Tennis : Ein Vorbild am Racket ist zurück

Bernd Lenten spielte vor 20 Jahren für den TC RW Emmerich in der Verbands- und Oberliga.

Will eine Sportart abseits der Volksdroge Fußball boomen, dann braucht sie Vorbilder. In den 90-er-Jahren trugen diese für den Tennissport die Namen Boris Becker und Steffi Graf. Doch nicht nur große Idole begeisterten die Massen vom Spiel mit der gelben Filzkugel. Auch die Lokalhelden der hiesigen Klubs boten Spitzentennis. Der TC RW Emmerich blickt auf eine bewegte Historie mit triumphalen Siegen und Aufstiegen zurück. Zentraler Akteur damals war auch Bernd Lenten. Mit Tijmen Leisink, Volker Zitzke und Marco Oversteegen formierte er ein Quartett, das weit über die Stadtgrenzen Emmerichs für Furore sorgte. Nach 20 Jahren ist Lenten nun zurück bei Rot-Weiß.

Was führte Sie zurück nach Emmerich, Herr Lenten?

Bernd Lenten Ich habe im Oktober begonnen, mit Jakob Houben (15) und Ben Heuveldop (14) zwei Talente des Klubs zu trainieren. Ihr vorheriger Trainer hatte sich verabschiedet, weshalb sich Emmerichs Vereinstrainer Marco Oversteegen bei mir meldete und fragte, ob ich mir diese Aufgabe vorstellen könnte. Nun komme ich daher zwei Mal pro Woche nach Emmerich. Zuvor habe ich eine junge Frau auf Profi-Sport-Niveau begleitet.

Mit welchem Gefühl sind Sie zurückgekehrt?

Lenten Der TC RW Emmerich ist mir natürlich in all den Jahren sehr gut im Gedächtnis geblieben. Als ich wieder hierhin kam, meldeten sich sofort viele Leute, die mich noch von früher kannten. Damals war Bert Gricksch noch Vorsitzender, heute ist sein Sohn Martin als Trainer hier. Rot-Weiß ist ein sehr warmer, familiärer Klub mit langer Tradition. Hier wird es einem einfach gemacht, anzukommen.

Welche Pläne haben Sie mit Jakob Houben und Ben Heuveldop? Immerhin sind sie die sportlichen Hoffnungsträger der Herren-Abteilung.

Lenten Um es im simplen Trainer-Jargon zu sagen: Ich will sie besser machen, als sie jetzt sind. Es ist ihr Traum, Tennisprofi zu werden. Ob wir das gemeinsam schaffen, steht in den Sternen und hängt vor allem davon ab, wieviel die Jungs bereit sind, zu investieren. Talent haben sie aber zweifelsfrei. In den vergangenen Jahren haben sie sehr viel an ihrer Technik gearbeitet, nun wollen wir auch einen Fokus auf Athletik und Taktik legen.

Welche Philosophie verfolgen Sie als Trainer?

Lenten Ich lege natürlich großen Wert auf Technik. Aber es ist mein Anspruch, immer genau zu schauen, woran ein Spieler individuell arbeiten muss. Das kann man nicht über einen Kamm scheren. Ich arbeite in erster Linie mit Jugendlichen zusammen, zudem begleite ich die niederländische Nachwuchshoffnung Alban Meuffels. Was mir dabei immer besonders am Herzen liegt, ist der eigene Antrieb der Spieler. Nur wenn man den hat, kann man weiterkommen. Als Trainer will ich motivieren und korrigieren, aber den wichtigsten Anteil an der sportlichen Entwicklung hat der Tennisspieler selbst. Das missfällt mir auch ein wenig bei der heutigen Jugend. Sie lassen sich schneller von ihrem Spiel und ihren Zielen ablenken. Von meinen Schülern verlange ich nur zwei Dinge: vollen Einsatz und ein positives Auftreten.

Hatten Sie selbst auch Schwächen in Ihrem Spiel?

Lenten Aber selbstverständlich, und auch immer noch. Aktuell spiele ich für den TV Vennikel in der Herren-50-Regionalliga. Damals, als ich unter den besten niederländischen Tennisspielern war, kämpfte ich häufig mit meiner Rückhand. Die spielte ich beidhändig, was mich in gewissen Situationen limitierte. Gleichzeitig entwickelte ich so auch meine größte Stärke: die Vorhand. Mit der konnte ich jedem Gegner Angst einjagen. Für die internationale Spitze hat es bei mir nicht gereicht, weil mir und meinen Eltern damals einfach das Geld fehlte, nur in Tennis zu investieren.

Könnten Sie sich vorstellen, auch langfristig beim TC Rot-Weiß Emmerich zu bleiben?

Lenten Wir werden sehen. Ich hoffe, noch einige Zeit mit meinen Schützlingen zu arbeiten. Aber ich werde mich im Sommer auch neu orientieren müssen, ich habe einige Angebote.

Was machen Sie eigentlich aktuell mit Ihrer freien Zeit?

Lenten Da geht natürlich immer der Fernseher an. Morgens, mittags und abends laufen die Australian Open. Das dürfte aber jedem so gehen, der für Tennis lebt.

Mehr von RP ONLINE