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Rees: Seit 50 Jahren mittendrin statt nur dabei

Rees : Seit 50 Jahren mittendrin statt nur dabei

Bewegend und sehr persönlich geriet der Auftakt in das Jubiläumsjahr der Lebenshilfe Unterer Niederrhein. Mit einem Frühlingsempfang feierte die Einrichtung mit vielen Gästen ihr 50-jähriges Bestehen im Stammsitz in Rees-Groin.

Offenheit, Herzlichkeit, Entgegenkommen, immer wieder fielen diese Begriffe beim Frühjahrsempfang der Lebenshilfe. Was diese Worte tatsächlich bedeuten, merkten die zahlreichen Gäste eindrucksvoll bei der Ansprache von Michael Slabosz und Silke Pollmann, die im Lebenshilfe-Rat arbeiten. Der Reeser Verwaltungschef Christoph Gerwers war sichtlich gerührt, als ihn Slabosz ganz direkt ansprach und meinte, es freue ihn, dass der "liebe Bürgermeister" gekommen sei. Und als der Vorsitzende des Lebenshilfe-Rates auch noch Armin Lammer im Publikum entdeckte, strahlte er übers ganze Gesicht. "Es ist schön, dass der liebe Herr Lammer gekommen ist. Ich freue mich immer, wenn ich ihn sehe. Der ist seit dem Anfang an dabei", begrüßte er den früheren Vorsitzenden der Lebenshilfe.

Bewegend war aber auch, als Miachel Slabosz dann ganz offen darüber sprach, wie weh es ihm tut, wenn er bei anderen Menschen immer noch Vorbehalte spürt. "Es ist traurig, wenn andere Menschen weggucken, wenn sie mich sehen. Das ist nicht richtig", sagte er und erzählte, dass es öfter vorkomme, dass Nachbarn sich beschwerten, er sei zu laut.

Deutliche Beispiele dafür, dass sich in 50 Jahren Lebenshilfe eine Menge getan hat. Dass es aber noch ein weiter Weg bis zur tatsächlichen Gemeinsamkeit von behinderten und nicht behinderten Menschen ist. Das verdeutlichte der Lebenshilfe-Vorsitzende Werner Esser an einfachen Zahlen. Zehn Prozent der deutschen Bevölkerung gehörten zu den behinderten Menschen. Diese große Gruppe finde aber bei weitem nicht so viel Gehör in der Gesellschaft wie andere, viel kleinere Gruppen.

Natürlich war an dem Abend auch immer wieder vom aktuellen Stichwort Inklusion die Rede. "Wir haben versucht, das hier von Anfang an zu leben", meinte Lebenshilfe-Geschäftsführerin Verena Birnbacher, die mit Fotos die Geschichte der Einrichtung in Rees skizzierte. Immer wieder fiel dabei der Name Dr. Leo Pünnel. Der Weseler hatte aus persönlicher Betroffenheit heraus seinerzeit die Initiative zur Gründung der Lebenshilfe in die Hand genommen. Aus einem kleinen, von Eltern getragenen Verein ist inzwischen ein großes Unternehmen geworden, das jetzt zu den größten Arbeitgebern in Rees gehört.

Der Bürgermeister ist sicher, dass der Erfolg der Lebenshilfe auch mit der Bevölkerung in der Stadt zu tun habe. "Sie tragen zum Miteinander bei", so Christoph Gerwers. "Mittendrin statt nur dabei" sei der passende Slogan dafür.

Deutlich formuliert wurde an dem Abend aber auch immer wieder, was bei der ganzen Arbeit das Entscheidende sei. "Menschen mit Behinderung müssen selbst über ihre Rechte entscheiden können."

(RP)