Selig feierte in Haldern Jubiläum ihres Debüt-Albums

Live-Konzert : Selig feierte in Haldern Jubiläum

25 Jahre nachdem ihr Debüt-Album erschien, trat die Gruppe um Jan Plewka in der Pop Bar auf.

(mavi) „Selig spielt Selig“ lautet das Motto dieser Tour. Denn die Rockband, die sich 1999 offiziell trennte und 2008 die Wiedervereinigung ankündigte, feierte ihr Debütalbum 25 Jahre danach ab. Tatsächlich gleicht die Setlist der Reihenfolge der Lieder auf dem Tonträger. So ging es gleich mit einem Hit los: „Sie hat geschrien“. Und Haldern schrie mit.

Das Quintett zeigte mit dem ersten Ton, dass es richtig Bock auf Haldern hatte. Besonders Sänger Jan Plewka schien sich wie ein Kind zu freuen: „Wir möchten feiern, als wäre es 1994!“

Das „Haldern Pop“-Publikum ist es ja gewöhnt, oft neue Bands zu entdecken. Da gibt es meist keine Gelegenheit mitzusingen. Jetzt konnten mal 120 Gäste in ihrer Erinnerung graben und intuitiv mitgröhlen. Die Pop Bar brodelte. Textsicher wurden auch Lieder mitgesungen, die nicht als Single ausgekoppelt wurden, wie „Mädchen auf dem Dach“. Plewkas Stimme hat in ihrer Einzigartigkeit nichts eingebüßt. Manche Stücke wie „Wenn ich wollte“ sind im Geiste des Grunge-Rocks der 90er mit ihren Gitarren-Riffs richtig laut und hart. Andere wie „Glaub mir“ kommen funky daher und laden zum Tanz ein. Gitarrist Christian Neander zelebriert seine Soli, ob knallhart oder leidend wie ein Klagelied.

Jan Plewka erinnerte sich noch an einen Auftritt in Haldern damals im Sägewerk: „Ihr habt uns Joints auf die Bühne geworfen.“ Ups. Zur Geschichte des Kult-Albums gehört auch, dass die Band allein an der Reihenfolge der Lieder schon fast zerbrochen wäre, wie Plewka verriet: „Es war eine schwierige Geburt.“ Auf Vinyl gepresst musste man die Schallplatte noch umdrehen, um die zweite Hälfte zu hören. Nach dem vielen Elan auf der ersten Hälfte, beginnt die B-Seite mit dem einen Lied, das Selig mehr definiert als jedes andere: „Ohne dich“. Diese Herz-Schmerz-Ballade kann wirklich jeder mitsingen, mitfühlen. Auch in der Pop Bar kommen hier nochmal alle Gefühle von 1994 hoch. So schön kann das Leiden sein.

Nachteil an der Chronologie eines Tonträgers, wenn man die Lieder live in der Reihenfolge spielt: Die Hits liegen selten am Ende. Entsprechend machte es Sinn, in den zwei Zugaben spätere Selig-Hits wie „Ist es wichtig?“ oder „Schau schau“. „Wir spielen das jetzt seit geraume Zeit so“, sagte Jan Plewka in Bezug auf die Tour, „und wir fühlen uns jeden Abend jünger.“ Ja, die Band und das Publikum sind zusammen gealtert.

An diesem Abend fühlten sich alle nochmal jung. Plewka brachte es abschließend auf den Punkt: „Wir sind Selig. Ihr auch!“