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Emmerich: Reitermord: Kronzeugin mit IQ von 72

Emmerich : Reitermord: Kronzeugin mit IQ von 72

Gutachten über Tanja L.. Sie soll den Auftragskiller zur Ermordung von Christin R. vermittelt haben.

Nachdem im Reitermord-Prozess endlich die Liste der Zeugen sein Ende gefunden hat, stand am Montag das erste psychologische Gutachten an.

Dem Sachverständigen und Psychologen Dr. Alexander Böhle (62) war vom Berliner Landgericht die Erstellung eines Gutachtens über die Schuldfähigkeit von Tanja L. (28) aus Dorsten aufgetragen worden. Sie ist die Kronzeugin in dem höchst ungewöhnlichen Fall.

Dem Pferdewirt Robin H. (24) und seine Mutter Cornelia H. (56) wird zur Last gelegt, einen Mord an der damaligen Freundin von Robin H. beauftragt zu haben, um an das Geld aus Risikolebensversicherung zu kommen. Sie wollten sich damit ihren Traum von einem eigenen Pferdehof verwirklichen.

Tanja L., die laut Sachverständigem sehr verliebt in Robin H. gewesen war, hat Beistand zum Mord geleistet, indem sie einerseits den Killer vermittelt und andererseits das Opfer Christin R. (21) an den Tatort gelockt haben soll.

Viermal habe er die geständige Tanja L. zum Gespräch getroffen, so Dr. Böhle. Fast kindlich habe sich die Frau beim ersten Treffen präsentiert, mit einem schwachen Händedruck und den Worten: "Ich bin die Tanja."

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Der Psychologe habe ihr Verhalten in Anbetracht ihrer Inhaftierung und dem schweren Vorwurf der Beihilfe zum Mord nicht situationsgemäß gefunden. Trotz ihres kindlichen Verhaltens sei sie gleichzeitig distanziert und misstrauisch gewesen. Im Gespräch mit der Frau hat der Arzt herausgefunden weshalb. In der Familie von Tanja L. habe es destruktives Verhalten gegeben. Der Vater soll wegen Sexualdelikten inhaftiert gewesen sein, die Mutter habe die Kinder nach der Trennung der Eltern vernachlässigt, so dass das Mädchen ins Heim kam. Insgesamt habe Dr. Böhle den Eindruck eines ängstlichen Menschen gehabt, der nach Harmonie strebe.

Das mögen auch die Gründe dafür sein, warum die junge Frau sich von Robin H. instrumentalisieren ließ. Der Pferdewirt, den sie im RV Rhede kennengelernt hat, sei ihr weit überlegen gewesen. "Ich denke, dass hier eine abhängige Beziehung entstanden ist", so Dr. Böhle. Auch im Gespräch mit ihm habe Tanja L., die im IQ-Test nur den geringen Wert von 72 erlangen konnte, unter der Anspannung gestanden, alles bejahen zu müssen. Sie habe nicht Nein sagen können, so der Psychologe.

Doch gleichzeitig erklärte der Arzt, könne von einer dissozialen Störung nicht die Rede sein, da die Frau immer sozial integriert gewesen sei. Nach der Schule schloss sie eine Ausbildung ab und habe darauf bestanden, ein Pferd zu haben, und dafür hart gearbeitet.

Abschließend stellte er allerdings fest, dass die junge Frau durchaus zu zielgerichtetem komplexem Handeln in der Lage sei. Tatsächlich hat sie ja nach eigener Angabe aktiv an der Umsetzung des Mordes mitgearbeitet.

(RP)