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Sorgen um den Bürgerbus in Emmerich - Fahrer gesucht

Ehrenamt : Sorgen um den Bürgerbus in Emmerich

Der Bürgerbusverein sucht dringend freiwillige Helfer, sonst ist der Betrieb gefährdet. Derzeit gibt es zwar 16 aktive Fahrerinnen und Fahrer, doch gerade in Urlaubs- und Krankheitsfällen wird es schnell eng bei der Bestzung.

Wer eine sinnvolle Aufgabe für die Rentenzeit sucht und gerne Auto fährt, der sollte mal beim Bürgerbus-Verein nachfragen. „Wir suchen dringend weitere Fahrer, um vor allem ältere Bürger, die fernab vom Personennahverkehr wohnen, zu transportieren“, sagt Karla Imig, die selber den Bürgerbus chauffiert und als Beisitzerin im Vorstand des Vereins mitarbeitet.

Der Bürgerbusverein Emmerich wurde als dritter Bürgerbus-Verein in Deutschland gegründet. Der Betriebsstart war am 11. November 1986. Weit über 10.000 Fahrgäste wurden seitdem jährlich befördert. „Im Jahr 2019 waren es sogar 15.820 Fahrgäste. Man sieht also, unsere Arbeit ist für Emmerich sehr wichtig“, so Karla Imig. Der Bus verkehrt von Montag bis Freitag, jeweils am Vor- und Nachmittag und samstags nur am Vormittag – außer an den Feiertagen.

Zurzeit übernehmen 16 Männer und Frauen die täglichen Fahrten, elf von ihnen kommen jede Woche zum Einsatz. Das ist knapp an Personal – gerade auch in Krankheits- und Urlaubszeiten. Deshalb hoffen die Mitglieder des Bürgervereins auf neue Fahrer.

Fallen nämlich aus Alters- oder Gesundheitsgründen weitere Fahrer aus, dann müsste der Betrieb des Busses eingestellt werden. „Ob ein Fahrer jede Woche eine Fahrt übernimmt oder nur zwei Mal im Monat – das bestimmt jeder für sich.“

Der eine übernimmt lieber einen Dienst am Vormittag, wenn auch Schulkinder zur Gesamtschule, zur Leegmeer- Grundschule, zum Gymnasium und zum Förderzentrum gebracht werden, der andere fährt lieber am Nachmittag. Das kann sich jeder Fahrer selbst aussuchen.

Das Alter ist nicht ausschlaggebend. Wer sich als Fahrer meldet, muss natürlich einen gültigen Führerschein vorlegen, macht einen Gesundheitscheck, der übrigens einmal im Jahr stattfindet, und braucht ein polizeiliches Führungszeugnis.

Zunächst fährt er im Bürgerbus mit, um alles kennen zu lernen. Er bekommt dann eine Schulung, die in einer kleinen Prüfung mit einem Fahrlehrer der NIAG endet. Der Fahrer erhält dann den Fahrgastbeförderungsschein. Die Kosten für die Gesundheitsuntersuchung und die Fortbildung werden von der Stadt übernommen.

Der Bürgerbus ist ein allgemein zugänglicher und nach festen Fahrplänen betriebener Linienverkehr. Demzufolge treten die örtlich zuständigen Verkehrsbetriebe, aber auch die Kommunen, als Betreiber auf. Sie sind verantwortlich für den Betrieb, die Busse und die Fahrer. Ein Kleinbus mit maximal acht Fahrgästen, der mit der alten Führerscheinklasse 3 und dem Fahrgastbeförderungsschein gefahren werden kann, dient als Bürgerbus.

1983 rief der Minister für Stadtentwicklung und Verkehr in Nordrhein-Westfalen das Pilotprojekt „Bürgerbus“ ins Leben. Der Bürgerbus stellt eine Ergänzung zum regulären ÖPNV-Verkehr dar. Durch den Einsatz von ehrenamtlichen Fahrern entstehen keine Personalkosten. So können günstige Preise angeboten werden. Erwachsene zahlen für eine Fahrt in Emmerich, beispielsweise vom Einsatzort im Industriegebiet bis zum Bahnhof, 80 Cent, Kinder von sechs bis 14 Jahren 50 Cent. Neben dem Fahren des Bürgerbusses wird auch die Geselligkeit gepflegt. So stehen verschiedene Aktivitäten wie Ausflüge, Stadtführungen oder gemeinsame Essen auf dem Jahres-Programm für die Fahrer.

Zurzeit verkehrt der Bürgerbus nicht wegen der Corona-Krise. „Alle Fahrer sind 60plus und gehören somit der Risikogruppe an. Aber nach den Sommerferien geht es wieder los“, sagt Karla Imig. Sie erzählt, dass gerade ältere Leute dringend auf die Wiederaufnahme der Bürgerbusfahrten warten. „Eine ältere Dame besucht regelmäßig ihre Schwester im St. Augustinus-Seniorenheim. Mit dem Taxi kostet die Fahrt 7,50 Euro.“

Die Busse wurden mit einer Plexiglasabtrennung ausgestattet. Desinfektionsmittel und Mund-Nase-Masken wurden für die Fahrer von der Firma „Fly-Service-Product Emmerich“ gespendet. Die Fahrgäste müssen ihre Maske selber mitbringen und natürlich auch während der Fahrt tragen.

Karla Imig, die selber seit August 2016 den Bürgerbus lenkt, hofft, dass sich einige Bürger melden, um als Fahrer aktiv zu werden. „Wer sich angesprochen fühlt, kann gerne Kontakt zu uns aufnehmen und mal mitfahren“, lädt sie ein.