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Rees: Schluss mit „Hotel Mama“

Rees : Schluss mit „Hotel Mama“

Wenn das Studium beginnt, ist die Zeit zumeist vorbei, wo man zuhause die Füße unter den Tisch stellen konnte. Dann heißt es: Umziehen in die erste eigene Wohnung.

Wochenlang nur Ablehnungsbescheide. Ingo Schröder hatte die Hoffnung auf einen Studienplatz zum Wintersemester schon aufgegeben. Unerklärlicherweise war in diesem Jahr der Numerus Clausus (NC) in Betriebswirtschaftslehre enorm gestiegen. Doch am 19. September dann die Erlösung. Und manchmal kommt die eben per SMS: „Du wurdest in Köln angenommen.“ Im Nachrückverfahren hat der Reeser es dann doch noch an seine Wunschuniversität geschafft. „Für mich kam von vornherein nur eine große Stadt in Frage. Als Student muss man ja auch noch was erleben können. Und Köln hat bei BWL einfach die besten Kursangebote. Umso mehr hat es mich gefreut, da studieren zu können.“

Genug Zeit, um sich erst mal ausgiebig zu freuen, blieb aber nicht mehr. Nach dem Einschreiben musste alles ganz schnell gehen. Angefangen bei der Wohnungssuche. „Wenn die Nachrückkandidaten angeschrieben werden, sind die besten Wohnungen natürlich schon weg.“ Zumal Köln eh schon überlaufen ist. Wer da noch was ergattern will, muss schon mal tief ins Portemonnaie greifen. Für Studenten nun mal nicht machbar ohne Mama und Papa zu belasten. Ein Blick in die örtlichen Zeitungen und an das schwarze Brett der Uni brachte nichts als Ernüchterung. Die besichtigten Wohnungen eine Katastrophe. Bloß gut, dass man sich dann auf seine Freunde, die schon in Köln leben, verlassen kann. Als eine Nachbarin auszieht, schlagen die prompt Ingo als Nachmieter vor. Ein wenig Vitamin B hilft eben immer. Der 20-Jährige setzt sich gegen die unzähligen Mitbewerber durch. Der Traum von der ersten eigenen Wohnung wird wahr. Wie seine 30 Quadratmeter große Dachgeschossbehausung in Zukunft aussehen soll, weiß der Hobby-DJ natürlich schon zu genau. Einrichtung im Retro-Stil und bloß nicht zu voll. Bett, Tisch, Schrank, Fernseher, Computer. Mehr braucht der Student von heute nicht. „Den Rest wie Küchenutensilien bekomm ich momentan von allen Verwandten zugesteckt. Irgendwas hat scheinbar jeder übrig oder doppelt.“ Praktisch. Die Vorlesungen beginnen zwar schon am 15. Oktober und die Orientierungstage für die „Erstis“ schon fünf Tage früher, doch die Wohnung wird erst am 25. frei. Die erste Zeit wird also noch gependelt. Aber dann heißt es Ärmel hochkrempeln und ran an den Ikea-Bausatz und den Eimer Farbe. „Ich freu mich schon, endlich alleine zu wohnen. Da lernt man Eigenständigkeit.“

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Schluss mit „Hotel Mama“. Mal abgesehen von den Wochenenden zu Hause und den Semesterferien muss Ingo jetzt selbst für sich sorgen. „Dazu muss ich erst mal kochen und waschen lernen.“ Lange Zeit hat er dafür nicht mehr. Denn schon bald heißt es: Adè Rees. Und ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

(RP)