wurde nun zum Scheibenschießen. In der 79. Minute vollendete Haal zum 5:2. Vier Minuten später traf Terfloth zum 6:2. Der Höhepunkt sollte aber noch folgen. Und zwar durch von Haal, der drei Minuten vor dem Abpfiff den Ball fünf Meter vor der Mittellinie bekam, den Keeper ein paar Meter zu weit vor seinem Tor stehen sah und es einfach mal mit einem Weitschuss der Marke Sonderklasse probierte. Der Schuss aus 55 Metern landete zielgenau im linken obere Toreck.

(RP)