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Spargelbauer aus Emmerich-Elten kritisiert Landschaftsplan Emmerich-Kleve

Landschaftsplan Emmerich-Kleve : „Das kommt einer Enteignung gleich“

Vom Landschaftsplan Emmerich-Kleve sind Landwirte betroffen, deren Flächen in Naturschutzgebiete umgewandelt werden sollen. Auch Spargelbauer Heiner van Bebber gehört dazu. Eine Kompensation ist bisher nicht vorgesehen. 

Heiner van Bebber ist seit 1998 Landwirt mit Leib und Seele. Seit drei Generationen bewirtschaftet seine Familie den Hof Voorthuysen. „Spargel vom Eltenberg“ ist schon gewissermaßen eine Marke geworden. Wer ihn kauft, weiß, wo er angebaut wird. Der Verkauf erfolgt nicht über Großmärkte oder beim Discounter, sondern ausschließlich über verschiedene Wege der Direktvermarktung, etwa im Hofladen.

Mit Naturschutz ist der 51-jährige Landwirt ständig konfrontiert. Den versucht er auch hochzuhalten. Das Anwesen und die Felder sind naturnah gelegen, auch Flächen, die nicht zum Anbau, sondern als Grünland dienen, gibt es. Doch gerade jene Flächen entlang der Wild bereiten van Bebber nun Sorgen. Denn 10,3 Hektar davon sollen jetzt Naturschutzgebiet werden. So sieht es der Landschaftsplan Emmerich-Kleve vor.

Wie berichtet, ist dabei vorgesehen, die Naturschutzflächen für den Bereich Emmerich-Kleve von 769,1 Hektar auf 1074,6 Hektar zu vergrößern. Die Umwidmung in solche Gebiete ist mit Einschränkungen für die Nutzung verbunden. So wird der Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmittel stark eingeschränkt. Prinzipiell hat Heiner van Bebber damit kein Problem. Im Gegenteil: „Es wird immer so getan, als wenn wir Landwirte gegen den Naturschutz seien. Ich bin sehr dafür, aber es muss auch einen Ausgleich geben.“

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Was den Eltener besonders ärgert: „Das Verfahren zum Landschaftsplan läuft schon seit drei Jahren. Mit den betroffenen Landwirten ist aber nie gesprochen worden. Man tut so, als ob die Flächen frei verfügbar sind. Sie sind aber in Privatbesitz. Das kommt einer Enteignung oder einer Entwertung gleich“, sagt der Landwirt. Er selbst komme noch glimpflich davon, weil von seinen Flächen nur Grünland betroffen ist, das zum Teil an einen Milchviehbetrieb verpachtet wird. „Es gibt aber auch Kollegen, die durch die Umwandlung 20 Hektar Ackerboden verlieren werden“, weiß der Spargelbauer. Für ihn bedeute die Umwidmung einen Wertverlust. Denn auch, wenn er die Parzellen nicht zum Anbau nutzt, Land stellt auch immer eine finanzielle Sicherheit dar. „Wenn ich jetzt zur Bank gehen würde, um einen Kredit aufzunehmen, wäre das Land, das unter Naturschutz steht, nur noch die Hälfte wert“, ist er sich sicher. Gerne wäre er bereit zu kooperieren: „Dann aber bitte auch mit einem Ausgleich der Wertminderung.“

Die Kreispolitik hat unterdessen die Offenlage des Verfahrens am Mittwoch auf den Weg gebracht. Der Ausschuss für Klima, Landwirtschaft, Umwelt und Naturschutz sprach sich einstimmig dafür aus, die Verwaltung zu beauftragen, auf der Grundlage des erarbeiteten Vorentwurfs des Landschaftsplans die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und eine frühzeitige Bürgerbeteiligung durchzuführen. „Stand heute besteht Einvernehmen darüber, dass das Verfahren eröffnet werden soll“, sagte Paul Düllings von der CDU. „Ob das Einvernehmen bestehen bleibt in den weiteren Verfahrensschritten, wird sich herausstellen.“ Neben der CDU machte auch der Reeser Jan-Wellem Neuhaus von der FDP deutlich, dass man „an der Seite der produzierenden Landwirtschaft“ stehe.

Stefan Welberts (SPD) betonte, dass man das bereits Vorgebrachte „sehr ernst“ nehme. Volkhard Wille, für die Grünen im Ausschuss und auch deren Kandidat bei der Landtagswahl im Mai, legte Wert darauf, dass „verschiedene Belange gegeneinander abzuwägen“ seien. „Landwirtschaft spielt eine besondere Rolle. Es darf aber nicht der Eindruck entstehen, dass es nur noch darum geht.“ Naturschutzverbände und andere Interessengruppen seien ebenfalls wichtig. „Darum begrüßen wir ein formelles Verfahren, in dem alle die Möglichkeit haben, sich einzubringen.“