Lokalsport: Abschied von der zweiten Familie

Lokalsport : Abschied von der zweiten Familie

Fußball: Steffen Nüßmann war zwölfeinhalb Jahre ein fester Bestandteil des RSV Praest, nun wechselt er als Co- und Torwarttrainer zum VfR Mehrhoog. Sein langjähriger Coach Roland Kock kann die Entscheidung nachvollziehen.

Als Steffen Nüßmann im letzten Saisonspiel des RSV Praest gegen den SV Scherpenberg kurz vor Schluss ausgewechselt wurde, brandete großer Applaus im Stadion am Offenberg auf und der Keeper verließ durch ein Spalier den Rasen. Gegen den Meister der Bezirksliga hatte RSV-Trainer Roland Kock seinen langjährigen Schlussmann zum Abschied noch einmal zwischen die Pfosten gestellt.

Zwölfeinhalb Jahre hatte Nüßmann dem Verein die Treue gehalten. In der nächsten Saison wird der 37-Jährige beim VfR Mehrhoog tätig sein. In seinem Wohnort wird er Chefcoach Frank Terhorst als Co- und Torwarttrainer assistieren. "Das war schon sehr emotional", sagt Nüßmann zu seiner Verabschiedung während und nach dem Spiel, bei der er sich auch über einige Präsente freuen durfte. So soll ihn unter anderem eine Bildercollage immer an die Zeit bei den Schwarz-Gelben erinnern.

"Ich finde es sehr schade, dass er geht, kann aber nachvollziehen, dass er künftig die kürzeren Wege gehen will", sagt RSV-Trainer Roland Kock, der die kompletten zwölfeinhalb Jahre in Praest und zuvor auch noch vier Jahre beim SV Vrasselt mit Steffen Nüßmann verbracht hat. "Steffen ist einfach ein sehr angenehmer Mensch, er ist ein ruhender Pol und seine Meinung war mir immer sehr wichtig, da er generell einen großen Fußball-Sachverstand hat", erklärt Kock. "Zudem war er immer sehr zuverlässig in seiner Leistung und hätte, wenn er gewollt hätte, sicherlich auch noch die eine oder andere Klasse höher spielen können."

Er habe auf jeden Fall eine sehr schöne Zeit in Praest verbracht, in der er viel erlebt habe, sagt Nüßmann. "Der RSV ist meine zweite Familie geworden. Auch meine Frau und die vier Kinder haben sich hier immer wohlgefühlt." An drei Aufstiegen war der Torwart-Hüne, der so manchem Gegner alleine schon durch seine Statur Respekt einflößte, beteiligt. "Dass wir es als Dorfverein bis in die Landesliga geschafft haben, ist sicherlich bemerkenswert", findet Nüßmann.

Nach der Landesliga-Spielzeit beendete der Schlussmann dann allerdings seine aktive Karriere in der ersten Mannschaft. "In dieser Saison war ich mehr verletzt als fit", begründete der Schlussmann, der im Sommer 2013 die Zweitvertretung des RSV als Trainer übernahm, seine Entscheidung. Doch wegen personellen Problemen stand Nüßmann schneller wieder zwischen den Pfosten, als gedacht. Noch sehr schmerzhaft ist dem Keeper ein Spiel gegen Viktoria Wesel in Erinnerung, als er sich vier Rippenbrüche und einen Lungenriss zuzog und eine Nacht auf der Intensivstation verbrachte. "Ich habe zunächst gar keine Luft mehr bekommen", erinnert sich der Schlussmann noch gut an den schmerzhaften Zusammenprall mit einem Gegenspieler. "Da habe ich gedacht, das war es jetzt endgültig als Torwart", sagt Nüßmann schmunzelnd, der später doch immer wieder ins Gehäuse zurückkehrte, wenn in der ersten oder zweiten Mannschaft Not am Mann war.

Nach drei Jahren als Reserve-Coach übernahm Nüßmann im Sommer 2016 beim RSV die Aufgabe des Torwarttrainers - und fand sich plötzlich erneut in den ersten Spielen selbst im Tor des Bezirksligisten wieder, weil Dennis Döring ausfiel. Als dieser wieder fit war, konzentrierte sich Nüßmann fortan auf seine Aufgaben als Trainer. "Dennis hat eine richtig gute Saison absolviert", lobt Nüßmann, der Fan des MSV Duisburg ist.

Dass er auch in Mehrhoog noch mal die Handschuhe anziehen wird, schließt der 37-Jährige nicht aus. "Dann werde ich aber wieder etwas mehr tun müssen. So richtig beweglich bin ich momentan nicht mehr, das habe ich gegen Scherpenberg schon gemerkt."

(RP)
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