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Schützen in Emmerich hoffen auf den Herbst

EMMERICH : Die Schützen hoffen auf den Herbst

Wegen der Corona-Krise können in Emmerich die Schützen ihre Feste nicht feiern. Das Stadtschützenfest ist auf den Oktober verlegt worden. Den Schützenhäusern fehlen zudem die Einnahmen.

Corona und die Schützen: Abstand statt Feiern.

Eigentlich wollte die Schützengemeinschaft ihr Fest zum 50-jährigen Bestehen ja am 25. April feiern. Doch dann kam die Pandemie. Die Grünrücke sagten das Fest ab. Und hoffen nun auf den Herbst. Das große Stadtschützenfest ist auf den am Samstag, 3. Oktober, dem „Tag der Deutschen Einheit“, verschoben worden.

„Falls es bis dahin keine weiteren Beschränkungen durch die Regierung gibt“, sagt Hans-Jürgen Gorgs, der Vorsitzende der Emmericher Schützengemeinschaft.

 Hans-Jürgen Gorgs.
Hans-Jürgen Gorgs. Foto: van Offern, Markus (mvo)

Es sollte ein großes Fest werden, das „goldene Jubiläum“ der Schützengemeinschaft. Auch niederländische Schützenvereine hatten sich angemeldet. „Die Vorbereitungen waren im Grunde fertig, die Fahnenschwenker und die Musikgruppen hatten geübt, die Reiter wussten Bescheid – aber Corona kam uns dazwischen“, so Gorgs. Man wolle auf jeden Fall versuchen, das besondere Jubiläumsfest in diesem Jahr nachzuholen. Ohne neue Könige gäbe es im nächsten Jahr wohl kein Stadtschützenfest.

Die Maifeiern und auch Schützenfeste der Schützenvereine und -gesellschaften mussten bisher abgesagt werden. Denn laut Beschluss unserer Regierung dürfen bis einschließlich August wegen der Corona-Pandemie keine größeren Veranstaltungen stattfinden. Neben dem Wegfall der Feier mit Vogelschießen und geselligem Zusammensein haben die Schützenvereine zusätzlich mit fehlenden Einnahmen durch Getränkeverkauf und Catering zu kämpfen.

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Die Kosten für die Schützenhäuser – wie beispielsweise der Kapaunenberg der St. Sebastian-Schützen oder Haus Slütter der St. Antoniusschützen Vrasselt – gehen weiter, doch die Einnahmen sind gleich Null. Nur die St. Antonius-Schützenbruderschaft in Vrasselt könnte – wenn dann keine neuen Bestimmungen kommen – an ihren Termin im September festhalten.

Ob Schützenfeste in diesem Jahr noch nachgeholt werden oder vielleicht doch erst im nächsten Jahr wieder stattfinden, das entscheidet jeder der acht Schützengemeinschaften eigenverantwortlich. „Das sind eigenständige Vereine, jeder plant für sich“, sagt Hans-Jürgen Gorgs.

„Nach und nach trudeln Absagen von Festen ein, die wir gerne besucht hätten. Es ist unglaublich schwer für uns alle, kaum jemand hätte sich die Ausmaße noch vor gut zwei Monaten vorstellen können. Aber nur gemeinsam können wir das schaffen“, heißt es in einer Facebook-Meldung der St. Martinus Schützen Elten.

Bereits zwei Mal haben die St. Sebastian-Schützen gemeinsam mit den St. Michael-Schützen am Kapaunenberg gefeiert, das sollte auch in diesem Jahr so sein. „Wir sind zu einer großen Schützenfamilie zusammengewachsen“, sagt Rainer Otten. Endgültig abgesagt habe man das Fest noch nicht, zumal sich die Corona-Informationen fast täglich ändern, so der Direktor der Sebastianer. „Wir schauen mal geduldig, wie sich das entwickelt und werden dann ruhig und sachlich damit umgehen.“

Zeitnah werde noch ein Gespräch mit dem Vorstand der Michaelschützen stattfinden. Es gebe einige Gründe, die gegen ein großes Schützenfest sprechen. Unter den Schützen seien viele ältere Leute und somit sogenannte Risikopatienten, deshalb tendiere der Vorstand dazu, eher nicht zu feiern, selbst wenn es möglich sein sollte. Außerdem wolle man sich solidarisch zeigen mit den anderen, die nicht feiern können. „Wenn wir am 3. Oktober gemeinsam das Jubiläums-Stadtschützenfest feiern könnten, das wäre schon eine tolle Sache“, sagt Rainer Otten.

Für die St. Antoniusschützen Vrasselt ist das Schützenfest am dritten Septemberwochenende geplant, also haben sie Chancen, dass es durchgeht. „Ich gehe aber davon aus, dass das Kontaktverbot verlängert wird“, sagt Brudermeister Jürgen Arts. „Zurzeit gibt es einige Lockerungen, aber man muss erst mal abwarten, wie die sich auswirken.“

Da zurzeit auch keine Schützenversammlungen abgehalten werden können, gibt es keine endgültige Entscheidung. Klar fehlen den Schützen die Einnahmen, die unter anderem zum Erhalt von Haus Slütter gebraucht werden. „Meiner Meinung nach ist es aber noch zu früh, eine Entscheidung zu treffen.“ Er fände es auch gut, wenn alle Könige ein Jahr länger im Amt blieben und man dann gemeinsam im nächsten Jahr das große Jubiläumsfest feiere.

Offiziell abgesagt hat Wolfgang Schmitz, Brudermeister der St. Johannes-Schützenbruderschaft Praest, das Schützenfest, das vom 27. bis zum 29. Juni stattfinden soll, noch nicht. „Wenn wir von uns aus absagen, müssen wir Zelt und Musik bezahlen. Wir warten auf eine offizielle Erklärung der Stadt“, so Schmitz.

Natürlich habe sich der Vorstand online über die Situation ausgetauscht. Es gab Überlegungen für einen Ersatztermin. Am 10. Oktober stünden Zelt und Musik zur Verfügung. „Aber das ist der Beginn der Herbstferien. Wir haben von vielen gehört, dass sie dann gerne den Sommerurlaub nachholen möchten, wenn es dann wieder erlaubt ist.“ Dann bliebe das Zelt leer und man würde ebenfalls auf den Kosten sitzen bleiben.

„Außerdem reden wir von 1600 bis 2000 Menschen, die sich auf der Zeltdisco, dem Schützenfest, dem Königsschießen und den Paraden, auch als Zuschauer, begegnen. Das birgt eine hohe Ansteckungsgefahr, wir möchten nicht ein neuer Coronaherd werden“, so der Praester Brudermeister. „Deshalb tendieren wir eher zu einem Nein und wollen auch aus Solidarität zu den anderen Vereinen lieber kein Fest zu einem Ersatztermin.“

Aber Ideen sammeln und an die Zeit nach Corona denken, das tun die einzelnen Schützen schon. „Falls zulässig, können wir vielleicht in unserem Ort mit allen Dorfvereinen eine große ‚Nach-Corona-Party‘ feiern“, schlägt Wolfgang Schmitz vor. „Oder mit den drei Südstaaten-Schützenvereinen Vrasselt, Dornick und Praest gemeinsam im Saal Slütter feiern. Denn nur gemeinsam übersteht man die ganze Situation.“ Und schon mal ein bisschen davon zu träumen, das ist auf jeden Fall erlaubt!