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Fußball: "Bole" auf dem Weg in die Bundesliga

Fußball : "Bole" auf dem Weg in die Bundesliga

Mirko Boland hat sich in den vergangenen vier Jahren in die Herzen der Fans des Zweitligisten Eintracht Braunschweig gespielt. Der 25-jährige Reeser gehört zu den Leistungsträgern des Traditionsvereins, der souverän die Tabelle anführt.

Mirko Boland nimmt den Begriff, der die Träume der Anhänger des Fußball-Zweitligisten Eintracht Braunschweig am besten zum Ausdruck bringt, überhaupt noch nicht in den Mund. "Wir sollten nicht über das A-Wort reden", gibt sich der Reeser ganz bescheiden, sobald er auf einen möglichen Aufstieg des Traditionsvereins aus Niedersachsen in die Bundesliga angesprochen wird.

Dabei hat der 25-Jährige großen Anteil daran, dass sein Verein vor der Rückkehr ins Fußball-Oberhaus steht. "Bole", wie er von den Eintracht-Fans liebevoll gerufen wird, begeistert das Publikum an der Hamburger Straße mit seinen Tempo-Dribblings. Der begnadete Techniker, der auf beiden Flügeln ebenso spielen kann wie im zentralen Mittelfeld hinter den Spitzen, narrt in schöner Regelmäßigkeit die gegnerischen Abwehrreihen. Zuletzt zu sehen am Montag, als er beim 4:3 des Spitzenreiters gegen Union Berlin einen verwandelten Freistoß und eine Torvorlage beisteuerte.

Im Fachmagazin "Kicker" hat Mirko Boland nach bislang 17 Einsätzen in der Meisterschaft die Durchschnittsnote 3,13 und weist damit einen der besten Werte aller Mittelfeldspieler in Liga zwei auf. Der Fußballgott führte den Reeser und die Braunschweiger Eintracht vor exakt vier Jahren zusammen. Damals hatte Boland beim späteren Bundesliga-Absteiger MSV Duisburg vergeblich auf ein Debüt im Profifußball gehofft. Trainer Peter Neururer erkannte zwar sein Talent, riet dem damals 21-Jährigen aber, Spielpraxis in der Dritten Liga zu sammeln.

Da sich Boland allerdings in Absprache mit seinem Berater nicht auf ein Ausleihgeschäft einlassen wollte, kam das Angebot von Eintracht Braunschweig wie gerufen. Am 7. Januar 2009 unterschrieb er einen Vertrag beim damaligen Drittligisten. Eine Entscheidung, die sich für beide Seiten als Glücksfall erweisen sollte. Der sympathische Dribbelkünstler, der keinerlei Starallüren hat, spielte sich schnell in die Stammelf. Im vergangenen Jahr gelang zunächst der Aufstieg in die Zweite Liga. Und momentan scheint Eintracht Braunschweig sogar dem Vorbild der Düsseldorfer Fortuna folgen zu können, die sich aus den Niederungen des Fußballs wieder auf die große Bühne Bundesliga gespielt hat. Nach 19 von 34 Spielen hat die Eintracht zwölf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, den zurzeit der 1. FC Kaiserslautern einnimmt — ein schönes Pfund, mit dem die Mannschaft um Trainer Torsten Lieberknecht im neuen Jahr wuchern kann.

Mirko Boland bleibt noch genügend Zeit, um an der Erfolgsgeschichte der Niedersachsen zu schreiben. Sein aktueller Vertrag läuft noch bis Sommer 2014. Mutter Ulrike kann sich gut vorstellen, dass ihr Sohn noch länger das gelbe Eintracht-Trikot mit der Spielmacher-Nummer "10" trägt: "Mirko fühlt sich in Braunschweig richtig wohl. Da müsste schon einiges passieren, bevor der Junge den Verein wechselt."

Die sportliche Laufbahn des jungen Reesers begann mit einem Bauchgefühl — im wahrsten Sinne des Wortes. "Ich habe schon während der Schwangerschaft gemerkt, dass da ein Fußballer heranwächst", erzählt Ulrike Boland, die wenige Jahre später mit ihrem Mann Rolf erst einmal etwas elterliche Strenge walten lassen musste. Denn in den Anfängen bei den Bambini seines Heimatvereins SV Rees hatte Klein-Mirko den Sinn des Spiels noch nicht so richtig verstanden. "Er dachte immer, er müsste nur mit dem Ball nach vorne laufen, die Gegenspieler umdribbeln und Tore schießen. Wir haben ihm dann erst einmal erklärt, dass es auch noch Mitspieler gibt."

Zwei Jahrzehnte später steht der Reeser Junge, der gestern seine Koffer gepackt hat, um Weihnachten in der Heimat am Niederrhein verbringen zu können, vor dem Aufstieg in die Bundesliga. Auch wenn er vom "A-Wort" noch gar nichts wissen möchte.

(RP)