Rund 50 Schwäne wurden auf dem Altrhein am Deich zwischen Haffen und Rees gezählt

Naturschauspiel : Schwanensee in Rees

Gut 50 Tiere haben sich auf dem Altrhein am Deich zwischen Haffen und Rees niedergelassen. So viele wie selten. Die Vögel sind ein beliebtes Fotomotiv und werden hier wohl noch eine ganze Zeit bleiben bis sie weiterziehen.

Die junge Frau, die mit ihren beiden Hunden über die kleine Brücke am Verladehafen geht, zückt das Handy. Nein, gezählt habe sie die Schwäne nicht, sagt sie, aber sie ist sicher: „So viele auf einen Haufen habe ich noch nie im Leben gesehen.“ So wie ihr geht es vielen, die derzeit am Altrhein beim Reeser Eyland vorbeikommen. Spaziergänger zücken die Kamera, Autofahrer fahren auf dem Deich langsamer, um einen Blick auf den großen Trupp werfen zu können, der sich auf dem Gewässer treiben lässt.

Auch den Biologen vom Naturschutzzentrum Bienen sind die Tiere natürlich nicht entgangen. Rund 50 Schwäne haben sie gezählt, eine Zahl, die die Experten allerdings nicht überrascht. „Dass sich Schwäne in so großen Gruppen zusammen finden, ist auch hier am Niederrhein nichts Ungewöhnliches“, sagt Mareike Büdding vom Naturschutzzentrum. Auch in den vergangenen Jahren seien große Trupps rund um Rees unterwegs gewesen. „Die hatten sich damals allerdings auf dem Reeser Meer niedergelassen, daher sind sie vielen in dieser Masse nicht aufgefallen.“

Warum die Schwäne diesmal den Altrhein bevorzugen, kann die Biologin auch nicht genau sagen. Auf jeden Fall wären dort die Bedingungen momentan ideal, dort würden sie auch ausreichend Futter finden.

Das Team des Naturschutzzentrums ist öfter in dem Bereich, weil sie dokumentieren, welche Tiere dort brüten. Die Schwäne tun das momentan nicht, denn bei den Tieren, die sich am Altrhein tummeln, handelt es sich solche, die unter drei Jahre alt sind. Für die Jungschwäne ist es auch normal, dass sie sich in Trupps zusammenfinden. Wer genau hinsieht, kann erkennen, dass die Tiere noch etwas grauer sind und nicht das leuchtend weiße Federkleid ihrer älteren Artgenossen haben, auch der Schnabel ist noch nicht so ganz leuchtend orange. Und wer sich noch etwas mehr Zeit nimmt, der kann am Ufer ganz viele Federn entdecken, die sich fast wie ein Streifen entlang ziehen. Ein deutliches Zeichen dafür, dass die Schwäne in der Mauser sind.

Die Schwäne am Altrhein kommen vermutlich aus der Region, denn sie sind sehr standorttreu. Einige werden sogar am Eyland geschlüpft sein. Nach drei Jahren wird sich die Gruppe aufteilen, weil die Tiere dann selbst brüten. Und dann beanspruchen sie ein Revier für sich und ihre Partnerin und dulden keine Konkurrenz in der Nähe.

Am Altrhein hat in diesem Jahr ein Schwan auch bereits gebrütet. Er hat die anderen Tiere auch vertrieben. Wegen des niedrigen Wasserstandes habe er das Nest aber aufgeben und den Standort gewechselt.

Die Biologen bitten eindringlich darum, die Tiere möglichst nicht aufzuscheuchen. Der Altrhein sei sowieso Schutzgebiet, beobachten könne man die Schwäne gut von der kleinen Brücke aus. Die Biologin geht davon aus, dass die Schwäne dort noch einige Zeit zu sehen sein werden. Danach werden sie in die Region ausschwärmen. Auf gar keinen Fall sollte man sich brütenden Tieren nähern. Schwäne sind dann äußerst aggressiv, und die Tiere können einem Mann mit einem Flügelschlag den Arm brechen.

(Sebastian Latzel)
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