"Das wird kein Selbstläufer"

Nico Hülkenberg freut sich auf den Saisonstart in Melbourne. Der Formel-1-Fahrer aus Emmerich will sich in seiner zweiten Saison in der Königsklasse erst einmal etablieren. Wenn die Umstände passen, schließt er aber auch Podestplätze nicht aus.

Für Nico Hülkenberg wird es jetzt langsam ernst: Am Wochenende ist Auftakt in der Formel 1. Nach einjähriger Abstinenz kehrt der Emmericher Fahrer in Melbourne wieder in den Renn-Zirkus zurück. Im Interview mit Jens Marx (dpa) prophezeit der Pilot von Sahara Force India, dass das Rennen wie auch die ganze Saison keine einfache Sache werden wird.

Wie fühlt es sich im Vergleich zum Vorjahr an, als Sie als Test- und Ersatzfahrer bei Force India angestellt waren?

Hülkenberg: Es ist spannender, auf jeden Fall. Mehr kribbeln. Es ist natürlich eine ganz andere Perspektive als vor einem Jahr.

Wie weit hat Sie dieses Jahr verändert, weitergebracht oder vielleicht auch zurückgeworfen?

Hülkenberg: Was das Fahren betrifft, hatte ich ja meine 14 Freien Trainings und bin diesbezüglich schon dringebelieben. Ich hatte so etwas wie einen Am-Leben-Haltungs-Kurs. Was das Rennfahren angeht, ist das schon eine andere Nummer. Es gibt einiges zu lernen bei den ersten Rennen.

Inwiefern rechnen Sie daher mit einer Eingewöhnungsphase?

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Hülkenberg: Ich denke, die gibt es auf jeden Fall. Generell mal wieder in so einen Rennwochenende-Rhythmus zu kommen. Ich war zwar letztes Jahr auch alle Tage da. Aber wenn man nicht fährt, ist die Spannung nicht so da. Und auch die Zweikampfsituationen im Rennen, – das alles sind Sachen, die ich insgesamt 15, 16 Monate nicht hatte. Die müssen definitiv erstmal wieder gemacht werden, damit das richtig und gut funktioniert.

Wie sehr sind Sie denn generell ein Typ, der den Zweikampf, das Duell braucht?

Hülkenberg: Ich glaube, das braucht jeder irgendwie, der das die größte Zeit seines Lebens getan hat. Wenn man es dann mal nicht macht, vermisst man dieses Rad an Rad. Die Zweikämpfe mit den anderen Fahrern, sich selber pushen am Rennwochenende und alles rauskitzeln.

Wollen Sie auch bei anderen Sachen immer Erster sein?

Hülkenberg: Der Ehrgeiz ist definitiv immer da. Wenn irgendwo ein kleiner Wettkampf oder ein kleines Spiel ist, wie beim Kickern, dann ist schon der sportliche Ehrgeiz da, das auch gewinnen zu wollen.

Force India hat einen steten Aufstieg hinter sich. Ist das Team in diesem Jahr schon so weit, zu gewinnen?

Hülkenberg: Wenn die Umstände vielleicht passen und bei uns von Anfang bis Ende während des Rennens alles passt, dann könnte ich es mir vorstellen. Aus eigener Kraft, nicht nach den Tests. Wenn eine Möglichkeit da ist, werden wir es natürlich versuchen.

Sebastian Vettel hatte nach Ihrer nach Testbestzeit gesagt, dass er damit gerechnet hätte. Spüren Sie, dass die Konkurrenz Sie auf dem Radar hat?

Hülkenberg: Nein, da gibt es für mich ganz vorne andere Favoriten. Wie Lotus. Sauber sieht auch ganz stark aus. Der Test, als Sebastian das gesagt hat, war ja der zweite von drei. Und das Entwicklungstempo in der Formel 1 ist enorm. Man kann sich nicht erlauben durchzuschnaufen.

Ab wann wäre Melbourne ein gutes Wochenende?

Hülkenberg: Es wird kein Selbstläufer. Es wird ein hartes Stück Arbeit nach den letzten Tests. Melbourne kann immer gut für Überraschungen sein. 2010 war mein Rennen nach einer halben Runde zu Ende. Für mich ist es wichtig, am Anfang auch Kilometer zu sammeln. Diesmal will ich es unbedingt zu Ende fahren. Und wenn wir unter den Top Ten wären, wäre es umso schöner.

Ist ein Top-Ten-Platz auch das Saisonziel?

Hülkenberg: Eine Platzierung in der WM habe ich mir keine rausgesucht, die ich unbedingt erreichen will. Jetzt ist erst einmal Etablieren angesagt. Ich habe einen starken Teamkollegen, der definitiv einen kleinen Vorteil hat am Anfang, weil er nicht diese Pause hatte. Das wird am Anfang genug Arbeit sein.

(RP)