Das Programm in der Fußball-Kreisliga B

Niederrhein : Anadolu Spor hadert mit Personal-Aderlass

Fußball Kreisliga B: Fortuna Elten empfängt den Tabellendritten HSC Berg an der Europastraße. Polat Aydins B-Kreisligist Wesel Anadolu trifft in bewegten Zeiten auf den Nachbar Viktoria Wesel.

Das Winterwetter der vergangenen Wochen hat viele Fußball-Trainer in der Umgebung vor eine Herausforderung gestellt. Die Übungsleiter mussten ihre Schützlinge trotz gesperrter Plätze in Form bringen. Ohne Kunstrasenplatz war an eine normale Vorbereitung mit und ohne Ball nicht zu denken.

Für Polat Aydin, den Cheftrainer des B-Kreisligisten Wesel Anadolu Spor, waren Frost und Schnee allerdings das geringste Problem im Monat Januar. Nachdem zwölf Spieler und der Coach Osman Ali-Demir die Weseler im Winter in Richtung Bezirksliga-Schlusslicht RWS Lohberg verlassen haben, musste Polat Aydin eine neue Mannschaft zusammenstellen – eine Mammutaufgabe.

„Die letzten Wochen waren heftig. Ich habe bis zuletzt Gespräche geführt, um Spieler zu überzeugen“, sagte Polat Aydin, der ein ganzes Dutzend neuer Akteure verpflichtet hat. Damit ist klar, dass der Aufsteiger zum Rückrundenauftakt antreten kann.

Am Sonntag (15 Uhr) kommt Nachbar Viktoria Wesel. Für den Neu-Trainer ist es keine Selbstverständlichkeit, dass am Sonntag am Schulzentrum Nord um Punkte gespielt wird. Zu außergewöhnlich war die Situation noch zum Jahresende. Da sich einige Spieler bereits zum Ende der Hinrunde aus dem Staub gemacht hatten, konnte Anadolu im letzten Spiel des Jahres gegen den Tabellendrittletzten Fortuna Elten keine Mannschaft mehr stellen und musste die drei Punkte am Grünen Tisch herschenken. Gerade einmal sieben Spieler blieben letztlich in Wesel und widerstanden dem Ruf aus Lohberg.

„Ich bin den Akteuren, die ich jetzt zusammen habe, sehr dankbar“, sagt Trainer Polat Aydin, der keinen Gedanken mehr an den fragwürdigen Abgang des Großteils der Mannschaft verschwenden will. Aus ihm spricht dennoch die Enttäuschung: „Das ist nicht meine Generation, nicht meine Welt. Ein sinkendes Schiff zu verlassen, zeugt allerdings nicht von großem Charakter.“Trotz anderer deutlich lukrativerer Angebote hat Polat Aydin sich entschieden, seinem Heimatverein in der fast aussichtslos erscheinenden Lage zu helfen. „Für mich ist es eine Herzensangelegenheit. Ich bin mit diesem Verein groß geworden“, sagt der Coach.

Dessen Team steht derzeit mit 14 Zählern immerhin auf dem zwölften Tabellenplatz. Auf dem Papier scheint der Klassenerhalt in der Kreisliga B für den Aufsteiger ein realistisches Ziel zu sein. Die Frage wird sein, ob das neuformierte Team auch auf Anhieb für Erfolge sorgen kann oder nach einer möglichen Durststrecke zu Beginn der Rückrunde das große Bangen um den Klassenerhalt ausbrechen wird.

„Ich kann schwer einschätzen, zu was wir in der Lage sind. Aber wir haben einige gute Fußballer im Team. Wir alle wollen die Liga halten“, sagt der ehemalige PSV- und Hamminkelner Trainer Aydin, der zunächst einmal bis zum Sommer bei Anadolu Spor an der Seitenlinie stehen wird. Bis dahin soll es keine Spielabsagen wegen Personalmangels mehr geben. Wolfgang Hartje, der Trainer von Anadolu-Gegner Viktoria Wesel, sieht seine Mannschaft am Sonntag erst einmal in der Favoritenrolle: „Ich weiß nicht, ob Anadolu den Aderlass kompensieren kann. Ich bin guter Dinge, dass wir die drei Punkte einfahren“, sagt er. Die Viktoria hat die Testspielphase mit einem 2:2 (1:1) gegen den A-Ligisten SV Bislich abgeschlossen. Elie Komavo (35.) und Dimitrios Stathoulidis wendeten nach der Bislicher Führung durch Sebastian Giesen (22.) zwischenzeitlich das Blatt. Kai Sprenger traf für Bislich zum Endstand (80.).

„Das war ein gutes Spiel. Wir haben trotz der holprigen Vorbereitung eine gute Form“, stellt Wolfgang Hartje fest. Wenn seine Elf gut aus den Startlöchern kommt, traut er ihr eine Platzierung unter den ersten sechs Teams der Liga zu. Für den HSC Berg beginnt die zweite Saisonhälfte mit einem Auswärtsspiel beim Aufsteiger Fortuna Elten.

Die Berger mischen als Tabellendritter derzeit vollumfänglich im Titelrennen mit. Der Aufstieg ist für HSC-Coach Adolf Grill aber weiterhin keine Pflicht. „Wir wollen so lange wie möglich oben dranbleiben. Das Zeug dazu haben wir“, gibt er zu verstehen. Gegen die abstiegsbedrohten Eltener zählt für den HSC aktuell nur ein Sieg. „Der wäre wichtig, um gut reinzukommen“, sagt Grill, der personell aus dem Vollen schöpfen kann.