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Reeser Rheinterrassen leiden wie viele andere Gastronomiebetriebe unter Corona-Krise

Gastronomie in Rees : „Meine Oma hätte Corona ganz stoisch ausgesessen“

Wie viele andere Gastronomiebetriebe sind auch die Rheinterrassen derzeit geschlossen. Dabei ist dort an Ostern traditionell viel Betrieb.

Es grenzt ein wenig an Ironie: „40 Jahre keine Ostern ohne Gäste“, titelten die Lokalzeitungen vor zehn Jahren und spielten auf das arbeitsreichste Wochenende in den Rheinterrassen an. Über Jahrzehnte waren sowohl Rita und Robert Tillmann, die das traditionsreiche Restaurant zum 1. April 1970 von Maria Driftmeier übernahmen, als auch Tochter Andrea und ihr Mann John Collins, die den Betrieb seit 2003 pachten, fast rund um die Uhr eingespannt.

Und jetzt? Erstmals seit dem Wiederaufbau ruht der Betrieb in der beginnenden Hauptsaison an Ostern. Schuld daran ist die Corona-Krise. „Das fühlt sich schon merkwürdig an“, sagt Andra Collins, die  sich bewusst gegen einen Außer-Haus-Verkauf von Gerichten entschieden hat: „Wir haben das ausprobiert, aber es ist schwer zu kalkulieren, wie viele Lebensmittel wir auf Verdacht vorrätig haben müssen. Jetzt haben wir komplett geschlossen.“

Mindestens bis zum 19. April muss das so bleiben. „Ich denke, dass wir erst zwei oder drei Tage vorher informiert werden, ob es bei diesem Termin bleibt. Und selbst wenn, gelten sicherlich Auflagen für die Gästezahl und den Abstand zwischen den Tischen“, sagt Andrea Collins, die jetzt schon ahnt: „Das Geschäftsjahr 2020 können wir abhaken. Was seit dem sonnenreichen Palmsonntag und über Ostern wegfällt, können wir nicht wieder reinholen.“ Andrea und John Collins reagieren vergleichsweise gelassen: Finanzielle Unterstützung aus dem NRW-Hilfspaket hat Andrea Collins freitags beantragt und fünf Tage später erhalten. Ihr Steuerberater hilft dabei, dass auch die Mitarbeiter, die in Kurzarbeit geschickt werden mussten, etwas verdienen. „Existenzängste haben wir noch nicht“, sagt Andrea Collins, „aber die könnten kommen, wenn die Schließung verlängert wird.“ Dabei sei sie noch in der glücklichen Lage, die Gaststätte von ihrer Mutter Rita gepachtet zu haben: „Sie wird mir keine Kündigung ausstellen, wenn ich unverschuldet mit der Zahlung in Verzug geraten sollte.“

Die Geschichte der Rheinterrassen reicht mehr als 500 Jahre zurück, als Kanoniker dort um 1500 ein Haus erbauten. Die Familie van de Kamp unterhielt dort gegen1700 eine Wechselstation für Pferde, die Lastkähne rheinaufwärts zogen, und eine Stube, in der sich die Schiffer erfrischen konnten. Später eröffnete die van de Kamps auch eine Pension. Der Familienbetrieb musste in seiner langen Geschichte schon größere Herausforderungen als die Corona-Krise meistern. 1945 wurden die Rheinterrassen zerstört, doch Maria Driftmeier konnte 1952 wiedereröffnen. „Ich glaube, meine Oma hätte Corona ganz stoisch ausgesessen. Sie war zäh im Nehmen“, sagt Andrea Collins.

Maria Driftmeier starb 2013 im Alter von 100 Jahren. Enkeltochter Andrea verbrachte einen Teil ihrer Ausbildung zur Küchenchefin in Irland und lernte dort John Collins kennen. Als begeisterter Musiker brachte er irische Klänge mit an den Niederrhein. Legendär sind die Konzerte und Partys zum St. Patrick’s Day. Doch auch der irische Nationalfeiertag ist im März Corona zum Opfer gefallen. „Die Musiker durften nicht ausreisen, und wir nicht öffnen“, sagt John Collins und stellt einen Nachholtermin im Oktober oder November in Aussicht.

Von der Corona-Krise sind auch andere Gastronomiebetriebe betroffen: Das Rheincafé Rösen und das Hotel Rheinpark sind über die Feiertage geschlossen. Der Inselgasthof Nass in Grietherort bietet über Ostern die Möglichkeit, Gerichte zu bestimmten Zeiten abholen zu können, wenn sie bis Samstag telefonisch vorbestellt werden. In Haldern bieten unter anderem der Lindenhof und der Doppeladler vorbestellte Speisen zum Abholen an. Auch Imbissbetriebe in Rees und den Ortsteilen haben diesen Service.

(Michael Scholten )