1. NRW
  2. Städte
  3. Emmerich

Rees: Schwierige Zeiten für Kindergärten

Rees : Schwierige Zeiten für Kindergärten

Weil die Zahl der Kinder stark gesunken ist, besteht langfristig die Gefahr, dass Einrichtungen geschlossen werden.

Die Kindergartensituation in Rees ist gut. Vielleicht sogar zu gut. Denn angesichts sinkender Geburtenzahlen ist die Schließung einzelner Gruppen oder ganzer Kindergärten auf lange Sicht nicht mehr auszuschließen. Michael Becker, Leiter des Fachbereichs Arbeit und Soziales, sprach in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Jugend, Sport und Soziales von einer "markant negativen Entwicklung".

Zum Hintergrund: 2002 gab es in Rees noch 804 Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren. Derzeit sind es nur noch 463. Für diese Altersgruppe stehen aktuell 525 Kindergartenplätze bereit, hinzu kommen 136 Plätze für Kinder unter drei Jahren.

Seit August 2013 haben Kinder, die jünger als drei Jahre, aber mindestens ein Jahr alt sind, einen gesetzlichen Anspruch auf frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung oder bei einer Kindertagespflege. Wie viele Plätze aktuell von Reeser Tagesmüttern angeboten werden, ist weder von der Stadt noch vom Kreisjugendamt erfasst. Ebenso fehlen zuverlässige Zahlen, wie viele Reeser Eltern ihre U-3-Kinder zu Hause lassen und dafür Betreuungsgeld in Anspruch nehmen.

  • Ausstand : Gabriel schlägt Lösung für Tarifkonflikt in Kitas vor
  • Fotos : Kita-Streiks in NRW: Verdi-Kundgebung in Dortmund
  • Bilder : 3000 Teilnehmer bei Demo zum Kita-Streik in Köln

Aktuell gibt es zwölf Kindergärten im Reeser Stadtgebiet. Diese hatten vor acht Jahren 778 Plätze, aktuell sind es nur noch 661, inklusive der 136 U-3-Plätze. Anders als in vielen Großstädten haben Reeser Eltern kein Problem, einen Kindergartenplatz für ihren Nachwuchs zu finden. Vielmehr sehen die Grünen ein Problem darin, dass es in kinderarmen Ortsteilen zu Schließungen von Gruppen kommen könnte.

Die SPD regte an, Eltern und Kindern in Ausnahmefällen Anfahrtswege von wenigen Kilometern zuzumuten, um auf diese Weise erforderliche Mindestgrößen von Kindergartengruppen zu erreichen. Aktuell müssen sechs Kinder auf eine Erzieherin kommen, um deren Stelle zu sichern. Bürgermeister Christoph Gerwers hielt dagegen, dass Eltern sich oft bewusst für einen kirchlichen Träger oder eine Elterninitiative entscheiden. Kindergärten seien deshalb nicht einfach austauschbar: "Alle agieren selbstständig und eigenverantwortlich, selbst zwischen Haffen und Mehr bestehen große Unterschiede." Zudem könne ein Austausch der Kinder zwischen den Ortsteilen nicht auf kommunaler Ebene entschieden werden, sondern allein vom zuständigen Kreisjugendamt Kleve.

Hinsichtlich der bevorstehenden Sommerferien, in denen die meisten Kindergärten drei Wochen schließen, erinnerte Kämmerer Andreas Mai Eltern an die Möglichkeit, ihre Kinder in Ausnahmefällen in anderen Gruppen unterzubringen: "Die einen Kindergärten schließen in der ersten Hälfte der Ferien, die anderen in der zweiten. Es gibt tolle Partnerschaften zwischen den zwölf Kindergärten, und bislang konnte Eltern, die mit der Leitung ihres Kindergartens gesprochen haben, immer geholfen werden."

(RP)