Rees: Rhein füllt erstmals Reeser Flutmulde

Rees: Rhein füllt erstmals Reeser Flutmulde

Das gigantische Bauprojekt auf der Reeserschanz ist zwar eigentlich erst im August fertig, doch bei dem aktuell hohen Pegelstand können die Experten derzeit erstmals sehen, dass das Prinzip offenbar funktioniert.

Gerade ist noch ein Schiff in die Flutmulden-Baustelle eingefahren, um ein paar schwere Steine abzuladen, mit denen der Bereich befestigt werden soll. Jetzt ist allerdings erst einmal Pause auf der Riesen-Baustelle am Rhein. Wegen des Hochwassers kann auf Reeserschanz erst einmal nicht mehr gearbeitet werden.

"Das ist das übliche Frühjahrshochwasser, das überrascht uns nicht", sagt Bauleiter Peter Kleine. Durch das Hochwasser werde sich das Projekt um rund eineinhalb Wochen verzögern. "Das ist alles noch im Rahmen", sagt Kleine, er geht weiterhin davon aus, dass es beim Fertigstellungstermin im August bleibt.

Interessant ist es für die Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtamtes, zu sehen, dass sich der Bau der Flutmulde bereits ganz konkret auswirkt. "Die Flutmulde ist angesprungen", heißt das bei den Fachleuten.

Wie berichtet, wird direkt gegenüber der Reeser Promenade ein riesiger Bypass für den Rhein angelegt. Dieser kilometerlange Kanal hat allerdings im oberen Teil nur bei einem gewissen Wasserstand eine direkte Verbindung zum Rhein. Ziel ist nämlich, dass bei Hochwasser die Schwelle zur Flutmulde überspült wird, so dass es einen Parallel-Kanal zum Strom gibt.

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Dadurch wird der Druck auf den Rheinboden und die Stadtmauer Rees gemindert. Aktuell ist die Schwelle um 2,50 Meter überflutet: Die Flutmulde ist also "angesprungen". Der Bypass ist etwa drei Kilometer lang und 130 bis 180 Meter breit. Aktuell ist der Bereich wegen des Hochwassers noch breiter.

"Wir können jetzt schon richtig den Effekt spüren und sehen, dass die starke Strömung durch die Flutmulde Richtung Rheinbrücke führt", erläutert Kleine. Aktuell erleben die Experten das Millionenprojekt erstmals in voller Funktion. Gut zu sehen ist von der Rheinbrücke auch, dass eine kleine Insel immer noch aus dem Wasser ragt. Auch das ist Teil des Konzepts. Auf diese Insel sollen sich Tiere "retten" können, wenn die Flutmulde komplett überspült ist.

Der Bau der Flutmulde kostet den Bund rund 50 Millionen Euro. Weil das Projekt auch die Hochwassersituation verbessert, beteiligt sich das Land mit vier Millionen Euro. Durch die Flutmulde soll der Wasserstand des Rheins in der Umgebung bei Hochwasser um bis zu zehn Zentimeter gesenkt werden.

Der Bereich bei Rees ist besonders im Fokus, weil der Rhein hier eine scharfe Kurve macht. Es kommt dadurch zu einer Engstelle mit der Folge, dass die Sohle ausgespült wird. Dadurch erhöht sich das Tempo der Strömung. Eben dadurch wächst der Druck auf die Stadtmauer und die Gefahr durch Hochwasser. Genau hier setzt die Flutmulde an, die im Idealfall rund 18 Prozent der Wassermenge des Hauptstroms aufnehmen kann.

(RP)
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