SPD Emmerich will Gesamtschule schützen

Schulpolitik : SPD will Gesamtschule schützen

Wie Bürgermeister Peter Hinze lehnt auch die SPD-Fraktion einen neue Realschule ab. Sie verweist auf einen einstimmigen Ratsbeschluss und wünscht sich Ruhe und Planungssicherheit für die Gesamtschule.

„Endlich Ruhe im Karton“ – das ist es, was sich die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Schaffeld am meisten für die Emmericher Gesamtschule wünscht. Doch gerade diese Ruhe sehen die Sozialdemokraten momentan gefährdet durch die Elterninitiative, die eine neue Realschule ins Leben rufen will.

Wie berichtet, haben sich vor zwei Jahren die „Freunde der Realschule“ gegründet, die ein Verschwinden dieser Form einer weiterführenden Schule in Emmerich verhindern wollen. Gewünscht wird eine erneute Elternbefragung. 800 Unterschriften wurden gesammelt, mit denen die Unterzeichner ihr Interesse an einer Realschule bekundeten. Also ein klares Signal für eine neue Realschule?

Die SPD sieht das anders. Sie verweist unter anderem auf einen fraktionsübergreifenden, einstimmigen Ratsbeschluss für eine Gesamtschule. Zudem sprächen das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie in Sachen „Realschule“ und auch die Stellungnahme der Bezirksregierung eine deutliche Sprache: Daran habe sich seitdem nichts geändert. „Wir brauchen Planungssicherheit für die Gesamtschule. Und die ist nur dann gegeben, wenn es keine Realschule gibt. Wir haben in Emmerich ein ausreichendes schulisches Angebot, in dem alle Schulabschlüsse erworben werden können. Eine weitere Schule der Sekundarstufe 1 bringt unsere Bildungslandschaft aus dem Gleichgewicht und gefährdet den Aufwuchs der Gesamtschule“, zieht Andrea Schaffeld das Fazit.

Verwundert zeigen sich die Sozialdemokraten über Äußerungen von Vertretern der Elterninitiative. „Es sind keine 30 Kinder von der Gesamtschule nach Rees und in umliegende Städte gewechselt. Es sind nur 13 Kinder, dazu 13 weitere aus Emmerich, die auf das Gymnasium Aspel nach Rees gehen“, erklärt SPD-Fraktionsmitglied Lisa Braun. Auch stimme die Behauptung nicht, dass die Gesamtschule jetzt nur noch vierzügig gefahren werde. „Sie ist fünfzügig, die kommenden Jahrgänge sieben und acht sind sogar sechs- beziehungsweise siebenzügig“, so Lisa Braun weiter.

Die SPD bezweifelt, dass sich eine zwei- bis dreizügige Realschule, wie von der Elterninitiative angedacht, überhaupt etablieren ließe. „Wie soll das gehen, was soll man denn da über den Unterricht hinaus anbieten?“, fragt sich Anni Armasow, die sich auch an einer weiteren Aussage der Realschulinitiative stört: „Man kann nicht hingehen und sagen ,wir sind nicht gegen eine Gesamtschule, sondern vehement für eine Realschule’. Das schließt sich doch aus. Für beide Schulformen gibt es in Emmerich nicht genügend Kinder“, bekräftigt sie und beklagt, dass in die Gesamtschule nun „hinein gegrätscht“ werde. Die aufkommende Diskussion halten die Sozialdemokraten für schädlich: „Für die Eltern, die Schüler und die Lehrer“, sagt Lisa Braun. Anni Armasow ist sich sicher: „Es ist jetzt schon ganz allgemein schwer geworden, Lehrer zu finden. Bleibt die Schulsituation in Emmerich unsicher, wird es noch schwerer.“ Sie befürchtet: „Was wir uns vorne aufgebaut haben, machen wir uns jetzt hinten rum wieder kaputt.“

Kritik üben die Sozialdemokraten dabei auch am stellvertretenden Bürgermeister Herbert Ulrich. Der habe zwar mit seiner CDU-Fraktion für die Gesamtschule gestimmt, versuche jetzt aber als „pädagogischer Berater“ der Elterninitiative „das Pferd wieder von hinten aufzuzäumen“. „Das ist unseriös“, sagt Ralf Deller.

Auch wenn es Fehler gegeben habe, die jetzt korrigiert würden, könne man auf die Gesamtschule stolz sein. „Hier sind Millionen investiert worden, die Ausstattung und die Lernbedingungen sind hervorragend. Darum beneiden uns andere Städte“, sagt Andrea Schaffeld. Deshalb will die SPD der Stadtverwaltung auch vorschlagen, noch vor den Sommerferien eine Art Tag der offenen Tür im Gebäude an der Paaltjesstege zu veranstalten. „Damit die Emmericher einmal sehen können, was sich hier entwickelt hat.“

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Schaffeld wünscht sich, dass sich die Gesamtschule frei von Polemik und Ideologien entwickeln kann: „Wir wollen keine Selektionsprozesse, sondern eine Schule, an der alle Kinder lernen können. Punkt.“

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