Rees: Schwester holt den Bruder ein

Rees: Schwester holt den Bruder ein

Dennis Breuer ist 16 Jahre und macht 2013 Abitur. Seine Schwester Maren ist 14 und schreibt ebenfalls 2013 ihre Abiturklausuren. Das Turbo-Abitur macht es möglich, dass zwei Jahrgänge gleichzeitig die Schule verlassen. Wo liegen die Unterschiede?

Kurios: Der 16-jährige Dennis Breuer besucht die Klasse 10a des Gymnasiums Aspel, seine 14-jährige Schwester Maren ist in der 9b. Bald werden beide teilweise gemeinsam unterrichtet und werden im selben Jahr Abitur machen. Dass beide gemeinsam in drei Jahren ihre "Reifeprüfung" ablegen, liegt an dem neu eingeführten "Turbo-Abi" nach zwölf Jahren.

DER SCHULSTART

Dennis, geboren im September 1993, wurde mit sechsdreiviertel Jahren eingeschult, Maren, genau zwei Jahre später geboren, ging bereits mit fünfeinhalb Jahren zur Schule, deshalb war sie nur eine Klasse hinter ihrem Bruder. Sie wechselte nach der Grundschulzeit ebenfalls aufs Gymnasium.

Zurzeit bereiten sich beide auf die Oberstufe vor. "Ist schon irgendwie merkwürdig, dass wir die gemeinsam besuchen", meinte Dennis. Seine Schwester findet es schon sehr lustig, dass sie ihren Bruder bald eingeholt hat.

DER STUNDENPLAN

Doch etwas Mehrarbeit musste die junge Dame schon dafür leisten. Auf Dennis Stundenplan stehen 29 Stunden, Maren muss 32 Stunden zur Schule. Während der Junge rund eine halbe bis eine dreiviertel Stunde für die Hausaufgaben benötigt, sitzt Maren eine Viertelstunde am Tag länger an ihrem Schreibtisch. Im 7. und 8. Schuljahr hatte sie Nachmittagsunterricht. Jetzt, in der neunten Klasse, nicht mehr.

DER LERNSTOFF

Beide kommen in der Schule gut mit, aber das gilt nicht für alle Klassenkameraden. Sieben Schüler aus Marens Klasse sind seit Beginn der Gymnasialzeit sitzen geblieben oder haben die Schule gewechselt. Ihren Lernstoff vergleicht sie oft mit dem ihres älteren Bruders. "Manche Themen überspringen wir und viele Themen beispielsweise in Mathe, bearbeiten wir zur gleichen Zeit", hat die 14-Jährige festgestellt.

DIE FREIZEIT

Trotz des Mehraufwandes hat Maren Zeit für ihre Hobbys Tennis- und Klavierspielen und das Singen im "Jungen Chor". "Die Übungsstunden liegen am Abend, aber einige Freundinnen mussten Hobbys verlegen oder aufgeben." Dennis, der Tischtennis und Gitarre spielt, hat auch am Nachmittag Zeit.

In den letzten Tagen haben sich beide per Computer mit ihrer Kurswahl für die Oberstufe beschäftigt und festgestellt, dass sie Niederländisch, Mathe, Geschichte und Erdkunde gemeinsam belegen werden. "Das hat auch Vorteile, wenn wir Klausuren vorbereiten", meint Dennis. Doch die ganze "Hau-Ruck-Aktion" ums 12er-Abi findet er nicht gut. Seine Mutter Claudia hat Bedenken, wenn in drei Jahren so viele Abiturienten auf den Markt kommen. "Ob wirklich der ganze Lernstoff aufgeholt wurde und für jeden Abgänger ein Studien- oder Lehrplatz zur Verfügung steht, wie es das Ministerium versprochen hat, das kann ich kaum glauben."

(RP)