SPD scheitert mit Antrag, Unterricht an Reeser Schulen später beginnen zu lassen

Schulpolitik : Kein späterer Schulstart in Rees

Die SPD ist mit einem Antrag im Rat gescheitert, den Unterricht an den weiterführenden Schulen eine halbe Stunde nach hinten zu schieben. Auch die Schulleiter lehnen dies ab. Kosten von 320.000 Euro wären allein durch zusätzlichen Schülertransport entstanden.

Wirkt sich der frühe Schulbeginn um 7.30 Uhr an den weiterführenden Schulen in Rees negativ auf die Leistungen der Schüler aus? Die Reeser SPD ist davon überzeugt und fühlt sich durch verschiedene wissenschaftliche Studien in ihrer Annahme bestätigt. Im April haben die Sozialdemokraten deshalb einen Antrag gestellt, den Unterrichtsbeginn an den weiterführenden Schulen um eine halbe Stunde nach hinten, also auf 8 Uhr zu verschieben. Am Donnerstag befasste sich der Rat mit dieser Forderung.

Um es vorwegzunehmen: Der Antrag der Genossen stieß sowohl bei der Stadtverwaltung als auch bei allen anderen Parteien auf Ablehnung und fand keine Mehrheit.

SPD-Fraktionschef Peter Friedmann hatte zuvor dargelegt, dass es den Schulträgern, also der Stadt, obliege, über den Unterrichtsbeginn zu entscheiden. Er und sein Fraktionskollege Johannes Beenen zitierten verschiedene wissenschaftliche Studien, aus denen hervorginge, dass junge Menschen am frühen Morgen oft nicht aufnahmefähig seien. „Ein späterer Schulbeginn würde sich positiv auf die Leistungskurve auswirken. Finanzielle Überlegungen dürfen hierbei keine Rolle spielen“, sagte Friedmann.

Wie Georg Messing von der Stadtverwaltung mitteilte, hatten die betroffenen Schulleiter einen späteren Unterrichtsbeginn abgelehnt (siehe Infobox). Aber auch die Stadt Rees selbst ist gegen eine Unterrichtsverschiebung. Denn die hätte laut Messing erhebliche finanzielle Auswirkungen durch den Schülertransport. „Im Moment fahren die Schulbusse in zwei Umläufen für die weiterführenden und die Grundschulen. Das wäre bei veränderten Unterrichtszeiten nicht mehr möglich“, erklärte Messing, der vorrechnete, dass bei einem späteren Unterrichtsbeginn fünf zusätzliche Busse nötig wären, die Zusatzkosten von 320.000 Euro verursachten. Zusätzliche Probleme würden bei der Linienbusbeförderung von den Ortsteilen zum Schulzentrum entstehen. „Es ist nicht so einfach, die Zeiten dieser Linien zu verändern“, erläuterte Messing. Bürgermeister Christoph Gerweres bezweifelte zudem, ob der Antrag der SPD im Sinne der meisten Schüler sei. Es gebe überall „Lerchen und Eulen“. Nicht alle Schüler seien Langschläfer oder Frühaufsteher.

Die CDU sah im Vorschlag der SPD bereits ein Wahlkampfmanöver und verwies auf die Stellungnahmen der Schulleiter. „Welcher Rattenschwanz Ihr Antrag zur Folge hätte, haben Sie offenbar gar nicht bedacht“, sagte Johannes Erlebach in Richtung von Peter Friedmann und gab zu bedenken, dass bei einer Unterrichtsverschiebung nach hinten weniger Zeit für Aktivitäten in Vereinen bliebe.

Ablehnung gab’s auch von den Grünen. Sie waren dem Anliegen der SPD prinzipiell nicht abgeneigt, hielten den Antrag der Sozialdemokraten jedoch für nicht konsequent genug. „Nur eine halbe Stunde ist eine halbgare Sache“, befand Ulrich Doppstadt.   So sah es auch Fraktionskollege Helmut Wesser: „Der Aufwand, der hierdurch entstünde, steht in keinem Verhältnis zu dem zu erwartenden Ergebnis.“

(Markus Balser)
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